Warum Leipzigs „niedrige“ Arbeitslosenquote tatsächlich von einem grundlegenden Problem erzählt

Für alle LeserEine (offizielle) Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent meldete die Leipziger Arbeitsagentur am 3. Januar. Aber wovon erzählt dieser Wert tatsächlich? Das ist auch die Frage, wenn Paul M. Schröder vom Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) in Bremen regelmäßig die neuesten Großstadt-Rankings veröffentlicht. Rankings, die vor allem zwei Städte im steten Aufwärtstrend zeigen: Dresden und Leipzig. Und dahinter auch Berlin.
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Dass es ursprünglich sein Anliegen war, die Entwicklung in Bremen sichtbar zu machen, wird selbst dann deutlich, wenn er eigentlich nur trocken kommentiert: „Ranking der (jahresdurchschnittlichen) Arbeitslosenquoten der 16 Länder von 2003 bis 2019 (Bayern im elften Jahr in Folge auf Rang 1; Bremen im fünften Jahr in Folge auf Rang 16).“

Das ist zumindest das Länderranking, in dem seit Jahren Bayern und Baden-Württemberg die erste Plätze belegen, gefolgt von Rheinland-Pfalz und Hessen. Bremen ist von einem 10. Platz im Jahr 2003 auf den letzten Platz abgerutscht. Eine ähnliche Entwicklung nimmt seit 2012 auch das Saarland. Die Liste macht im Grunde sehr deutlich, dass gerade die ganz kleinen Bundesländer kaum eine Chance haben, wirtschaftlich mitzuhalten und ihre Arbeitsmarktprobleme aus eigener Kraft zu lösen.

Natürlich zeigt die Grafik nicht nur, wie hoch der Prozentsatz an arbeitslos Gemeldeten ist, sondern – indirekt – auch, wie die tatsächliche Arbeitsmarktreserve weggeschmolzen ist. Und darunter leiden besonders die östlichen Bundesländer, wo seit 2010 spürbar der Berufsnachwuchs fehlt. Das wird sichtbar, wenn man sich die Kurven vor Sachsen (SN), Thüringen (TH) und Brandenburg (BB) anschaut. Diese stärker als im Bundestrend sinkenden Arbeitslosenraten erzählen im Grunde von einem wachsenden Hunger nach jungen Berufsanfängern, die sich aber in vielen Branchen nicht mehr finden lassen. Und das mitten in einem Konjunkturaufschwung, der vor allem auch dazu führte, dass tragende Branchen tausende neue Arbeitsplätze geschaffen haben.

Die 15 größten deutschen Städte, sortiert nach Arbeitslosenquoten. Grafik: BIAJ

Die 15 größten deutschen Städte, sortiert nach Arbeitslosenquoten. Grafik: BIAJ

Und dieses Phänomen wird logischerweise auch in den Großstädten sichtbar. Und zwar eben nicht in den westdeutschen Großstädten, die in ihrer jüngeren Geschichte niemals so einen Bevölkerungsverlust erlebt haben wie die Städte im Osten. Der Druck, auch Bewerber einzustellen, die nicht alle Kriterien für den Arbeitsplatz mitbringen, ist im Osten ungleich höher als im Westen. Und das sorgt dafür, dass gerade junge Leute kaum noch in der Arbeitslosenstatistik auftauchen. Wenn aber der „Nachwuchs“ für die Arbeitslosigkeit ausbleibt, sinken die Zahlen signifikant.

Ergebnis: Leipzig, das 2008 noch ganz am Ende der Tabelle mit den 15 größten deutschen Städten rangierte, was die Arbeitslosenrate betrifft, landete 2019 erstmals auf Rang 7 und hat dabei gleich zwei Städte überholt – Düsseldorf und (die Region) Hannover.

Ob man das einfach nur positiv sehen kann, darf bezweifelt werden. Denn zwar ist hier der Mangel an Bewerbern in einigen Branchen, im öffentlichen Dienst und im Gesundheits- und Bildungssektor schon sehr deutlich zu spüren. Aber der Öffentliche Dienst deutschlandweit leidet heute unter dem falschen Denken mehrerer Bundesregierungen, die glaubten, bei öffentlichen Dienstleistungen einfach mal Personal einsparen zu können. Hier fehlen die Bewerber bundesweit gleich zu Hunderttausenden.

Was zeigt also das Ranking? Ein sich zuspitzendes Problem. Dem Land geht die wichtigse Ressource aus – der Nachwuchs, der die wichtigen Aufgaben in Wirtschaft und Verwaltung übernehmen kann.

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