Auch in Leipzig beträgt die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen fast ein Viertel Jahr

Für alle LeserAm morgigen Dienstag, 17. März, ist Equal Pay Day. Der Aktionstag markiert symbolisch die geschlechtsspezifische Lohnlücke. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes beträgt diese erneut 21 Prozent und liegt damit über dem europäischen Durchschnitt von 16 Prozent. In Leipzig ist sie 2018 sogar angestiegen von 17 auf 22 Prozent.

Was daran liegt, dass die Männer ihr persönliches monatliches Nettoeinkommen um 100 Euro steigern konnten, Frauen nur um 26 Euro. Die Lücke klafft also weiter auseinander. Männer können auch größere Lohnsteigerungen durchsetzen als Frauen.

Für Lohngerechtigkeit: Aktionen in ganz Deutschland

Mit vielfältigen Aktionen im gesamten Bundesgebiet wird auch in diesem Jahr unter dem Motto „Auf Augenhöhe verhandeln – WIR SIND BEREIT“ auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam gemacht: im Netz, bei Filmvorführungen, Diskussionsrunden oder Straßenaktionen. Immer im Gepäck: die Farbe Rot. Sie steht für die roten Zahlen in den Geldbörsen von Frauen und findet sich auf roten Fahnen, Schals, Taschen und Schirmen wieder.

Unterstützung erhalten die vielen Freiwilligen von Dr. Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Ich wünsche mir, dass die Equal Pay Day Kampagne 2020 viele Frauen ermutigt, mehr für sich zu verlangen – ob im Beruf beim Gehalt und bei Führungspositionen oder im Privaten bei der fairen Aufteilung der unbezahlten Sorgearbeit. Doch Chancengerechtigkeit und Gleichberechtigung sind keine Privatsache: Gesetze helfen, den Boden dafür zu bereiten. Als Bundesfrauenministerin bin ich überzeugt: Die Zeit des Wartens und der ungleichen Bezahlung muss jetzt endlich vorbei sein.

Mit unserem neuen Gesetzentwurf für mehr Frauen in Führungspositionen wollen wir den Fuß in die Tür bei den Vorständen kriegen und die Zahl der Unternehmen, für die eine Frauenquote in Aufsichtsräten gilt, deutlich ausweiten. Wir arbeiten weiter an der Aufwertung der sozialen Berufe, in denen zu 80 Prozent Frauen tätig sind. Und wir bringen Vereinbarkeit voran – mit dem Gute-Kita-Gesetz sowie dem geplanten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter erreichen wir, dass Eltern Beruf und Familie besser vereinbaren können. Außerdem habe ich gerade die erste nationale Gleichstellungsstrategie vorgelegt. Damit wird Gleichstellung in allen Ministerien und damit in allen Lebensbereichen zum Maßstab. 2020 ist das Jahr für Gleichstellung – dafür setze ich mich ein.“

„Frauen wollen verhandeln“: Wenn Forderungen auf Rollenstereotype treffen

Die Ursachen der Lohnlücke sind komplex. Frauen dominieren in sozialen Berufen und fehlen in anderen – insbesondere in den Führungsebenen. Rollenstereotype und Geschlechterklischees, Besteuerungssysteme und Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeit und Minijob haben ihren Anteil.

In der öffentlichen Diskussion wird das Gehaltsgefälle gern auch der Zurückhaltung von Frauen angelastet. Sie würden gerade in Verhandlungen vor konkreten Forderungen zurückschrecken und zu defensiv auftreten, so der Vorwurf. Die aktuelle Verhandlungsforschung aber zeigt: Frauen wollen verhandeln und tun dies auch. Geschlechterunterschiede in der Verhandlungsführung haben ihre Ursache in Geschlechterstereotypen, die auf beiden Seiten des Verhandlungstisches wirken.

„Um die Lohnlücke zu schließen, braucht es neue Verhandlungsstrukturen, die einen kritischen Blick auf bestehende Rollenbilder erlauben“, resümiert Uta Zech, Präsidentin des BPW Germany und Schirmherrin des Equal Pay Day. „Die wissenschaftliche Grundlage ist da: Frauen verhandeln ebenso erfolgreich wie Männer, wenn sie das Gefühl haben, für ihre Verhandlungsversuche nicht sanktioniert zu werden, Informationen über Verhandlungsablauf und Bewertungskriterien zugänglich sind und Verhandlungen auf beiden Seiten als natürlicher Prozess verstanden werden. Faire Verhandlungsmuster schaffen mehr Gerechtigkeit.“

Der Verhandlungsbegriff muss aber auch auf das Private ausgedehnt werden. „Frauenkarrieren enden oft, wenn das erste Kind kommt“, so Uta Zech weiter. „Eine egalitäre Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit ist unabdingbar. Verhandeln auf Augenhöhe, ohne über strukturelle Hindernisse und Vorurteile zu stolpern: Was dafür Wirtschaft und Wissenschaft, Gesellschaft und Politik und jede und jeder einzelne tun muss, dafür sensibilisiert die Equal Pay Day Kampagne 2020.“

Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Laut Statistischem Bundesamt beträgt der geschlechtsspezifische Entgeltunterschied in Deutschland aktuell 21 Prozent. Umgerechnet ergeben sich daraus 77 Tage (21 Prozent von 365 Tagen) – damit fällt der Equal Pay Day auf den 17. März. Der Equal Pay Day wurde 2008 auf Initiative des Business and Professional Women (BPW) Germany e. V. erstmals in Deutschland durchgeführt und wird seitdem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.

Entstanden ist der Tag für gleiche Bezahlung in den USA. Die amerikanischen Business and Professional Women schufen 1988 mit der Red Purse Campaign ein Sinnbild für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen. Diesen Gedanken griff der BPW Germany auf, sodass die roten Taschen bundesweit zum Symbol des Equal Pay Day wurden.

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