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Corona-Effekt: Leipzig verlor im zweiten Quartal über 600 Einwohner/-innen + Update

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    Der Corona-Shutdown sorgte nicht nur dafür, dass viele Leipziger auf einmal im Homeoffice festsaßen, Urlaubsreisen ausfielen und viele Geschäfte geschlossen hatten. Er brachte das Umzugsgeschehen fast komplett zum Erliegen. Wer kein Studium beginnt oder eine neue Arbeitsstelle antritt, der bleibt da lieber, wo er ist. Und das machte im zweiten Quartal 2020 sehr gut sichtbar, wie sehr das Leipziger Bevölkerungswachstum vom Zuzug abhängt.

    Recht deutlich ging die Bevölkerungszahl in Leipzig laut Einwohnermelderegister von März bis Juni von 601.685 auf 601.083 zurück. Das ist in Leipzig in den vergangenen Jahren so nie geschehen, auch wenn das Wachstum seit 2018 schon deutlich gebremst lief. Denn seitdem ist der Wohnungsmarkt eigentlich dicht, gibt es gerade für die Bedürfnisse der Zuzugswilligen kaum noch passende und vor allem bezahlbare Wohnungen. Viele weichen, wenn sie in Leipzig einen Arbeitsplatz gefunden haben, mittlerweile auf die Städte in den angrenzenden Landkreisen aus.

    Das stabilisiert dort die Bevölkerungszahl. Ob es nachhaltig ist, weiß man erst bei der nächsten Pendler-Erhebung, denn das macht nicht wirklich Sinn, wenn diese Zuzügler dann jeden Tag mit dem Auto in die Stadt pendeln müssen, weil zum Beispiel die Anbindungen mit S-Bahn, Straßenbahn oder Bus fehlen.

    Die Zahl der angemeldeten Ausländer stieg übrigens im 2. Quartal sogar an – von 61.309 auf 61.447. Da es noch keine detaillierte Auswertung zu den Herkunftsländern dieser Menschen gibt, wissen wir natürlich nicht, ob das rumänische Bauarbeiter, polnische Fachkräfte oder gar Briten sind, die sich noch schnell vor dem Brexit aufs Festland retten.

    Aber dieser Wert zeigt eben auch, dass der Corona-Shutdown vor allem die üblichen Zuzugsquellen der Stadt Leipzig außer Kraft gesetzt hat – all die Zuzüge von jungen Menschen aus ostdeutschen Landkreisen oder (wie in den letzten Jahren verstärkt) aus Westdeutschland, wo Leipzig als Universitätsstadt einen guten Ruf genießt.

    Aber der Großteil des Leipziger Wachstums entspringt genau diesen Zuzügen.

    Natürlich sind das nur erst einmal die Zahlen aus dem Melderegister.

    Letzte Zuzugszahlen gibt es aus dem 1. Quartal. Da gab es noch den bekannten Zuzugsüberschuss, aus dem sich das Leipziger Wachstum speist.

    Während 7.209 Menschen nach Leipzig zogen, packten nur 6.782 ihrer Koffer und zogen weg. Was dann zumindest im 1. Quartal wieder ein leichtes Wachstum ergab. Die Allgemeinverfügungen wegen Corona traten ja erst ganz zum Ende des Quartals, Ende März in Kraft. Mit all den bekannten Folgen vom Kurzarbeitergeld bis hin zu Homeschooling und dem Absagen von Präsenzveranstaltungen an den Hochschulen.

    Aber auch ein Studium funktioniert nicht dauerhaft ohne Präsenz. Und zahlreiche Unternehmen suchen auch wieder verstärkt Leute. Gut möglich also, dass ein leichtes Bevölkerungswachstum im Herbst wieder in Gang kommt.

    ***

    Update: Die Meldung des Amtes für Statistik und Wahlen vom 16. Juli dazu

    Corona-Pandemie und die aktuelle Bevölkerungsentwicklung

    Zum Ende des zweiten Quartals hat Leipzig exakt 601.083 Einwohner. Wie aus den aktuellen Daten des Melderegisters mit Stichtag 30. Juni hervorgeht, konnte die Stadt in den ersten sechs Monaten des aktuellen Jahres keine Einwohnergewinne verbuchen, sondern die Bevölkerungszahl ist um 585 Personen zurückgegangen. Zum Vergleich: 2019 wuchs die Stadt in den ersten sechs Monaten noch um 976 Personen, im Jahr zuvor um 1.349.

    Die aktuellen Meldedaten spiegeln jedoch keine demografischen Entwicklungen wider, sondern sind vor allem eine Folge des Lockdowns aufgrund der COVID-19-Pandemie. Dr. Christian Schmitt, Leiter des Amtes für Statistik und Wahlen, sagt: „Der stetige Einwohnerzuwachs in Leipzig wird nach wie vor in erster Linie von einem positiven Wanderungssaldo getragen. Es ziehen also mehr Leute nach Leipzig als aus der Stadt weg.“ Während von Januar bis März noch jeweils mehr als 2.000 Zuzüge registriert wurden, brachen die Neuanmeldungen im April auf 1.405 ein, im Mai waren es 1.490, im Juni dann wieder 1.725. „Das Umzugsgeschehen war während des Lockdowns stark verlangsamt. Gleichzeitig war der Besuchsverkehr in den Bürger- und Meldeämtern coronabedingt eingeschränkt und das An- und Ummelden erfolgte vielfach verzögert“, so Schmitt weiter.

    Fortzüge aus Leipzig werden zudem von den Behörden der aufnehmenden Gemeinde gemeldet. Mögliche Nachregistrierungen von Neu-Leipzigern ebenso wie von Wegzüglern werden demnach also erst in den kommenden Quartalsabschlüssen in vollem Ausmaß zu erkennen sein.

     

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    2 KOMMENTARE

    1. Umzüge waren weiterhin möglich, es werden wohl einige Einfamilienhäuser im Umland fertig gebaut worden sein.

    2. Wenn man das Phänomen mit Corona begründet – müssten dann nicht auch die Wegzüge dadurch gelitten haben und die Einwohnerzahl eher konstant bleiben?

      Oder war es tatsächlich so und die Leipziger sind – im Vergleich zur Umzugstendenz – einfach weggestorben?

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