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Ein paar kleine Korrekturen zu ein paar großen Zahlen aus einem Leser-Kommentar

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    Zu unserem am 20. September veröffentlichten Beitrag „Petition freundlich abgelehnt: Es ist noch nicht Zeit für ein Renaissance-Stadtfest aus Dank zur Errettung vor der großen Corona-Seuche“ gab es im Nachhinein eine kleine Diskussion, in der vor allem Leser „Igor“ sehr emotional wurde und auch einige Zahlen ins Gespräch brachte, mit denen er die Auswirkungen des Coronavirus versuchte einzuordnen oder zu relativieren. Ganz so klar wurde das nicht.

    Aber dass jede Menge Emotion dabei war, wird deutlich, wenn man seine Reaktion auf „Ellen“ liest. Da kommen dann auch die ganzen Zahlen wie Pingpong-Bälle.

    „Ähmm, äh Ellen, es sterben jedes Jahr in Deutschland ca. (Pi mal Daumen) 40.000 Menschen an Krankenhauskeimen. In anderen Ländern soll die Quote deutlich geringer sein (Dänemark). Ca. 10.000 sterben an falscher Medikation, 30.000 waren es bei der falschen Schutzimpfung vor 3 Jahren, die also keine Immunität erzeugen konnte, weil man einen anderen Erreger erwartet hatte.

    Narkolepsie, schon mal was davon gehört? Nicht schön – nur ein kleiner Kollateralschaden einer der letzten Grippeimpfungen (…)“

    Das unterschwellige Thema ist natürlich: Wovor sollten wir wirklich Angst haben? Ist das eine schlimmer als das andere? Sind die rigiden Verordnungen zu Corona eigentlich berechtigt und sinnvoll?

    Wer bei uns eifrig mitliest, der weiß, dass wir nicht dazu neigen, Nachrichten aufzubauschen oder zu dramatisieren oder auch zu bagatellisieren. Sondern dass wir stets versuchen, sie einzuordnen. Und natürlich gibt es neben der Corona-Pandemie auch einige andere Entwicklungen in der Welt, die natürlich ähnlich besorgniserregend sind. So wie die von „Igor“ erwähnten „in Deutschland ca. (Pi mal Daumen) 40.000 Menschen“ die jährlich an Krankenhauskeimen sterben.

    Zu den Krankenhauskeimen

    Die Zahl, die „Igor“ hier nennt, stimmt nicht. Jedenfalls ist das nicht die zuletzt gemeldete aktuelle Zahl. Die veröffentlichte das Robert-Koch-Institut im November 2019. Die „Tagesschau“ fasste die Zahlen so zusammen: „Das Robert Koch-Institut hat neue Zahlen zu Infektionen in Kliniken veröffentlicht. Demnach sterben jährlich schätzungsweise bis zu 20.000 Menschen durch Krankenhauskeime. Vor allem immungeschwächte Patienten sind gefährdet.“

    Es ist immer ein Problem, wenn sich gerade ältere Menschen und Kinder im Krankenhaus auch noch zusätzlich eine Infektion zuziehen. Denn sie sind ja schon vorher geschwächt und ihr Immunsystem ist stark beansprucht. Es sterben übrigens nicht alle an den Infektionen. Insgesamt hatten sich 2019 rund 600.000 Patient/-innen in deutschen Krankenhäuser mit Krankenhauskeimen infiziert.

    Wobei „Igor“ hier auch zwei Dinge durcheinanderwirft.

    Nicht alle Krankenhauskeime sind auch hochgefährlich.

    Einige sind freilich sehr gefährlich.

    Und da sind wir beim Vergleich mit Dänemark. Denn eine zugehörige Statistik vergleicht hier eben nicht Krankenhauskeime im Allgemeinen, sondern die Ansteckung mit antibiotikaresistenten Bakterien. Das sind die hochgefährlichen Erreger, die gegen Antibiotika mittlerweile resistent sind – Folge des über Jahrzehnte viel zu massiven Antbiotikaeinsatzes bei Mensch und Tier. Eigentlich ein ganz natürlicher Vorgang der Auslese: Denn auch Bakterien mutieren. Und die, die Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt haben, überleben nicht nur, sondern vermehren sich dann umso ungebremster.

    Auch hierzu gab es die entsprechende Veröffentlichung im November 2019 – mit Vergleichszahlen aus dem Jahr 2015. Dieser Vergleich zeigt, dass Deutschland zu den Ländern gehört, die ein großes Problem mit antibiotikaresistenten Keimen hat.

    2015 starben in Deutschland – bei 54.509 Infektionen – immerhin 2.363 Patient/-innen an den Folgen dieser Infektion.

    Die skandinavischen Länder haben die Sache augenscheinlich noch besser im Griff. In Dänemark erkrankten nur 3.351 Menschen an solchen resistenten Keimen und 124 starben. Die Studie zeigte aber auch, dass die Probleme in Frankreich, Italien und Großbritannien noch größer waren. Aber europaweit stiegen die Zahlen seit 2007 deutlich an, wie die „Tagesschau“ berichtete.

    Hier scheint der jahrzehntelang geübte Einsatz von immer mehr Antibiotika an seine Grenzen gestoßen zu sein.

    Falsche Medikation

    „Ca.10.000 sterben an falscher Medikation“, schreibt „Igor“. Und das klingt, als wäre auch das ein Argument gegen die Gefährlichkeit von COVID-19, das übrigens mit Stand 30. Oktober schon 10.349 offiziell nachgewiesene Todesfälle zur Folge hatte.

    Das Problem bei falscher Medikation ist: Es gibt keine wirklich belastbaren Zahlen, weil es auch nicht immer eine falsche Behandlung durch Ärzte zur Ursache hat. Manchmal ist eine falsche Diagnose die Ursache, oft ist es eine falsche Dosierung des Medikaments, oft treten Nebenwirkungen auf (nämlich genau die, die auf der Beilage aufgelistet sind), oder der Patient verschweigt dem Arzt Vorerkrankungen, die zu einer geeigneten Therapie aber bekannt sein müssten, oder verschiedene gleichzeitig eingenommene Medikamente vertragen sich nicht, oft bringen die Patienten selbst die Medikamente und die Dosierung durcheinander. Die Zahl 10.000 ist da wohl eher die Untergrenze, das Dunkelfeld dürfte ziemlich groß sein.

    Also ist das Argument eher kein Argument zu COVID-19, eher zum falschen Umgang mit Medikamenten.

    Die Grippewelle von 2017/2018

    „30.000 waren es bei der falschen Schutzimpfung vor 3 Jahren, die also keine Immunität erzeugen konnte, weil man einen anderen Erreger erwartet hatte“, schreibt „Igor“. Ein Satz, der in diesem Fall eindeutig nicht stimmt. Denn wie viele der in der Grippewelle 2017/2018 an Influenza Gestorbenen geimpft waren, weiß niemand. Die meisten Deutschen lassen sich nicht gegen Grippe impfen. In normalen Jahren liegt die Impfquote gerade bei 35 Prozent.

    Und da auch das Influenzavirus mutiert, gibt es jedes Jahr unterschiedlich gefährliche neue Virenstämme, für die dann in sehr kurzer Zeit ein passender Impfstoff entwickelt werden muss, damit er pünktlich vor der Grippe-Saison zur Verfügung steht. Wie gut der Impfstoff 2017/2018 war, verraten die Zahlen freilich nicht.

    Aber die 30.000 sind auch sonst übertrieben. „In der Saison 2017/2018 starben nach Schätzungen des RKI 25.100 Menschen durch Grippe – die höchste Zahl an Grippetoten in den vergangenen 30 Jahren“, berichtete z.B. die „Frankfurter Rundschau“. Das Wort „Schätzungen“ darf man nicht überlesen.

    Denn im Vergleich zu den nachweislich an COVID-19 verstorbenen 10.349 in diesem Jahr sind die 25.100 nur eine indirekt ermittelte Zahl. Correctiv.org hat die Zahl einmal genauer unter die Lupe genommen: „Im Saisonbericht des RKI von vor zwei Jahren war von rund 25.000 ,Influenza-bedingten Todesfällen‘ die Rede – es sei eine ,ungewöhnlich starke‘ Grippewelle gewesen, heißt es in dem Papier (Seite 7 und 8). Tatsächlich ,mit laborbestätigter Influenza-Infektion‘ an das RKI gemeldet wurden damals jedoch 1.674 Todesfälle (Seite 35) – und das ist die Zahl, die man für einen Vergleich der Grippewellen richtigerweise heranziehen müsste.“

    Die andere Zahl – die 25.100 – ist die sogenannte „Übersterblichkeit“, die auch zur Ermittlung der eben nicht klinisch nachgewiesenen Todesfälle herangezogen wird, wenn es um „coronabedingte“ Todesfälle geht. Es ist gut möglich, dass diese durch COVID-19 verursachte Übersterblichkeit in Deutschland am Jahresende noch deutlich über den 25.000 liegen könnte. Wir wissen es ja noch nicht. Wir stecken ja gerade erst in der 2.Welle

    Man kann also das eine nicht mit dem anderen aufwiegen.

    Narkolepsie

    Und dann ist da ja noch „Igors“ dramatisch klingender Satz mit der Narkolepsie als „kleiner Kollateralschaden einer der letzten Grippeimpfungen“. Was so klingt, als hätten die zurückliegenden Grippeimpfungen auch noch haufenweise Narkolepsien zur Folge gehabt.

    Auch das stimmt so nicht. Wenn es Komplikationen mit Impfstoffen gibt (und nicht nur mit Grippeimpfstoffen), müssen diese an die Bundesoberbehörde für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel gemeldet werden. Das Paul-Ehrlich-Institut wertet dann aus, was es für Komplikationen mit welchem Impfstoff gab.

    Die „Deutsche Apotheker Zeitung“ berichtete 2017 zum Beispiel über die Meldeergebnisse der beiden Vorjahre: „Mit 3.919 Meldungen einer Impfnebenwirkung/Impfkomplikation im Jahr 2015 ist die Zahl der Verdachtsfallmeldungen im Vergleich zum Vorjahr (3.720) leicht gestiegen. Ein Trend innerhalb einzelner Altersgruppen war jedoch nicht festzustellen. Die meisten Meldungen betrafen Erwachsene im Alter von 18 bis 59 Jahren.“

    Aber das waren eben nicht alles Narkolepsien, auch wenn solche Narkolepsie-Fälle vor allem in Schweden für Aufregung sorgten.

    Der Befund für Deutschland: „In vier Fällen bestand ein Zusammenhang mit einer Pandemrix-Impfung gegen pandemische Influenza-A/H1N1 (Schweinegrippe-Impfstoff). Mehrere frühere Studien berichteten über eine solche Assoziation. Ein Fall wurde nach einer Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) gemeldet. Hier sah das PEI aber keinen Zusammenhang der gemeldeten Narkolepsie-Symptome mit der vorangegangenen Impfung.“

    Fazit

    Es bringt nichts, sich alle möglichen scheinbar großen Zahlen überall zusammenzupicken und sie gegeneinander aufzurechnen. Auch nicht gegen die vielen Zahlen zu COVID-19. Denn dass die bisher in Deutschland noch relativ niedrig lagen, hat eben auch damit zu tun, dass es ab März einige wirksame Maßnahmen zur Eindämmung gab und ein Großteil der Menschen sich auch daran gehalten hat – womit sie auch jene geschützt haben, die sich nicht dran gehalten haben.

    Petition freundlich abgelehnt: Es ist noch nicht Zeit für ein Renaissance-Stadtfest aus Dank zur Errettung vor der großen Corona-Seuche

    30 Jahre deutsch-deutsche Parallelwelt: Höchste Zeit, die betonierten Vorurteile zu demontieren

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      12 KOMMENTARE

      1. Hallo Kathrin, hallo Michael Freitag, es ist schwierig Mut aufzubauen, wenn das ganze Dilemma auf Angst gegründet ist. Ich erinnere Mal an die Panik wegen Aids in den 1980’er Jahren, und nun musste ich schon nachschauen wie man das Wort überhaupt schreibt.
        Die „unausweichlichen“ Schutzmaßnahmen sind nicht unausweichlich. Gefährdete schützen und die Anderen machen lassen, bei aller gebotenen Vorsicht. Sonst klingt das wieder nach alternativlos und das kann ich einfach nicht akzeptieren. Im Ergebnis braucht man dann das Parlament auch nicht mehr zu fragen, sondern erfindet ein neues Gremium wie die „Ministerpräsidentenversammlung“ die nun die Verfassung außer Kraft setzt, den „Koalitionsausschuss“, den es nur geben kann, wenn es eine Koalition braucht und weiß der Teufel was noch kommt. Hier findet vor unseren Augen eine Selbstermächtigung mittels Scheindemokratie statt, die nicht in unserem Sinn sein kann.
        Natürlich muss man solidarisch sein mit den Gefährdeten und den Verängstigten, aber für die Angstmacher dürfen wir nicht die Brücken bauen, die fürchte ich mehr als das Kapital.
        Wenn wir es zulassen, das die Macht vom Parlament weiterhin in das Bundeskanzleramt verschoben wird, krönen wir einen neuen Souverän und verlieren die selber die Hoheit über unser Land.

      2. „Tun wir es nicht, wachen wir in einer Konzernwirtschaft auf, in der neben den Aktionären den Banken der Rest gehört, den sie aus den Pleitefirmen rausholen können.“
        Lieber Michael: und genau darum geht es. Es ist das Grundprinzip des Kapitals: Fressen oder gefressen werden.
        War nicht der Lockdown im Frühjahr schon eine prima „Studie“ für die Wirtschaft, wie weit man ein System runterfahren kann, und es trotzdem noch funktioniert? Und genauso wird es kommen.
        Bleibt zu erwähnen, dass sich Betongold selbst in solchen harten noch auszahlt, gewohnt wird schließlich immer, und dann erhöht man noch schnell die Mieten.

      3. Ich werde es mal kurz machen bzgl. der Argumentation von Igor, weil mir in all dem Wust aus Sinn-Sprüchen etc. vor allem dieses infernalische „Freiheit“ aufgefallen ist.

        Freiheit ist ohne die Freiheit des Anderen nicht denkbar und endet an den Grenzen dieser. Würde eben dies nicht gelten, könnten wir jegliche Kriminalität straffrei stellen und dann riete ich jedem hier, sich in dieser Art der „Welt der Starken“ rasch zu bewaffnen – denn eben dieses egoistische „Freiheit“sdenken führt direkt in den Abgrund einer Zivilisation.

        Einfach drüber nachdenken und dann stellen sich viele Fragen nicht mehr und falsche Verständnisse von „Freiheit“ nicht mehr in den Weg zu einem solidarischem Handeln.

        Was sich tatsächlich als Mammutaufgabe darstellt (übrigens auch solidarisch zu lösen), ist der aktuelle Zustand ganz bestimmter Branchen (sie sind allen hier bekannt) und der Gesamtwirtschaft (niemand agiert allein). Dazu habe ich jedoch bereits klar geschrieben (siehe IHK-Artikel zum Thema): da werden einmalige Zahlungen (wie jetzt die 75 Prozent Umsatz aus 2019/12, also für einen Monat) und „Kredite“ nicht genügen.

        Nach diesem Einschlag benötigen wir ein ernsthaftes Wiederaufbauprogramm mit echten Krediten, die mit 10 Prozent oder ähnlicher Eigenhaftung, niedrigsten Barrieren und (so wie im April schon mal im Gespräch) sowie bei schwerer See im Unternehmen auch nur in Teilen zurückzuzahlen sind.

        Demnach um eine Rekapitalisierung weiter Bereiche der kleinen und mittelständischen Wirtschaft statt Masseninsolvenzen (wobei man dann die Schulden ja auch erst einmal los ist – sofern vorhanden – und niemand kann einen beschuldigen, es verursacht zu haben).

        Wir brauchen also einen echten Plan, bei dem sich Unternehmen zu Kosten nahe Null bei den Staatsbanken (SAB, KfW) neu finanzieren können. Denn die Substanz (eigene Rücklagen, Kapital der Firma etc.) wird bis Frühjahr im Mittelstand und bei den kleineren Unternehmen vollständig aufgebraucht sein. Zuerst im Osten, wo wir in weiten Teilen schon da angekommen sind.

        Tun wir es nicht, wachen wir in einer Konzernwirtschaft auf, in der neben den Aktionären den Banken der Rest gehört, den sie aus den Pleitefirmen rausholen können.

        Also: lasst uns bitte mal aufhören, unausweichliche Schutzmaßnahmen in „Querdenker“-Manier zu besprechen, diese geradezu dümmliche Geningel mit dem Blick nach hinten (vergossene Milch) geht mir ehrlich auf den Geist – es geht längst um einen Plan, der nach vorn zeigt und Mut machen könnte.

      4. Hallo Torsten, ich bin es nochmal. Sie meinten den zweiten Text? Stimmt, der ist wohl recht verschwurbelt geraten. Ich schreibe zwar viel, aber wirklich nicht gerne, zumal ich die Tasten nicht so richtig treffe und ständig nachbessern muss. Das nervt gewaltig!

      5. Hallo Torsten, schön, dass Sie hier schreiben. Ich würde gern verstehen um was es Ihnen geht, sonst wäre das Gespräch ja schon wieder am Ende und das fände ich schade. Komme ich rüber wie der große Aufklärer? Das ist interessant zu wissen, man kann sich selber nur schwer beobachten, aber ich komme darauf zurück.
        Sind sie der RO, arbeiten Sie bei L IZ oder sind Sie einfach ein Leser? Was halten Sie von der Coronageschichte? Kommt das Ihnen auch unlogisch vor? Wissen Sie, warum man beim Thema Corona ständig Zahlensalat erzeugt und so das Orientieren unmöglich macht? Ich suche zurzeit auf solche Fragen eine Antwort. So riecht es nach einer Absicht, die unbedingt zu suchen wäre.
        Der Zustand unseres Landes ganz allgemein treibt mich seit ein paar Jahren umher. Was funktioniert hat, zerfällt oder wird abgebaut und durch etwas ersetzt, was noch nicht fertig ist und eben nicht läuft. Das ist bei den verschiedensten Dingen so und es will mir nicht in die Birne, was dabei rauskommen soll. Also falls Sie Lust haben, lassen Sie uns einen „Debattenraum“ eröffnen, so wie es Milosz Matuschek und Gunnar Kaiser in ihrem Appell angeregt haben. Ich fürchte zwar, dass diese Idee, so gut ich sie finde, nichts bewirken wird, aber erst hinterher ist man schlauer.
        Übrigens, wenn ich da etwas alt schlau dahergekommen bin, liegt es daran, das man anders nicht durchkommt. In den Lesermeinungen habe ich hier öfter etwas geschrieben, aber nie ist ein Streit entstanden. Man muss schon kräftig auftreten, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Das finde ich schon deshalb schade, weil sich die Zeitung dadurch zum Teil selber schreibt und aus meiner Sicht interessanter wird. Es ist spannend zu lesen, was die Menschen sich für Gedanken machen. Ja – auch schräge Gedanken, aber das kann und sollte man meistens als normal durchgehen lassen.

      6. „…auch wenn ich von diesem Weg abrate. „, „Natürlich dürfen Sie das so handhaben, liebe(r) Ro…“, „Aber glauben Sie mir,…“, „Wer das Aktuelle aus Presse, Funk und Fernsehen glaubt, kann auch richtig liegen,“ … “ Die Schwester von gut gemein…“ Erinnern Sie sich?“

        @Igor: Ist halt schade, wenn die freigewordene Kanzel von Menschen mit zauberhaftem Gedächtnis und noch mehr Sendungsbewusstsein genutzt wird, Anderen von oben herab die Welt erklären müssen. Es ist weniger was Sie schreiben, sondern viel mehr das durch Ihre Formulierungen schimmernde Gefühl zu Höherem berufen zu sein, was es mir schwer macht, Ihnen zu folgen. Vielleicht hätten Sie mal was machen sollen, das Ihrem Stand mehr entsprochen hätte. Dann müssten Sie sich hier nicht als großer Aufklärer und Ratgeber gerieren.

        Andererseits, was weiß denn ich …

      7. Hätte ich doch glatt vergessen, dass mit Ellen ist eine ganz andere Geschichte. Ellen wird mich verstehen. Stimmts?
        Ansonsten finde ich Journalismus, so wie wir ihn hier gerade erleben, ganz große Klasse.
        Nicht von der Kanzel herunter, sondern mitten durch den Saal.
        Grüße
        Igor

      8. Hallo, hier ist Igor,
        einen Satz vornweg: „Das Dasein ist die kurze Unterbrechung das Wegseins“.
        Große Klasse finde ich diesen Artikel und besonders die Kommentare dazu, selbst mit dem Wunsch so zu leben, dass man niemandem schadet, kann ich gut umgehen, auch wenn ich von diesem Weg abrate. In der guten Absicht liegt die schlechte Wirkung sehr häufig mit dabei. „Gut gemeint ist die Schwester von Scheiße gebaut.“ Etwas ordinär, aber es entspricht voll meiner Erfahrungen. Natürlich dürfen Sie das so handhaben, liebe(r) Ro. Das ist ja gerade das Tolle an unserer Gesellschaft. Die Freiheit!
        Aber glauben Sie mir, dieser Weg gelingt selten bis gar nicht. Dazu kommt.“ Die Erwartung ist die Vorstufe der Enttäuschung“. Sie werden also enttäuscht sein, denn Sie erwarten viel.
        Wer das Aktuelle aus Presse, Funk und Fernsehen glaubt, kann auch richtig liegen, aber da wäre ich mir nicht so sicher. Wenn ich daran denke, dass am Anfang Corona als Hirngespinst von Verschwörungstheoretikern, Aluhüten und ähnlichen minderintelligentem Pöbel galt, hat sich, höchst wissenschaftlich natürlich, doch irgendwas geändert oder etwa nicht?
        Nun geht es also mit dem gleichen Eifer in die andere Richtung? Hallo, ist da jemand, der mir das erklären kann?
        Ich bin kein Journalist, kein Wissenschaftler, sondern ein Mensch, der versucht, sich ein Bild zu machen aus dem, was er gelernt und studiert hat und dem, was er beobachten, erdulden und erleiden durfte, konnte und musste.
        Die Verhältnisse, die wir im Moment in der sogenannten Coronakrise beobachten, machen mir in der Tat die größten Sorgen. Wir haben die Situation, die wir in unserer Menschheitsgeschichte mit Abstand am häufigsten hatten, wir fühlen uns schutzlos und binden uns in geradezu religiösen Eifer irgendwelche Läppchen vors Gesicht, und wer das nicht tut, ist ein Ketzer. Das erinnert mich an die Pestmasken aus dem Mittelalter. Der Vergleich hinkt, ich weiß, aber er beschreibt meine Sicht der Dinge sehr genau. Man wusste damals nicht, woher der Tod kam und die Vermutung stand im Raum, er kommt über die Luft. Auch böse Geister, schlechte Nachbarn und diverses Fehlverhalten usw. kamen in Betracht und wurden hart bekämpft – wie heute auch.
        Was wir diesmal falsch gemacht haben, waren die
        W a r n u n g e n
        vor Coronamutationen v o n 2 0 1 2 nicht ernst genommen zu haben. Die dafür Verantwortlichen reagieren entsprechend hektisch.
        Mit dieser Mutation hatten wir aber noch etwas Glück und eine mäßig gefährliche Variante abgefasst, mit der wir einigermaßen umgehen können. In jedem Fall wird es zwar auch Tote geben, wie in jedem Herbst, weshalb der Tod auch als Schnitter bezeichnet wird, der im Herbst erntet.
        Wir haben also wieder Tote und manchmal reicht dafür ein einfacher Rhinovirus (Schnupfen) völlig aus, um aus der Bahn zu fliegen. Deshalb sollte man sich viel an frischer Luft aufhalten …. Sie wissen schon, die ganze Litanei! Selbst umbringen sollte man sich jedenfalls nicht.
        „Wirtschaft, Wissenschaft und Politik kennen keine Emotionen“ (soll von Kant stammen). Ein kluger Rat aus der Zeit der Aufklärung, denn man hatte erkannt, dass mit Eifer und mit dem Wunsch, es möge so sein und alles werde gut, kein Vorankommen in der Wissenschaft mehr möglich war und die Wissenschaft trennte sich weitestgehend von der Religion. Anstatt des Glaubens stand nun das Wissen an erster Stelle und die Welt erfuhr eine Hochphase, die man heute Aufklärung nennt.
        Mir scheint es nun wieder so zu sein, dass der Glaube und die aktuell richtige Meinung mehr Wert haben, und jedes, geradezu religiöses Heilungsversprechen wird begierig übernommen und als Wissenschaft verkauft.
        In der Wissenschaft gelten aber Dogmen nichts, sondern der Zweifel ist immer noch die erste wissenschaftliche Methode und man arbeitet mit Thesen, die dazu da sind meistens als falsch oder unbrauchbar zu enden. So wie Sie meine Zahlen angezweifelt haben, die ich einfach aus dem Gedächtnis gezaubert und nicht nochmals überprüft habe, zweifle ich die Richtigkeit der Maßnahmen und ihre positive Wirkung ganz massiv an. Es hätte nach den vielen Großdemonstrationen im zu Ende gehenden Jahr in jeweils etwa 1- 2 Wochen einen erhebliche Anstieg der Coronaerkrankungen geben müssen. Und? Nichts davon gab es.
        Die WHO hält einen erneuten Shutdown für nicht zielführend. Der Chef der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, findet Masken nicht besonders wirksam, sein Vorgänger hatte sich zuvor auch in dieser Richtung geäußert. Aber unser Bankkaufmann und eine Physikerin sehen es anders. Dafür büßen eine Menge Menschen alles ein, was sie sich aufgebaut hatten und wir erzeugen Geld ohne Ende und keiner will wissen, wo es herkommt und wer es zurückzahlt.
        Es werden die Leute die heute bis etwa 30 Jahre alt sind, für diese Entscheidungen bezahlen müssen. Die Älteren fallen in Armut, die ärmsten der Armen in aller Welt werden „nur“ verhungern.
        Die Schwester von gut gemein…“ Erinnern Sie sich?
        „Das Dasein ist die kurze Unterbrechung des Wegseins.“ Ich werde dann hoffentlich schon weg sein.
        Bis dahin werde ich mich einmischen, denn man hat ja noch Familie.
        Toi Toi Toi Igor.

      9. Ich persönlich habe das Bedürfnis, so zu leben, dass ich möglichst niemandem in meinem Umfeld Schaden zufüge. Dass ich z.B. dazu beitrage, dass meine Verwandten und Freude, die als Pflegekräfte tätig sind, nicht noch zusätzlich durch das Anheizen des Infektionsgeschehens an den Rand des Zusammenbruchs gebracht werden. Was ich im Fall von Covid-19 dadurch am besten sicherstelle, dass ich persönliche Kontakte beschränkte und, wo sie stattfinden, auf Abstand und gute Lüftung achte. Ich darf behaupten, dass das meine Lebensqualität höchstens unwesentlich einschränkt.
        Was mir viel mehr Sorgen macht, ist, dass die Lebensgrundlage vieler Menschen den Bach runtergeht. Noch mal vier Wochen auf Theater und Konzert verzichten zu müssen, ist für mich ärgerlich. Aber immerhin behalte ich meinen Job. In der Kultur- und Veranstaltungsbranche, in der Gastronomie kämpfen Menschen um ihr wirtschaftliches Überleben, ebenso viele Selbständige in anderen Branchen. Und das sind insgesamt ganz schön viele Leute. Die sich im übrigen in dieser Wohlstandsgesellschaft gerade nicht wirklich aussuchen können, wie sie leben wollen.

      10. Was für eine Diskussion!
        Das Leben an sich lässt sich nicht kontrollieren, somit auch nicht das Sterben. Letzeres ist ein Factum – wir werden es niemals „in den Griff bekommen“. Wenn wir aus dieser Angstfalle heraus (und genau das wäre die Chance, wirklich frei zu sein), gibt es nur einen Weg: Begrenzung (unseres Kontrollwahns) akzeptieren und sich darüber im Klaren werden, wie ich gelebt haben will, wenn das Leben zu Ende ist. Und dann meine Energie darauf richten.

        Statt auf irgendwelche Zahlen, „Fakten“, Verordnungen und Anfeindungen.
        Wir haben per se nicht die Wahl, wann und wie wir sterben wollen, aber wir, hier in unserem Wohlstand (das sollte auch mal bedacht werden!), haben die elitäre Wahl, wie wir gelebt haben werden, was uns wichtig ist, wofür wir uns einsetzen, ob wir das alles, was man für das Geld kaufen kann, für das wir unsere Lebenszeit verkaufen, wirklich so
        unbedingt braucht, wie uns weißgemacht wird und ob es statt dessen nicht viel Wichtigeres gibt

      11. „Denn dass die bisher in Deutschland noch relativ niedrig lagen, hat eben auch damit zu tun, dass es ab März einige wirksame Maßnahmen zur Eindämmung gab und ein Großteil der Menschen sich auch daran gehalten hat – womit sie auch jene geschützt haben, die sich nicht dran gehalten haben.“

        Das Klima und die Jahreszeiten spielen vielleicht sogar noch eine größere Rolle (was Aerosolausbreitung wie auch den Aufenthalt in geschlossenen Räumen bzw. draußen angeht etc.). Wie wirksam die Maßnahmen waren und welche davon wirksam waren und welche nicht wissen wir nicht.

        „Neben Temperatur und Luftfeuchtigkeit spielt auch das Sonnenlicht eine wichtige Rolle. Neueste Studien konnten eine inaktivierende Wirkung von – dem Sonnenlicht nachempfundener – UV-Strahlung gegen das neu-aufgetretene SARS-CoV-2, den Erreger von COVID-19, zeigen. Zudem hat die Sonneneinstrahlung einen direkten Einfluss auf das Vitamin-D-Level im Körper, das auch die Immunfunktionen beeinträchtigen kann“

        https://www.aerzteblatt.de/archiv/215317/Respiratorische-Virusinfektionen-Mechanismen-der-saisonalen-Ausbreitung

        Natürlich: „Das Verhalten von Menschen spielt ebenfalls eine Rolle bei der Saisonalität von respiratorischen Erregern.“

        Hauptrollen scheinen aber Temperatur, Luftfeuchtigkeit, UV-Strahlung zu haben. Sogar Vitamin D spielt eine Rolle.

        „In diesem Zusammenhang vermutet man, dass schlechte (d. h. kalte und nasse) Wetterverhältnisse die Aufenthaltsdauer in geschlossenen Räumen steigert und damit eine potenzielle Übertragung durch engere und gegebenenfalls längere Kontakte begünstigt. Dabei gilt: Je mehr Personen sich in einem geschlossenen Raum befinden und je länger die dort verbrachte Zeitspanne, umso größer ist das potenzielle Risiko einer Übertragung.“

        Wenn man was sich und anderen was gutes tun will, raus an die frische Luft.

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