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Leipziger Freiheitsdenkmal: Preisträger gekürt

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    Am Freitag, 6. Juli, kurz nach 16 Uhr, war alles klar: Nach zwei Tagen intensiver Diskussion gab die Jury für das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal die Namen der Sieger im Wettbewerb bekannt. 38 Entwürfe aus aller Welt waren eingegangen. Am Ende hatten drei gut bekannte Büros aus Deutschland die Nase vorn: M + M aus München, realiries: uneted aus Berlin und Anna Dilengite, Tina Bara und Alba d'Urbano aus Leipzig.

    Zwei Tage lang hatte die Jury unter Vorsitz von Prof. Henri Bavagerungen getagt. Selbst OBM Burkhard Jung stöhnte, denn 30 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit machte den Juroren das Leben nicht leichter. Die eingesandten Wettbewerbsbeiträge taten es auch nicht. Das Niveau war hoch, schätzen die Jurymitglieder ein. Und anders als in Berlin scheinen diesmal gleich etliche sehenswerte Entwürfe darunter gewesen zu sein, über die man sich herzlich stritt.

    Am Ende hatten dennoch drei Entwürfe deutlich die Nase vorn. Die Juryabstimmung fiel, so Jung, einstimmig aus. Und da die Namen der Siegerbüros erst nach der Kür aus den Umschlägen geholt wurden, war auch vorher nicht bekannt, wer die Jury so überzeugt hatte.
    Der zum Sieger gekürte Entwurf stammt von M + M, Marc Weis, Martin de Mattia aus München, einer Künstlergruppe, so Prof. Dr. Stefanie Edlich, die schon mehrfach erfolgreich an Wettbewerben teilnahm. Nur wurden nicht alle ihre Entwürfe verwirklicht.

    Für den Leipziger Wilhelm-Leuschner-Platz entwarfen sie eine 9.000 Quadratmeter große Platzfläche, bestehend aus lauter farbigen Feldern, die für all die unterschiedlichen Ereignisse stehen, die Freiheit und Einheit erst möglich machen. Der Platz ist leicht vertieft und wird zum Auftakt mit 70.000 Aluminium-Würfeln (Größe 28 x 42 Zentimeter) gefüllt, die man als Hocker oder Podest nutzen kann, sich draufstellen und Reden halten, sich draufsetzen und nachdenken. Politik als gelebter Prozess. Auch die Würfel sind farbig und können sogar mitgenommen werden. Sollen sie sogar – auf Reisen gehen in Wohnungen und Büros. Demokratie auf dem Weg in die Gesellschaft.

    Die Chance, dass genau dieser Entwurf in Leipzig umgesetzt wird, ist relativ groß.
    Den 2. Preis zugesprochen bekam die Künstlergruppe realities: united, Studio for art and architecture aus Berlin. Die Künstler heißen Jan Edler und Tim Edler.

    Auch sie arbeiten mit einem leicht vertieften Platz und vielen bunten Farben. Ihr Kunstobjekt sieht aus wie ein explodierendes Tortendiagramm. Und bewegt werden soll es auch. Urelement und der wichtigste Strahl dieses PLatzes der Freiheit ist natürlich die Friedliche Revolution. Das fällt auf bei allen drei Siegermodellen: Sie haben den Herbst 1989 in Leipzig deutlich in den Mittelpunkt gestellt und beschäftigen sich intensiv mit dem schweren Ringen um Freiheit und Demokratie.

    Die farbigen Strahlen, die den Herbst 1989 in einem fortwährenden künstlerischen Prozess ergänzen sollen, bezeichnen auch all die schweren Dinge, mit denen eine Gesellschaft ringen muss, wenn die Freiheit erst mal errungen ist. Gentrifizierung ist da zu lesen, Palästina jetzt, Rettet die Bienen, Asylrecht ändern.

    Das führt mitten hinein in eine Reihe von aktuellen Leipziger Diskussionen. Und zeigt – exemplarisch – wie sich die Künstler im Wettbewerb auch gerade mit Leipzig als ausgewähltem Standort beschäftigt haben.
    Der 3. Preis wurde an den Entwurf von Anna Dilengite, Tina Bara und Alba d’Urbano aus Leipzig vergeben. Die drei haben schon mit 2001 eingeweihten Erinnerungsmahnmal an die Große Leipziger Synagoge in der Gottschedstraße für Furore gesorgt. Die 140 Bronzestühle erinnern nicht nur an die von den Nationalsozialisten zerstörte Synagoge, sondern laden auch zum Hinsetzen und zum Gespräch über die Jahnzehnte hinweg – auch zu Nachdenken ein.

    Und auch den Wilhelm-Leuschner-Platz haben die drei Künstlerinnen umgekrempelt, haben die Platzfläche aufgelöst und eine richtige Parklandschaft mit Bodenwellen und Bäumen geschaffen, unter denen man flanieren kann. „Herbstgarten“ nennen sie ihren Entwurf, der ein Obstgarten ist und damit natürlich auch an das Einbringen der Früchte der Revolution erinnert. Verschiedene Betonelemente scheinen sich etwas beziehungslos im Grün zu verlieren. Aus der Draufsicht wird dann lesbar, dass hier aus zwei verschiedenen Perspektiven geschrieben steht „Keine Gewalt“. Eine Perspektive ist die der Polizeidirektion am Peterssteinweg. Der Aufruf gilt in Vergangenheit und Zukunft. Die Betonelemente sind unterschiedlich nutzbar – auch einige Kioske sind darunter.
    Die Leipziger werden alle 38 eingegangenen Wettbewerbsentwürfe ab dem 13. Juli zu sehen bekommen.Um 14 Uhr ist Preisverleihung im Neuen Rathaus. Um 15 Uhr wird die Ausstellung der Entwürfe in der Unteren Handelwalle eröffnet. Um 19 Uhr gibt es das erste Bürgerforum dazu.

    Was folgt, werden die Verhandlungen der Stadt mit den drei ausgezeichneten Büros sein – über die Realisierbarkeit des Projekts, den Kostenrahmen, den Zeitraum, in dem es verwirklicht werden kann. Denn 2013 soll mit der Umsetzung begonnen werden. Am 9. Oktober 2014 zum Lichtfest soll das Denkmal, das augenscheinlich mehr Agora und Forum als ein dröger Erinnerungsklotz wird, feierlich eingeweiht werden.

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