Im Juli schlugen die Wellen noch hoch. Der Ärger um die "Herrenlosen Häuser", der Tod einer jungen Mutter und ihres Kindes in Gohlis, die so genannte "Kinderbande" und steigende Wartezeiten in den Bürgerämtern sorgten für Schlagzeilen. Sie machten aber auch sichtbar, dass das Personal in einigen wichtigen Bereichen der Stadtverwaltung knapp geworden ist.

Die Sparrunden der letzten Jahre sind nicht ohne Folgen an der Verwaltung und ihren Mitarbeitern vorbei gegangen. Aber wie bekommt man heraus, ob es wirklich so ist? Wo der psychische Druck auf die Rathausangestellten am größten ist und wo umgesteuert werden muss?

Die Linksfraktion stellte deshalb den Antrag, die Arbeitszufriedenheit der städtischen Angestellten mit einer Umfrage zu ermitteln. Per 31. Oktober hat die Stadtverwaltung dieses Ansinnen zurückgewiesen. Zumindest insoweit, als dass der Stadtrat für die Arbeitszufriedenheit der städtischen Angestellten nicht zuständig sei.

Das sei Hoheit der Stadtverwaltung – wie alle arbeitsrechtlichen Bedingungen – betont Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller. Er weist in dem von ihm formulierten Verwaltungsstandpunkt auch darauf hin, dass es die letzte fundierte Umfrage zur Mitarbeiterzufriedenheit 1999 gegeben habe. Das ist schon lange her. Das sieht Müller auch so.”Aufgrund des inzwischen erreichten zeitlichen Abstandes und der veränderten Arbeitswelt wird in der Stadtverwaltung (ohne Eigenbetriebe) diese Thematik seit einigen Monaten intensiv bearbeitet. Ausgangspunkt dafür war insbesondere die Notwendigkeit von Gefährdungsbeurteilungen.”

Man liest: Auch Andreas Müller kann sich nach über 20 Jahren Verwaltungsarbeit nicht gegen das unheimliche Behördendeutsch wehren. Es frisst sich in jede Formulierung. Aber die Botschaft ist irgendwie verständlich: Die Stadtverwaltung hat wohl schon vor den Frühjahrsskandalen begriffen, dass die Einsparungen der letzten Jahre und der zunehmende Arbeitsdruck für einige Angestellte zur Gefährdung geworden sind. Und zwar zu einer gesundheitlichen Gefährdung. Da lag die Linke mit ihrer Vermutung wohl schon richtig.

“Im Hinblick auf die Bedeutung psychischer Belastungsfaktoren und die gestiegenen Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen wird die Notwendigkeit gesehen, ein vertieftes Screening-Verfahren in Form einer Mitarbeiterbefragung (MAB) für alle Bediensteten der Stadtverwaltung zur Erfassung psychischer Belastungsfaktoren vorzubereiten.”

Das Eingeständnis ist deutlich: Die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen haben zugenommen. Und: Man ist durchaus gewillt eine Mitarbeiterbefragung zu machen. Nur fürs vierte Quartal 2012, wie von der Linksfraktion beantragt, ist das nicht mehr zu schaffen. Man brauche 12 bis 18 Monate Vorlauf. 2013 wolle man die MAB durchführen. Wobei noch nicht ganz klar ist, ob’s noch in den Zeitplan passt. Denn hauptsächlich belastet mit der Umfrage wäre das Amt für Statistik und Wahlen. Das hat aber 2013 gleich zwei Mal alle Hände voll zu tun: Im Januar ist Oberbürgermeisterwahl, im Herbst ist Bundestagswahl.

Und ob die Eigenbetriebe mit einbezogen werden, ist auch noch offen. Das läge – so Andreas Müller – in der Entscheidung der Eigenbetriebsleiter.

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