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Tanners Interview mit dem unscheinbaren PARTEI-Soldaten Thomas „Kuno“ Kumbernuß

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    Politik ist immer in sich verzahnt. Da ist es wichtig, die richtigen Antworten zu finden, manchmal auch auf noch gar nicht formulierte Fragen. Einer, der wie keiner im Blitzlichtgewitter steht, ist der PARTEI-Soldat Thomas "Kuno" Kumbernuß, schließlich kämpft er ganz vorne an der Front gegen Legida, allgemeine Verblödung und des Straßenumbenennungswesens in Europa. Ein Beginn ist gemacht. Tanner fragt nach.

    Einen wundervollen Tag, Exzellenz Kumbernuß. Du bist der Frontboy der Partei Die PARTEI Leipzig und in dieser Funktion gerade damit beschäftigt, eine Straße umzubenennen. Warum denn dies?

    Hallo Volly, auch dir einen wundervollen Tag und vielen Dank für den Honig um meinen Mund, aber „Exzellenz“ ist die Ehrenbezeichnung für den Bundesvorsitzenden der Partei Die PARTEI, Mitglied des Europaparlaments, Eure Exzellenz Martin Sonneborn, wohingegen ich nur ein kleiner, unscheinbarer PARTEI-Soldat bin, ein einfacher Mann des Volkes, der Glühwein in kalter Winternacht, der den Geist belebt und das Fleisch erbeben lässt. Darum können wir auch beim „Kuno“ bleiben.

    Die Idee der Umbenennung kam uns, der Partei Die PARTEI Leipzig, bei einem PARTEI-Stammtisch in der Gaststätte „Frau Krause“ bei legendärem Käse und frisch gezapftem Bier, als wir uns mit fragezeichengezeichneter Stirn anblickten und uns wunderten, warum noch niemand eine Änderung des lang existierenden Paradoxum der Leipziger Straßenbeschilderung bewirkte.

    Nur kurz eine Erklärung der Ortsunkundigen zuliebe?

    Fährt man die Wolle-Heinze-Straße, beginnend am Connewitzer Kreuz, stadtauswärts, so kann nach cirka 150 Metern in die Simildenstraße Richtung Brandstraße abgebogen werden. Cirka zur Hälfte der Simildenstraße mündet von rechts eine Straße in die Simildenstraße, und diese Straße heißt ebenfalls Simildenstraße! Diesem Fauxpas schildbürgergleichen Ausmaßes Abhilfe zu schaffen und der Simildenstraße, welche da abzweigt, von der Simildenstraße an der Ecke „Frau Krause“ und sich einem Gebirgspfad gleich steil zur Paul-Gerhard-Kirche emporschwingt, schließlich ihr Ende findend in der Selneckerstraße, einen anderen, einen besseren Namen zu verleihen, war Aufgabe und Ziel unserer Zusammenkunft.

    Irrsinn oder Kalkül? Die Simildenstraße. Foto: Alexander Böhm
    Irrsinn oder Kalkül? Die Simildenstraße. Foto: Alexander Böhm

    So saßen wir da zusammen und erinnerten uns der Geschichten, die uns die Altvorderen über den Stadtteil im Leipziger Süden überlieferten und stolperten immer wieder über den Namen der Person, die ich bei ihrer Arbeit selbst noch erleben durfte – Hannelore Krause, ob ihres großen Herzens von allen nur liebevoll „Mutter Krause“ genannt, Wirtin der „Marienburg“. Da eine weitere Diskussion sich erübrigte und wir einen Namen fanden, der der Straße zur Ehre gereicht, lobten wir uns und stießen heftig an auf den neuen Namen der Simildenstraße zwischen Simildenstraße und Selneckerstraße – Frau Krause ihre Straße!

    Wie sehen die Reaktionen aus?

    Überwältigend! Durstige Männer laden uns ein zum gemeinsamen Bier, Frauen jeden Alters stecken uns ihre Telefonnummern zu, junge Eltern nennen ihre Kinder, vor allem die Mädchen, wieder „Hannelore“… Kurz: Eine Welle der Sympathie schwappt uns entgegen, deren Gischt in der Herbstsonne golden erscheint, gleich einer Blume frisch gezapften Bieres.

    Es soll Menschen geben, die Eure politischen Ansätze als Satire begreifen, Euch gar manchmal nicht ernst nehmen. Nun habt Ihr jedoch bewiesen – zum Beispiel im Gesamtkontext „LEGIDA – Das Original“ – was für ein Durchhaltevermögen und welches Potenzial eure Bewegung hat. Wo siehst Du Dich in zehn Jahren? Mal im Ernst.

    Mal im Ernst: In zehn Jahren bin ich zehn Jahre älter, werde in der Blüte meines Lebens stecken und eventuell erwachsen sein. Die Partei Die PARTEI wird als stärkste Fraktion die Leipziger Ratsversammlung dominieren! Unsere Reden, nicht nur meine, auch zum Beispiel die von Frau Dr. M. Haschke, werden von der vollbesetzten Zuschauertribüne mit viel und vor allem wohlwollenden Applaus quittiert. Frauen werfen uns ihre gebrauchte, wohlig nach Lavendel, Flieder und Patchouli riechende Unterwäsche entgegen, durstige Männer laden uns ein zum Bier in den Ratskeller, junge Familien zeigen uns stolz ihre Kinder, die unsere Namen tragen.

    Also unsere Vornamen. Burkhard Jung verbringt seine letzten Tage als Oberbürgermeister, bevor er von einem (oder einer) von uns abgelöst wird und die FDP feiert den Wiedereinzug ins Ratshaus, nachdem die Stelle des Hausmeisters neu ausgeschrieben wurde.

    Das hiesige Chapter der Partei Die PARTEI scheint sich soziologisch aus dem Connewitzer Umfeld zu nähren. Wie sieht es jedoch mit den Menschen in Stünz aus, in Stötteritz? Habt Ihr auch Antworten auf deren Fragen? Wollt Ihr überhaupt die ganze Stadt?

    Die Wiege der Partei Die PARTEI Leipzig steht in Plagwitz, als aufrechte Demokraten, einem Sechsscharvolldrehpflug gleich, begannen, die Leipziger Politiklandschaft umzugraben. Die Saat wurde in den Boden gelegt und ging Jahre später auf. Heute sind junge, intelligente, gutaussehende, nach unserem Willen selbstständig handelnde Mitglieder der Partei Die PARTEI in allen Stadtteilen Leipzigs sowohl heimisch als auch aktiv. Und gerade die Stadtteilarbeit scheint immer mehr Früchte zu tragen, nachdem die dort lebenden und wohnenden Menschen immer mehr Fragen auf unsere Antworten gefunden haben.

    Dass die Arbeit der Mitglieder der Partei Die PARTEI aus und in Connewitz momentan etwas herausragt, hat sicherlich etwas mit der speziellen Vernetzung und Verbundenheit mit dem Stadtteil zu tun und mit meiner löwengleichen Mähne, ich kann jedoch an dieser Stelle vollmundig versprechen, dass vielleicht andere Stadtteile zeitnah eventuell im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen werden, aus dem Schatten des Leipziger Südens treten zu wollen.

    Betroffener Teil der Simildenstraße. Karte: Openstreetmap
    Betroffener Teil der Simildenstraße. Karte: Openstreetmap

    Zurück zu Mutter Krause. Wie war denn die Hannelore so in real? Ich habe sie ja nie getroffen. Wie geht es ihr?

    Hannelore Krause wohnt immer noch in Connewitz, mittlerweile zurückgezogen nach einem harten, arbeitsreichen Leben. Wenn ich heute noch wehmütig an die Besuche in der damaligen Marienburg denke, fällt mir spontan ihre meist herzliche, manchmal auch gutmütig-mürrische Art ein, die andere für launisch hielten, mich jedoch ob ihrer Liebenswürdigkeit faszinierte.

    Sie gehörte, ob ihrer Art, zu einer Persönlichkeit, die einfach ins Herz geschlossen werden musste, jedoch auch mal rabiat werden konnte, so ein Gast die guten Manieren zu Hause ließ. Zudem kam es mir immer so vor, als ob sie Pärchen mehr Aufmerksamkeit und auch häufiger ein aufmunterndes Lächeln entgegenbrachte.

    Danke für die auch in ihrer Nüchternheit erhellenden Aussagen, Kuno. Bis in Bälde!

    Danke auch dir, Volly, für das Interview und Dir und Deinen Lieben viel Gesundheit und ein „Happy Halloween“.

    Mitzeichnung Petition zur Umbennung eines Teiles der Simildenstraße in „Frau Krause ihre Straße“:
    https://www.leipzig.de/buergerservice-und-verwaltung/buergerbeteiligung-und-einflussnahme/petition/online-petition/formulare/mitzeichnung-vi-p-01978/

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