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Leipzig versteckt seine Spielstraßen lieber, wo sie niemand finden kann

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    Ursprünglich hatte die SPD-Fraktion gefragt, wollte wissen, wie viele autofreie Straßen und Wege es in Leipzig gibt, wo Fußgänger keine Angst haben müssen, über den Haufen gefahren zu werden, und Skater auch mal unbehelligt rollen können. Also Platz zum „Spielen auf der Straße“, zum „Erlernen, üben oder praktizieren von Rad-, Rollschuh- oder Skatefahren“, wie es die SPD-Fraktion formulierte. Antwort: 1 Prozent.

    Von insgesamt 1.783,3 Kilometer Straßennetz in Leipzig sind ganze 18 Kilometer in irgendeiner Weise verkehrsberuhigt – die zur Fußgängerzone erklärten Straßen in der Innenstadt machen allein 4 Kilometer Anteil aus. Man merkt also, wie berechtigt die Anfrage der SPD war.

    Zirka 14 Kilometer Straßen sind als verkehrsberuhigte Bereiche in Leipzig gekennzeichnet, teilt das Planungsdezernat der Stadt mit: „Diese sind überwiegend mit Asphaltbeton oder einer Plattendecke ausgebaut. Zum Teil handelt es sich um Natursteinpflasterflächen. Dazu kommen noch ca. 4 Kilometer Straßen, die als Fußgängerzonen gekennzeichnet sind. Es gibt weitere Straßenabschnitte, bei denen ein Verbot für Fahrzeuge aller Art besteht. Die Ermittlung dieser Straßenabschnitte sowie ihres baulichen Zustandes ist nur mit einem unverhältnismäßig großen Verwaltungsaufwand möglich. Die Beantwortung dieses Teiles der Frage entfällt deswegen, auf § 13 (6) der Geschäftsordnung wird verwiesen.“

    „Wie viele dieser öffentlichen autofreien asphaltierten Straßen haben eine Straßenbeleuchtung?“, wollte die SPD-Fraktion wissen. Antwort: „Alle Verkehrsflächen innerhalb der geschlossenen Ortslage sind in Leipzig nach den technischen Vorschriften beleuchtet.“

    Der Rest der Anfrage beschäftigte sich dann mit den vorhandenen Skateparks der Stadt: „Wie viele Skaterparks gibt es in Leipzig und welche sind davon beleuchtet?“ Immerhin wurden ja – weil in vielen öffentlichen Räumen kein Platz für Skater ist – etliche eigene Anlagen dafür geschaffen.

    Die Auskunft der Verwaltung listet sie alle auf: „Nach einer Bestandserhebung des Vereins Urban Souls aus dem Jahr 2014 gab es insgesamt 20 Anlagen im Stadtgebiet in unterschiedlicher Größe und Trägerschaft. Die städtische Skateanlage im Henriettenpark wurde inzwischen vollständig zurückgebaut und eine wurde gesperrt, so dass wir jetzt von 18 Anlagen ausgehen. Von diesen 18 haben 7 Anlagen aufgrund ihrer Größe, Lage und/oder Ausstattung eine besondere Bedeutung für die Szene bzw. werden gut angenommen.

    Es handelt sich um die Anlagen:

    – Am Heizhaus in Leipzig West (Grünau WK2; Parkallee / Am Übergang); indirekte Beleuchtung

    – Reudnitz in Leipzig Süd-Ost (Reudnitzer Park / Täubchenweg); indirekte Beleuchtung

    – Conne Island in Leipzig Süd (OFT; Prinz-Eugen-Straße); indirekte Beleuchtung

    – Richard-Wagner-Platz in Leipzig Mitte (Goerdelerring); indirekte Beleuchtung

    – Stadtteilpark Rabet (OFT, Konradstraße); indirekte Beleuchtung

    – Robert-Koch-Platz in Leipzig Mitte (Sportforum); indirekte Beleuchtung

    – Clara-Zetkin-Park in Leipzig Mitte (Anton-Bruckner-Alle am BSV AOK e.V.), keine Beleuchtung

    – Die Anlage im Clara-Zetkin-Park wird 2017 modernisiert.

    Die eigentlichen Rätsel geben dann eigentlich die aufgelisteten Fußgängerzonen auf. Sowohl die in der Innenstadt, die teilweise ganz und gar nicht als Freiraum für Fußgänger empfunden werden, weil man trotzdem mit lauter Pkw-Verkehr konfrontiert ist, als auch die im Stadtgebiet verteilten Stücke, die man meistens mit der Lupe suchen muss. Das Stück Wintergartenstraße ist eher eine Straßenbahn-Einfahrschneise, als dass man hier eine echte Fußgängerzone vermuten würde. Und was man so aufgelistet findet, sind eher Spielstraßen – manche neu und gut wahrnehmbar wie der aufgeführte Abschnitt in der Josephstraße, andere eher aus Verlegenheit so gewidmet, weil es Sackgassen in abgelegenen Wohngebieten sind. Und manche dieser Straßenabschnitte – wie am Nordplatz oder die Lotterstraße – empfindet kein Mensch als Spielstraßen.

    Tatsächlich macht die Liste eher deutlich, wie zaghaft Leipzig mit dem Thema umgeht und dass diese Verlegenheits-Straßen meistens an Orten liegen, wo kein Mensch auf ihnen Spielen, Skaten oder Flanieren möchte. Oder kann.

    Das Stichwort Lotterstraße lädt eher zum Grübeln ein, denn da herrscht mehr Verkehr als auf vielen Gemeindestraßen der Stadt. Und das sind nicht alles nur Fahrzeuge der Beerdigungsinstitute, die schnell mal zum Standesamt müssen. Obwohl die dort auch nichts zu suchen haben.

    Die Antwort des Planungsdezernats.

    Die Fußgängerzonen und Spielstraßen der Stadt Leipzig

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