Leipziger Eschenfällungen

150 Jahre alte Eschen wurden ohne Not abgeholzt

Für alle LeserDerzeit werden hier also Eschen gefällt, die 120 bis über 180 Jahre alt sind. Mal zurückrechnen? Das sind Bäume, die 1897, 1867 und einzelne um 1815 gekeimt sind, letztere Altehrwürdige mit prächtig aufrechtem Schaft und einem Hochwald entsprechend schmaler Krone, unter anderem gefunden in der Nonne, Juni 2017.

Diese Bäume sind Naturgut und Kulturgut, zum Entnehmen und Abtransportieren zu schade. Zudem sie noch Zuwachs zeigten. Ein naturgemäß wirtschaftender Förster würde sie noch wachsen lassen.

Ist das Stadtforstamt eines, das auf maximalen Gewinn eingerichtet ist? Sein Auftrag lautet, tätig im Herzen einer Großstadt, Bäume für Bürger zu verwalten, d. h. vorrangig zu schützen – das ist seine erste Aufgabe!

In jedem gut betreuten Stadtwald bleiben solche Bäume stehen, sie werden geschätzt. Offenbar war es in Leipzig so? Mit ihnen wird ein ansprechendes Waldbild für die Menschen und eine Oase der Artenvielfalt erhalten – Fledermäuse, Spechte, Eichenspezialisten unter den Schmetterlingen u. a. mehr erzählen es den Besuchern. Solch’ ein Wald ist eine Oase, die sich weitgehend selbst organisiert. Das praktiziert die Natur mit Bäumen seit mehr als 400 Millionen Jahren, in unserer Zeit würde man sagen, sie tue das „erfolgreich“.

Die Schädigung der Bäume ist und war nicht so, dass sie hätten gefällt werden müssen. Und auch nicht, um Gefahr vom Bürger abwenden zu müssen. Das ist ein Scheinargument – wer lügt da wen oder sich selbst an? Wenn man Geld aus dem Wald ziehen will, dann kann man das sagen. Dann können Bürger Position beziehen, wie ihr Stadtwald aussehen soll.

Gesunde Eschen - gefällt an der Hans-Driesch-Straße. Foto: Jan Kaefer

Gesunde Eschen – gefällt an der Hans-Driesch-Straße. Foto: Jan Kaefer

Direkt neben gefällter 1815-er Esche (Jahrringe zählen > 200 Jahre alt) stehen Eichen, die mehr Totholz, anbrüchige Äste – also mehr sogenanntes Gefahrenpotenzial in 10-15m Höhe aufweisen, als die vor kurzem noch benachbarten Eschen. So sieht es in jedem Wald aus, der alte Bäume aufweist! Wir haben keine Eiche oder Esche gesehen, die notwendig hätte entnommen werden müssen, wenn Schutz von Waldbesuchern wirklich der Grund dafür sein müsste, denn jeder Waldbesucher weiß um die Eigenheiten der Natur. Leben wird selbstverantwortlich betrieben.

Eschen des Eschentriebsterbens wegen einschlagen zu „müssen“ ist ein falsches Argument. Die im Beitrag genannte Studie – aus dem eigenen Land! – findet weitere Untersuchungen mit vergleichbarer Aussage. Niemand sollte gleich jeder Panikmache folgen. Studien auch in Österreich gelangen zu der Auffassung, dass sich Resistenz bei Bäumen natürlich entwickelt, und so „natürlich“ auch bei der Esche. Dafür müssen die Bäume aber eben auch Zeit haben, dafür bietet auch die Waldgesellschaft des Leipziger Auenwaldes alle Altersstufen.

Vor Jahrzehnten breitete sich das „Ulmensterben“ aus, ein Pilz aus Asien war importiert worden, und sehr natürliche Borkenkäfer wurden zum Vektoren der „Krankheit“. Diese Borkenkäfer wurden dann auch eine Zeit lang mit Giften und durch Forstschutzmaßnahmen vorbeugend bekämpft. Dabei sind diese sehr hübschen, millimetergroßen, schwarzbraunen Käfer ihrer Natur nach Urwaldbewohner, die für „Ordnung im Wald“ sorgen, genauer, die ursprüngliches Element auch der mitteleuropäischen Urwälder waren. Krankes wird von anderen Organismen entfernt.

Es wurde damals vorausgesagt, dass es bald keine Ulmen mehr geben werde. Der Pilz entwickelte, wie bei Pilzen üblich, teils sehr aggressive Formen, teils eher langsam wirkende. Die aggressiven Formen und öffentliche Dramatisierungen nährten die „Ulmen-Untergangs-Stimmung“.

Die Ulme bringt artspezifisch eine Disposition mit, durch einen Pilz geschädigt werden zu können* – und doch: auch im Leipziger Auenwald stehen – noch und wieder – jede Menge Ulmen, ebenso am Rhein! Sehr viele alte bis uralte sind gegangen, doch die Arten leben, sie verjüngen sich natürlich und aus dem Stock. In unseren Jahren sind sie kaum noch Wertholzbildner, doch die Arten sind da. Und ich bin sicher, es werden in kommenden Jahrzehnten wieder mehr, so dass auch die „Rüster“ wieder ein verkaufbares Nutzholz werden kann. Mit der Ulme sind viele spezialisierte Tierarten verbunden, die ebenfalls noch da sind. Prächtige Flatterulmen und manche Feldulme stehen im (noch) artenreichen Bestand auch in Leipzig. In der Nonne u. a. gleich am Wegesrand.

Ulmen wie Eschen sollten wir im Leipziger Stadtwald eine gute Chance geben. Ich wünsche uns, dass einst gesagt wird, man habe hier vorausschauend gehandelt, und keinen Kahlschlag aus welchen Gründen auch immer durchgeführt.

NUKLA wird regelmäßig Wanderungen für alle Interessierten durch Wald und Wiesen und entlang der Gewässer anbieten (auch zum oben Genannten (*), dem schädigenden Pilz, wird dabei erläutert).

Es dient dem Ganzen, und es hilft auch jeder großstädtischen und sonstigen kommunalen und staatlichen Verwaltung, wenn Bürgerinnen und Bürger ein zunehmend wachsames Auge auf Landschaft und Natur haben.

Also, liebe Lesende, schauen Sie auf die Terminankündigungen der NUKLA zu Themen von Wald und Wasser!

PS: Als kleines Denkstück frage ich, ob jemand mit Menschen verfahren würde, wie wir es an „kranken“ Bäumen beobachten? Wir unternehmen bei Menschen angesichts von Krankheiten alles, sie am Leben zu halten. Da zweifelt ja wohl niemand dran. Konsequent sollten wir das bei den Pflanzen und erst recht den alten Bäumen ebenso tun. Dazu gehört dann Geduld.

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