Grüne kritisieren: Bei den Feiern am 9. Oktober geht es um Demokratie, nicht um touristische Show

Für alle LeserEs hat nicht nur einige Mitglieder der Initiativgruppe zur Friedlichen Revolution verstört, was in den letzten Jahren aus dem Leipziger Lichtfest geworden ist. Auch im Stadtrat wurde registriert, dass augenscheinlich der Kern verloren ging. Nun hat die Kulturbürgermeisterin einen Plan vorgelegt, wie der 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution am 9. Oktober 2019 vorbereitet werden soll. Mit großem Kuratorium nämlich. Dazu gibt’s postwendend einen Änderungsantrag der Grünen.
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Darin geht es um drei wesentliche Punkte: Das vorgeschlagene Kuratorium soll nicht nur 2019 wirksam werden. Die Inhalte der Feier sollen auch immer wieder neu justiert werden. Deshalb: „Die Ausgestaltung der Veranstaltung wird vom Kuratorium ab 2020 kontinuierlich neu ausgeschrieben.“

Und als Warnung an ein mittlerweile sehr diffus gewordenes Gremium: „Die zeitgeschichtlichen Aspekte von 1989 und ihre Wurzeln sollen bei den Veranstaltungen immer unmittelbar erlebbar sein. Sie sind dauerhaft mit einem Lichtfest um den Innenstadtring unter aktiver Beteiligung der Anrainer zu verbinden, wobei kein Schwerpunkt auf den touristischen Aspekt zu legen ist. Das Engagement von gesellschaftlichen Gruppen und privaten Initiativen soll auch dabei ausdrücklich gefördert, angeregt und eingebunden werden.“

Es gab schlicht zu viel TV, zu viel Promi, zu viel Show in der letzten Zeit – zu viel Kotau vor einer Sehgewohnheit, die den deutschen Couchpotatoes die Demokratie als Zirkus und Geplapper vorgeführt hat. Das schreiben die Grünen zwar nicht. Aber die Kritik am in Leipzig wie ein Feigenblatt für allen möglichen Unfug verwendeten „Tourismus“ ist deutlich herauszulesen.

Am Freitag, 18. Mai, hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ihren Änderungsantrag eingereicht, der die besondere Bedeutung des 9. Oktober 1989 als Tag der Friedlichen Revolution des Herbstes 1989 dauerhaft als das bedeutsamste Ereignis in der Stadtgeschichte Leipzigs nach innen in würdiger Weise begehen und nach außen kraftvoll dokumentieren soll.

„Die historische Bedeutung der Leipziger Montagsdemonstrationen, die zur Friedlichen Revolution und schließlich zur Einheit Deutschlands und der Überwindung der Teilung Europas ursächlich mit beigetragen haben, hat Leipzig einen Platz in der Geschichtsschreibung erkämpft“, sagt Katharina Krefft, die Fraktionsvorsitzende der Grünen.

„An diese Ereignisse jährlich und nicht nur zum Jubiläum würdig zu erinnern und sich immer wieder der Vielzahl der erkämpften freiheitlich-demokratischen Grundrechte bewusst zu werden, ist eine dauerhafte Aufgabe für uns und unsere Stadt.“

Und sie erinnert daran, dass noch immer zahlreiche Anregungen der Grünen-Fraktion aus ihrem Antrag aus dem Jahr 2006 „Leipzig und ’89: Erinnern, Bewahren und für die Zukunft nutzbar machen!“ nicht umgesetzt sind, obwohl sie noch jede Menge Potenzial bieten.

„Diese Aufgabe ist Chefsache und so wollen wir sie behandelt wissen“, sagt Krefft.

Noch deutlicher in ihrer Kritik wird Annette Körner, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion und Vorsitzende des Kulturausschusses: „Die Feierlichkeiten zum 9. Oktober 1989 verdeutlichen nicht mehr mit der erforderlichen Klarheit die Werte und Ziele der Friedlichen Revolution, für die wir 1989 auf die Straße gegangen sind. Viele Rückmeldungen von Menschen zu den Feierlichkeiten der vergangenen Jahre zeigen uns: Die zeitgeschichtlichen Aspekte von 1989 und die zahlreichen Entwicklungen und Demokratieerfahrungen, die zur Revolution führten und die nach der Revolution lebendig gelebt wurden, müssen in einem viel stärkeren Maße wieder für die Menschen unserer Zeit erlebbar werden.

Der durchaus vorhandene Reiz eines Lichtfestes soll ganz bewusst der Weg der Besucher*innen um den Ring von uns Demonstrierenden 1989 sein: Vom Friedensgebet in der Nikolaikirche auf den Augustus- (früher: Karl-Marx-) Platz und danach um den Ring. Dies darf nicht in die Beliebigkeit eines touristischen Ereignisses abgleiten.“

Und nicht anders sieht es Dr. Gesine Märtens, gleichstellungspolitische Sprecherin und Mitglied des Kulturausschusses: „Darum brauchen wir eine Besinnung auf ein klares Profil der Veranstaltungen. Nicht der touristische Aspekt darf zukünftig im Vordergrund stehen, sondern zentrale Botschaften und Demokratieerfahrungen der Friedlichen Revolution und vor allem auch ihre Bindung in die heutige Zeit auch im internationalen Kontext.

Dabei ist von uns ausdrücklich gewünscht, dass das Engagement von gesellschaftlichen Gruppen und privaten Initiativen gefördert, angeregt und eingebunden wird. So sollen neben den zentralen Veranstaltungen wie dem Friedensgebet und der Rede zur Demokratie, demokratiepolitische Veranstaltungen und zahlreiche Projekte organisiert bzw. in interessierte Kreise angeregt werden.“

Und deshalb brauche es eben auch immer wieder frische künstlerische Ideen, so Märtens: „Dafür soll die Ausgestaltung der Veranstaltungen und das künstlerische Konzept und Leitung vom Kuratorium ab 2020 kontinuierlich neu ausgeschrieben werden.“

Der Grünen-Antrag von 2006.

Die Initiativgruppe fürs Lichtfest muss kleiner werden, damit sie wieder Profil bekommt

 

Friedliche RevolutionLichtfest
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