Es ist ja mittlerweile für viele Leipziger unübersehbar geworden, wie die belebte Natur aus der Stadt verschwindet. Jahrzehntealte Brachen wurden neu bebaut, Freiflächen verschwinden, Hecken und Wiesen werden seltener. Und damit verschwinden auch immer mehr Insekten aus der Stadt. 2019 startete die Leipziger Stadtreinigung deshalb nach einem Stadtratsantrag der Grünen die Anlage von Blühstreifen in verschiedenen Parks und Grünanlagen. Ein Projekt, das 2020 noch deutlich ausgeweitet werden sollte, findet das Jugendparlament.

„Viele Bienen, Hummeln und Falter finden in Leipzig nicht genug Nahrung“, stellen die jungen Parlamentarier in ihrem jetzt dem Stadtrat zugeleiteten Antrag fest. „Das muss sich dringlich ändern, wenn nicht noch mehr Insekten auf der roten Listen landen sollen. Die Stadt kann hier mit vermindertem Aufwand dafür sorgen, dass es Bienen, Hummeln und Faltern in Leipzig bessergeht.“

Denn auf die ländlichen Räume um Leipzig kann man vorerst nicht rechnen, solange weder Leipzig eine wirklich stringente Politik zum Ökolandbau auf städtischen Flächen und zur Anlage von ökologischen Schutzstreifen in der Leipziger Flur hat, noch Sachsen sich zu einer wirklich ökologischen Landwirtschaftspolitik durchgerungen hat.

Denn starke und relativ schnelle Effekte gibt es nur, wenn die Bauern mit guten Förderprogrammen und sinnvollen Leitplanken mitgenommen werden auf dem Weg, wieder eine Landwirtschaft zu betreiben, die auch die Insekten, Vögel und Säugetiere in den Feldfluren schont. Oder gar unterstützt.

Was im Koalitionsvertrag zum Umbau der Landwirtschaft steht, ist zumindest durchwachsen, auch wenn man dort Sätze lesen kann wie: „Wir streben zur Erhöhung der Strukturvielfalt an, dass Biodiversitätsmaßnahmen möglichst kleinteilig und produktionsintegriert gefördert werden. Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte, welche über die gesetzlichen Standards hinausgehen, werden auch zukünftig ausgeglichen. Der Erhalt von regionalen Gestaltungsspielräumen ist uns wichtig.“

Also ist eine Stadt wie Leipzig gut beraten, selbst mehr für die Artenvielfalt zu tun und z. B. auch Insekten ein bisschen mehr an Naturraum zu bieten.

Und die Jugendparlamentarier haben sich gleich mal umgeschaut im Stadtgebiet und eine Liste erstellt, wo noch überall neue Blühstreifen angelegt werden können.

Und so schreiben sie: „Die Stadtverwaltung wird damit beauftragt, in den folgenden Straßenabschnitten Blühstreifen einzurichten bzw. die Maht auf eine Herbstmaht zu reduzieren:

– Mittelstreifen Rackwitzer Straße, Abschnitt Adenauer Allee – Mockauer Straße

– August-Bebel-Straße/Dufourstraße, Mittelstreifen, Arndtstraße – Mahlmannstraße

– Lützner Straße, zwischen Gleisen und Fahrbahn, Abschnitt Brünner Straße – Kiewer Straße

– Heiterblickallee, zwischen Fahrbahn und Gleisen sowie zwischen Gleisen und Gehweg

– Torgauer Straße, zwischen Fahrbahn und Gleisen, Abschnitt Permoser Straße – A14

– in der Halleschen Straße, zwischen Straßenbahn und Gehweg, Abschnitt Rodelbahn – Ortseingang Lützschena sowie parallel zur separaten Gleisführung durch Lützschena bis nach Schkeuditz

– Mittelstreifen Brünner Straße

– Schönauer Ring, zwischen Fahrbahn und Straßenbahngleis

– Ratzelstraße, zwischen Fahrbahn und Gehweg, Abschnitt Lausener Straße – Schönauer Straße.“

Hier taucht auch das Thema der Straßenraine auf, die bislang oft gedankenlos gemäht werden, weil das so im Grünpflegeplan steht, obwohl diese ungenutzten Grünstreifen zwischen Verkehrsanlagen oft problemlos für Blühpflanzen zur Verfügung stehen könnten.

„Die Blühstreifen sollen so angelegt werden, dass auch im August und September ein reiches Angebot an Nektar und Pollen zu finden ist“, wünschen sich die Jugendparlamentarier. „Sollte ein Abschnitt nicht zum Blühstreifen werden können, schlägt die Verwaltung bis Ende 2019 einen alternativen Abschnitt vor. Ziel sollte sein, dass Leipzig bis 2021 mindestens 1 Million Quadratmeter Blühstreifen schafft. Für 2025 wird ein Mindestwert von 10 Prozent aller städtischen Grünflächen nicht unterschritten.“

Eine Million, das klingt mächtig viel, sind aber nur 100 Hektar, also ungefähr 200 Fußballfelder. Oder – aufs Stadtgebiet gerechnet – 0,3 Prozent der Stadtfläche. Auch wenn es dann doch zusammen ein stolzer Quadratkilometer ist, der Platz und Nahrung für Insekten bieten könnte.

Im Clara-Zetkin-Park wurde am Dienstag der erste Blühstreifen für Leipzig angelegt

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