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Ein neues Parkbaumkataster, noch kein Wassermangel und über 100.000 Straßenbäume im Jahr 2030

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    Jüngst berichteten wir an dieser Stelle, dass Leipzig seit 2015 über 3.000 Straßenbäume verloren hätte. Was irgendwie logisch wirkte, denn auch die Straßenbäume leiden unterm Dürrestress. Aber in diesem Fall trogen die statistischen Daten, worauf uns ein kritischer Leser aufmerksam machte. Die weisen zwar tatsächlich über die Jahre diesen massiven Rückgang an Straßenbäumen aus. Aber dahinter steckt eine Katasterbereinigung, wie uns Rüdiger Dittmar, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer, auf Nachfrage erklärt.

    Also tatsächlich ein Fortschritt. Denn seine Straßenbäume hat Leipzig zwar immer fleißig gezählt. Dafür fehlte die Zahl der Bäume in den Grünanlagen.

    „Durch die Stadt Leipzig wird seit Beginn der 1990er Jahre ein Straßenbaumkataster aufgebaut, welches als Grundlage für alle Kontroll- und Pflegeaufgaben am Straßenbaumbestand dient. Bäume in Parkanlagen wurden zu dieser Zeit nicht systematisch erfasst“, erläutert Rüdiger Dittmar.

    „Seit ca. 2012 wird ein Kataster der Grünanlagenbäume aufgebaut, welches ebenso der besseren Überwachung der Verkehrssicherheit, jedoch auch der Erfassung des Gesamtbestandes und des Nachpflanzbedarfes dient. Dabei wurde festgestellt, dass bisher eine Anzahl von Parkbäumen aufgrund ungeklärter Zuordnung oder aufgrund der unmittelbaren Straßenrandlage als Straßenbäume erfasst waren.

    Um Doppelerfassungen auszuschließen, wurde im Jahr 2015 ein Abgleich der Baumdaten mit den Flurstücksdaten durchgeführt. In Folge wurden alle Bäume auf Straßenflurstücken eindeutig dem Straßenbaumkataster zugeordnet. Desgleichen wurde mit Bäumen auf Grünanlagenflurstücken verfahren, die dem Kataster der Grünanlagenbäume zuzuordnen waren.“

    Das Ergebnis, so Dittmar: „In diesem Prozess wurden im Ergebnis ca. 4.000 Bäume in das neu geschaffene Grünanlagenbaumkataster verschoben. Diese reduzieren somit den Gesamtbestand der erfassten Straßenbäume, sind jedoch weiterhin im Leipziger Grün als lebende Bäume vorhanden. Eine komplette Statistik der Grünanlagenbäume soll zukünftig erfolgen, sobald der Bestand flächendeckend erfasst sein wird.“

    Aber gerade in den letzten beiden Jahren litten die Leipziger Bäume verstärkt unter der Trockenheit. Da lohnt sich doch eigentlich die Frage: „Wie viele Straßenbäume verliert Leipzig tatsächlich jedes Jahr durch Trockenheit, Alter usw.?“

    „Eine Erfassung der einzelnen Gründe und Ursachen einer Fällung erfolgt nicht. Eine Zunahme der Baumausfälle ist seit dem Jahr 2017 mit dem Schwerpunkt der Grünanlagen zu erkennen“, erklärt Rüdiger Dittmar.

    „Bei Straßenbäumen liegt die Zahl der gefällten Bäume weit unterhalb des zu erwartenden statistischen Mittels. Bei einer Lebensdauer eines Straßenbaumes von ca. 60 Jahren wäre mit einem natürlichen Abgang (meist dann eine Fällung aufgrund altersbedingter Verkehrssicherheitsprobleme) von 1,66 % des Gesamtbestandes zu rechnen. Dies wären rechnerisch bei 56.696 Straßenbäumen (Stand Ende 2019) 941 Bäume jährlich. Dem stehen jedoch nur 377 Fällungen (in 2019) entgegen. Als Grund für den geringen Fällbedarf ist die sehr große Anzahl nachgepflanzter und somit junger Bäume seit 1990 sowie der sehr sorgfältige Umgang mit den Bäumen zu benennen.“

    Doch das Jahr 2019 weist eine deutliche Steigerung der Fällungen von Bäumen in Parks auf: Von 637 gefällten Bäumen im Jahr 2018 stieg hier die Zahl auf den höchsten seit 1991 gezählten Wert von 1.609. So hat zum Beispiel die Rußrindenkrankheit dazu geführt, dass Ahornbäume vermehrt gefällt werden mussten. Aber 2019 kam es eindeutig auch zu vermehrten Fällungen aufgrund des zweiten trockenen Sommers hintereinander.

    Eine Übersicht über alle Baumfällungen findet man hier.

    Ein Grund dafür sind natürlich die besonders von den klimatischen Veränderungen betroffenen Baumarten. Rüdiger Dittmar: „Hier sind vor allem Birken, Fichten, Rotbuchen und Bergahorn zu benennen. Dies jedoch mehrheitlich in Parkanlagen.“

    Was natürlich die Frage aufwirft: Muss sich die Baumartenzusammensetzung in Leipzig jetzt aufgrund des Klimawandels ändern? Das ist freilich schon seit mehreren Jahren Thema, bestätigt Dittmar: „Die Baumartenzusammensetzung verändert sich seit vielen Jahren. Insbesondere unter den sich verändernden klimatischen Bedingungen wird geeigneten Baumarten und -sorten der Vorrang eingeräumt. Zielmarken werden dabei nicht gesetzt. Die Verwendung einer Art oder Sorte ist von sehr vielen Aspekten, vor allem des Habitus, des Pflegeaufwandes, der langjährigen Eignung abhängig. Hierzu erfolgt eine regelmäßige Berücksichtigung neuer Erkenntnisse aus der Wissenschaft und den Fachverbänden. Im Rahmen des langfristig angelegten Straßenbaumtestes der GALK betreibt auch die Stadt Leipzig Versuchsreihen zur Eignung von Arten und Sorten.“

    Bei GALK mussten wir auch erst einmal nachschauen, was das ist. GALK ist die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz, die sich auch mit Empfehlungen zu den richtigen Straßenbäumen beschäftigt, die dann in der GALK-Straßenbaumliste veröffentlicht werden.

    Eine Vorstellung davon, wie viele Bäume in Leipzig gefühlt noch fehlen, bekommt man, wenn man fragt, wie viele Bäume mit dem beschlossenen Straßenbaumprogramm zusätzlich in Leipzigs Straßen Platz finden könnten.

    „Die Frage beantwortet sich aus dem Straßenbaumprogramm“, sagt Dittmar. „Dieses geht von einer theoretischen Zielzahl von 45.000 bis 2030 zusätzlichen Straßenbäumen aus.“

    Leipzig würde also in zehn Jahren über 100.000 Straßenbäume haben. Das ist schon ein spürbarer Beitrag zur künftigen Verschattung der Straßen.

    Aber die eigentlich besorgte Frage lautet ja: „Hat Leipzig überhaupt die Chance, seinen Straßenbaumbestand zu erhalten, wenn immer häufiger solche heißen und trockenen Sommer kommen wie 2018 und 2019? Steht überhaupt künftig genug Wasser zum Gießen bereit? Oder braucht es da völlig neue Lösungen?“

    Der Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer sieht nicht ganz so besorgt in die Zukunft: „Selbstverständlich besteht die Chance, den Straßenbaumbestand zu erhalten. Dafür sind die finanziellen und personellen Voraussetzungen für Planung und Umsetzung der Ersatzpflanzungen zu schaffen, wie im Straßenbaumkonzept verankert. Die Bewässerung der Bäume ist fester Bestandteil aller Beauftragungen.

    Danach werden in den 3 Jahren der bauvertraglichen Pflege jährlich 12 Wassergänge zu je 100 Litern beauftragt. Darüber hinaus erfolgt im Rahmen des durch den Stadtrat beauftragten Bewässerungskonzeptes eine zusätzliche Bewässerung der Bäume des 4. bis 10. Standjahres in der Unterhaltungspflege. Wichtigste Voraussetzung zur Stabilisierung der Bäume wird zukünftig neben der Artenauswahl vor allem die Schaffung bester Bedingungen im Wurzelraum sein. Die Gießwasserbereitstellung ist derzeit nicht gefährdet.“

    Seit 2015 hat Leipzig über 3.000 Straßenbäume (wieder) verloren

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