So ein Angebot hätte man sich eigentlich schon viel früher gewünscht, irgendwann in den zurückliegenden Jahren seit 2011, seit die Umweltzone in Leipzig eingeführt wurde. Denn die hat natürlich Wirkung gezeigt. Ablesbar jetzt auch in einem sogenannten Dashboard, das das Amt für Umweltschutz und das Amt für Geoinformation auf der Website der Stadt freigeschaltet haben. Erstmals findet man hier die aktuellen Messwerte zur Luftqualität in Leipzig interaktiv direkt von den Messstellen.

Man findet das neue Dashboard auf der Internetseite www.leipzig.de/luftqualitaet. Mithilfe der neuen grafischen Oberfläche können die Daten zur Schadstoffbelastung auf einem mobilen Endgerät bzw. im Browser ausgewertet und benutzerfreundlich angezeigt werden. Das Dashboard wurde in den vergangenen anderthalb Jahren als Projekt der Digitalen Werkstatt vom Amt für Umweltschutz gemeinsam mit dem Amt für Geoinformation und Bodenordnung sowie der Firma LECOS entwickelt.

„Für die Leipzigerinnen und Leipziger ist es dank der neuen grafischen Oberfläche jetzt leichter möglich, sich über die Luftqualität am Wohnort zu informieren“, erklärt dazu Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal.

„Mit dem Einsatz der modernen und anwenderfreundlichen Webanwendung gelingt es, die Daten zur Luftqualität verständlicher zu vermitteln. Zudem leisten wir damit bei gleichzeitiger Nutzung der Ergebnisse für die Stadtverwaltung im Bereich Umwelt-Sensorik einen wichtigen Beitrag, um die Digitalisierung der Stadt mit einer zukunftsweisenden Technologie voranzutreiben.“

Anzeige für die Messstelle Leipzig-Mitte vom 21. Dezember 2021. Screenshot: Stadt Leipzig
Anzeige für die Messstelle Leipzig-Mitte vom 21. Dezember 2021. Screenshot: Stadt Leipzig

Nicht überall stehen reale Messungen hinter den Werten

Erstmals werden für die Öffentlichkeit fast in Echtzeit (stündlich abrufbare) Daten zu kritischen Schadstoffen verarbeitet und verständlich dargestellt. Neben aktuellen Informationen und Verhaltenstipps können die Leipzigerinnen und Leipziger zudem sehen, wie sich die Luftqualität langfristig entwickelt hat. Darüber hinaus kann die stadtweite Luftschadstoffbelastung direkt verglichen werden.

Und das – unter einem benachbarten Link – auch im Vergleich der Luftbelastung mit und ohne Maßnahmen zur Reinhaltung der Luft.

Grundlage hierfür ist der Luftreinhalteplan für die Stadt Leipzig und die auf das Jahr 2020 bezogene modellierte Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid. Mit Betonung auf Modellierung. Denn gemessen wird nur an den auf der Karte ausgewiesenen Messpunkten. Für alle andere Stadtgebiete werden die Werte modelliert – also hochgerechnet. Reale Messungen stehen dort aber nicht dahinter.

Beantwortet werden Fragen wie „Wie sauber ist gerade die Luft in meiner Stadt?“, „Wie hat sich die Schadstoffbelastung der Luft in den letzten Jahren entwickelt?“, „Was bedeutet die aktuelle Luftqualität für meine Gesundheit?“, oder „Welchen Effekt haben eigentlich Luftreinhaltemaßnahmen?“. Ein Blick wird auch auf die Schadstoffe Feinstaub, Stickstoffdioxid und Ozon geworfen, die aufgrund ihrer gegenwärtigen Konzentration eine besondere gesundheitliche Relevanz haben.

Die Zusammenführung der Daten aus den verschiedenen Messsensoren erfolgt automatisch. Zur Abbildung des Ballungsraumes werden zusätzlich Sensoren aus der nahen Umgebung Leipzigs eingebunden – aus Markranstädt zum Beispiel oder Schkeuditz.

Messstellen sind essenziell

Wobei die Schkeuditzer Messstelle aktuell nur Ozon-Messwerte liefert und eben nicht die für eine flughafennahe Messstelle wichtigen Daten zu Feinstaub und Stickstoffdioxid. Mit dem Ergebnis, dass die flughafennahen Ortsteile in der Modellierung nur denselben errechneten Wert etwa zu Feinstaub PM10 von 17 µg/m³ zeigen wie alle anderen Leipziger Randlagen auch.

Dasselbe gilt für alle Autobahnabschnitte, an denen in Leipzig ebenfalls keine Messstellen existieren.

Die Modellierung weist noch andere Schwachpunkte auf – die sichtbar werden, wenn man ganze Straßen im Stadtgebiet mit und ohne Reinhaltemaßnahmen vergleicht – es steht nämlich jedes Mal derselbe Wert da. Was nur logisch ist: Wenn nicht standortnah gemessen wird, hat man auch keine realistischen Messergebnisse.

Sodass die signifikante Änderung nur im Stadtinneren überhaupt sichtbar wird – nahe den dortigen Messstellen.

Vergleich der Entwicklung der Feinstaubbelastung PM10 über 10 Jahre. Screenshot: LZ
Vergleich der Entwicklung der Feinstaubbelastung PM10 über 10 Jahre. Screenshot: LZ

Die Einführung der Umweltzone war ein Meilenstein

Die Daten aus dem Luftmessnetz des Freistaates Sachsen stehen als Stunden-, Tages-, Monats- und Jahresmittelwerte zur Verfügung. Ergänzt werden sie durch smarte Sensoren der Firma Dr. Födisch Umweltmesstechnik AG und durch sogenannte Stickstoffdioxid-Passivsammler, die ohne Stromversorgung auskommen. Mit diesen überwacht die Stadt Leipzig seit Anfang 2021 die Stickstoffdioxidbelastung an 12 Standorten, darunter sogenannte Hotspots der Luftbelastung.

Der für das Dashboard notwendige Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur und Expertise ist auch wesentlich für das Weiterentwickeln der Digitalisierung in der Stadtverwaltung („Digitaler Zwilling“), teilt die Stadtverwaltung noch mit.

Insbesondere die Langzeitanalyse ermöglicht einen Blick auf die Folgen der Reinhaltungsmaßnahmen, von denen die Einführung der Umweltzone im März 2011 die wichtigste war, denn sie hatte zur Folge, dass veraltete Dieselfahrzeuge nach und nach aus dem Stadtgebiet verschwanden und auch der Durchfahrtverkehr von emissionstarken Transportern deutlich zurückging.

Mit dem Ergebnis, dass die Messwerte zu Feinstaub und Stickoxid an den beiden innerstädtischen Messstellen Mitte und Lützner Straße deutlich zurückging und Leipzig die geltenden europäischen Schwellenwerte inzwischen unterschreitet.

Black Box: Wissensstand noch immer lückenhaft

Dass das nicht fürs ganze Stadtgebiet gilt, zeigen die notwendigen Messsensoren für Stickoxide in einigen belasteten Straßenabschnitten. Und wie die Entwicklung im Nordwesten aussieht, weiß sowieso kein Mensch, da es dafür keine Messergebnisse zu Feinstaub und Stickoxiden von der Messstelle in Schkeuditz gibt. Der Raum um den Flughafen Leipzig / Halle ist wie eine Black Box.

So gesehen machen die Karten auch transparent, wie lückenhaft in Wirklichkeit der Leipziger Wissensstand über die Luftschadstoffbelastung im Stadtgebiet abseits der wenigen Messstellen ist.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Empfohlen auf LZ

- Anzeige -

Es gibt 2 Kommentare

Unter einer Modellierung verstehe ich, dass die Emissionseinträge der wichtigsten Verursacher (sofern bekannt) mathematisch und statistisch in ein Modell überführt werden und somit eine Karte entstehen kann, die dem Realzustand adäquat nahe kommt.

So müsste also in autobahnnahen Gemeinden oder in einer Stadt direkt an einem Großflughafen auch im mathematischen Modell eine Erhöhung der zu erwartenden Emissionen sichtbar werden.

Wenn das nicht geschieht, hat der Modellierer wohl erhebliche – definitiv bekannte – Quellen einfach weggelassen.
Warum, das kann man sich nun in Ruhe überlegen…

Die Umweltzone war keine gute Idee. Sie hat im Prinzip nichts gebracht, außer das viele Schilder stehen, Plaketten kontrolliert werden und Leute Geld für neue Filter oder Fahrzeuge ausgegeben haben (wenn auch steuerlich und von der BAFA gefördert).
In meinem Fall war das, was dann zur grünen Plakette an meinem damaligen TDI führte, die Nachrüstung eines offenen Filtersystems. Es hatte keine Kommunikation zum Motorsteuergerät, es war einfach ein Klumpen Keramik im Auspufftrakt. Wenn ich mal einen Gasstoß gegeben hab, sah man im Rückspiegel eine schöne Wolke. Das war sehr sinnvoll für die Umwelt, dass das bißchen Ruß, was bei einem Pumpe-Düse-Diesel noch übrig ist, gespeichert und dann irgendwann in die Luft gepustet wird.

Ich bin kein Experte in diesen Messverfahren und Auswertungen, das muss ich zugeben. Aber über die Jahre verfolgt man ja schon die Nachrichten und Meldungen. Und da hat Dresden als Stadt ähnlicher Größe und wirtschaftlicher Bedeutung es geschafft, trotz Lage im Elbtal, ähnlich viele Überschreitungen der erlaubten Schadstoffwerte zu schaffen wie das flache Leipzig. Und durch Dresden geht die Autobahn mittendrin durch; eine zweite führt entlang ihrer südlichen Grenze.

Dank des Hinweises im Artikel auf das sächsische Luftmessnetz habe ich mir den Versuch mal gegeben, und die Messstelle “Dresden Bergstraße” (eine Bundesstraße mit Anstieg) mit der Lützner Straße in Leipzig beim Feinstaubwert verglichen, Zeitraum 2010-2020.
Schade, dass ich hier keine Bilder reinstellen kann, aber ich sehe in den beiden Graphen den qualitativ exakt gleichen, über die Jahre abfallenden Verlauf. In Dresden sinkt der Wert (ausgewählt habe ich “PM10_TEOM”) sogar noch schneller. Der gleiche, stetige Abfall der Feinstaubbelastung auch für die Stationen “Dresden-Nord” und “Leipzig-West”.

Bei den Stickoxiden fällt der Vergleich nicht so eindeutig aus, da gibt es einen kleinen Vorteil für Dresden im Vergleich zu Leipzig, wo sich die Jahresmittel eher schwankend bewegen.

Für mich als Laie, das muss ich noch mal betonen, kommt dabei heraus, dass man die Umweltzone überhaupt nicht braucht, um eine Luftverbesserung zu erreichen. Es war ein Fehler das Geld für diese Maßnahme in die Hand zu nehmen, weil es auch andere Wege gibt die Belastung zu senken. Und es ist ein Fehler, diesen Verwaltungsakt nicht wieder rückgängig zu machen. Weniger Schilder, weniger Kontrollen, weniger Verfahren und Umstände für alle.

Schreiben Sie einen Kommentar