Nicht nur im Stadtrat wird die Hitzebelastung in Leipzig mit zunehmenden Hitzetagen immer öfter thematisiert. Das Thema hat in seiner Dringlichkeit auch die Stadtverwaltung erreicht. Auch wenn vor wenigen Jahren der Umgang mit dem Hitzestress der Bewohner überhaupt noch kein Thema war, rückt es inzwischen auch in den Fokus der Stadtplanung. Eine aktualisierte Karte auf der Website der Stadt zeigt jetzt die unterschiedliche Hitzebelastung im Stadtgebiet noch genauer.

Über die Hitzebelastungen im Wohn- und Arbeitsumfeld können sich die Leipzigerinnen und Leipziger aktuell in der auf www.leipzig.de/stadtklima platzierten neuen Stadtklimaanalyse informieren, teilen das Amt für Umweltschutz und das Stadtplanungsamt mit.

Eine erste Karte gab es ja schon. Doch die neue ist wesentlich detaillierter. Der umfangreiche Datensatz zum Mikroklima, zum Strömungsfeld und zur Hitzebelastung aus der ersten Phase wurde in einer zweiten Phase weiter analysiert und mit einer umfangreichen räumlichen Darstellung aus 17 Maßnahmen ergänzt, erläutern die beiden beteiligten Ämter.

Strategien gerade für die hochbelasteten Gebiete

Die Maßnahmenkarten zeigen an, wo welche Strategie helfen kann, um die im Block oder im Straßenraum vorherrschende Wärmebelastung zu reduzieren. Die Umsetzung wird durch verschiedene Prozesse, wie dem Straßenbaumkonzept, der Gründachförderung oder dem Masterplan Grün begleitet. Sie ist, wie etwa bei der Erstellung von Bebauungsplänen und gezielten Fachplanungen, teilweise Alltagsgeschäft in der Verwaltung.

Die wertvollen Kaltluftproduktionsflächen sind nun ebenso sichtbar gemacht wie die Flächen, über die kühlende Luftmassen in der Nacht strömen können und welche Quartiere sie letztendlich erreichen.

Insgesamt gibt es 11 Kaltluftprozessräume, die besonders Leipzigs Osten erreichen. Im Westen wurde nur ein Prozessraum nachgewiesen – hier verläuft der Kaltluftaustausch nicht in großen überregionalen Bahnen, sondern direkt von den Grünflächen vor Ort in die angrenzenden Straßen und Blöcke.

Bebauung wird die Situation in einigen Quartieren verschärfen

Trotz kühler Luft in der Nacht kann sich in den Quartieren eine Wärmebelastung entwickeln. Blöcke mit einer ungünstigen und sehr ungünstigen stadtklimatischen Situation wurden bereits mit der ersten Phase identifiziert.

Die zweite Phase schaut darüber hinaus auch die Blöcke mit noch „mittlerer Situation“ genauer an und weist jene aus, die bereits jetzt durch eine zunehmende Bebauung, längere Hitzeperioden oder spätestens mit der weiter rasant ansteigenden Temperatur Gefahr laufen, in eine ungünstige oder sehr ungünstige Situation abzurutschen.

Diese sogenannten Kippflächen bilden zusammen mit den ohnehin schon betroffenen Quartieren den „stadtklimatischen Sanierungsbereich“. Die 17 Maßnahmen werden vor allem innerhalb dieses Bereichs ausgewiesen.

Welche Hitzeentwicklung rollt auf Leipzig zu?

In einem Extrakapitel widmet sich der Abschlussbericht dem bisher beobachteten Klimawandel in Leipzig und analysiert zwei gegensätzliche Szenarien. Was erwartet uns bei einem „Weiter wie bisher“ und welche negativen Folgen können durch die Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens vermieden werden.

Es zeige sich in beiden Fällen deutlich: Die Jahre 2014 bis 2020 waren bis zu 2 Grad wärmer als das für Leipzig typische Mittel von 9,6 Grad. Die künftig besonders warmen Jahre übertreffen nochmal deutlich das, was die Leipziger/-innen bisher erlebt haben.

Im „Weiter wie bisher“-Szenario steigt die Temperatur und damit auch die Anzahl von heißen Tagen und Tropennächten sowie die Länge der Hitzeperioden bis 2100, also in nicht einmal mehr 80 Jahren, ungebremst auf ein Vielfaches an, während der Erwärmungstrend beim Klimaschutzszenario ab circa 2050 gedeckelt wird.

Der Niederschlag fällt künftig mehr in den Wintermonaten als im Sommer. Zusätzlich fällt er mehr und mehr als Starkniederschlag und versickert damit kaum im Boden, sondern fließt ab. Die höhere Temperatur lässt mehr Niederschlag verdunsten, was durch die Winterniederschläge nicht mehr ausgeglichen werden kann.

Je wärmer es wird, umso trockener werden also die Böden und letztlich steht auch immer weniger Grundwasser zur Verfügung. Die Begrenzung der Erhitzung nach dem Klimaschutzszenario kann die Entwicklung auf einem planbaren Maß halten und bietet noch Möglichkeiten zur Anpassung.

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