Warum haben nicht viel mehr Streckenabschnitte im Netz der LVB ein Rasengleis? Das beschäftigte das Jugendparlament, das einen entsprechenden Antrag insbesondere für die KarLi stellte. „Die Vorteile der Rasengleise gegenüber anderen Gleisformen sind vielschichtig. Neben der ästhetischen Komponente, haben sie auch einen akustischen Vorteil, da sie weit weniger Schall ausstrahlen und tragen zu einem verbesserten Mikroklima bei.“

„Die dadurch verminderten Lärmemissionen sind auch für die Anwohnerinnen und Anwohner an allen genannten Abschnitten des Streckennetzes und im Besonderen in der dicht besiedelten Südvorstadt von zentralem Vorteil und nehmen der ‚Bimmel‘ ein Stück weit ihre berüchtigte Lautstärke“, heißt es im Antrag des Jugendparlaments, das insbesondere den Straßenbahnlärm in der KarLi zum Thema hat.

„An Hitzetagen tragen Rasengleise auch zu einem verbesserten städtischen Klima bei, da sie weit weniger Wärme abstrahlen wie ein Schotterbett oder eine Beton- bzw. Asphaltschicht.“

In einem Abschnitt der KarLi reihen sich zwar Freisitze dicht an dicht. Aber wenn hier die Straßenbahn durchfährt, versteht man sein eigenes Wort nicht mehr.

„Derzeit gibt es ein Rasengleis zwischen der Kurt-Eisner-Straße und der Haltestelle ‚Richard-Lehmann-Straße/HTWK‘, das diese Effekte in den vergangenen Jahren eindrucksvoll zeigte. Der darauffolgende sanierungsbedürftige nördliche Gleisabschnitt bis zur Schenkendorfstraße könnte sich hervorragend für eine Erweiterung der Rasengleise eignen.

Und mittelfristig betrifft das auch die weiteren besonderen Bahnkörper vor dem Volkshaus oder zwischen der HTWK. Die Abstrahlungsminderung des Schalls ist in der Karl-Liebknecht-Straße besonders sinnvoll, da sich hier neben Wohnbebauung, auch Hochschulbetrieb und vor allem wie oben genannt unzählige gastronomische Betriebe befinden.“

Lärmminderung, Feinstaubbindung, Verbesserung des Stadtklimas

Und auch einen Umweltschutzaspekt haben die Rasengleise, so das Jugendparlament:

„Durch die in den vergangenen Jahren erhöhte Bautätigkeit in der Stadt entstanden außerdem hohe ‚Flächenverluste‘ und Rasengleise können auf besonderen Bahnkörpern einen kleinen Ausgleich dafür schaffen. Zumal in den vergangenen Jahren durch die Aufstellung von Wartehäuschen mit Moosdach den Bestrebungen für zusätzliche Mikroklimata in der Stadt Rechnung getragen wurde.

Die Vorteile der Rasengleise gegenüber klassischen Gleisformen überwiegen deutlich und können in Leipzig ebenfalls einen kleinen Beitrag zur u. a. von der Stadtverwaltung angestrebten Klimaneutralität beitragen.“

Aber so einfach, wie sich die jungen Parlamentarier das denken, ist das nicht, stellt das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) in seiner Stellungnahme fest. Denn wie die (neuen) Gleise gebaut werden, ist immer ein Kompromiss nach einem langen Abwägungsprozess.

„Unter Federführung der LVB wurden deshalb gemeinsam mit den betroffenen städtischen Ämtern alle bis 2030 geplanten Gleisbaumaßnahmen der LVB auch hinsichtlich der Möglichkeit des Ausbaus als Rasengleis untersucht“, erläutert das VTA.

„Rasengleise beeinflussen im Regelfall die Lärmminderung, Feinstaubbindung, Verbesserung des Stadtklimas, Minderung des Versiegelungsgrades und Erhöhung Versickerungsfähigkeit positiv. Im Einzelfall erfolgt dann eine Abwägung zwischen gestalterischen, technischen, betrieblichen und wirtschaftlichen Anforderungen bei der Infrastrukturgestaltung.“

Und das macht die Sache auch an den drei Straßenabschnitten knifflig, an denen sich das Jugendparlament wünschte, dass die Stadtverwaltung hier bis zum IV. Quartal 2022 die Schaffung von Rasengleisen prüfen möge.

Die Erwägungen zu den drei Straßen hat das VTA seiner Stellungnahme beigegeben. Und in gewisser Weise hat das Jugendparlament hier offene Türen eingerannt.

Die Karl-Liebknecht-Straße

„Die LVB planen den grundhaften Ausbau der Gleisanlagen in der Karl-Liebknecht-Straße im Abschnitt zwischen Kurt-Eisner-Straße bis zur Körnerstraße, nach derzeitigem Stand ist die Realisierung für 2025 avisiert. Für den besonderen Bahnkörper ist in Fortführung des bereits realisierten Rasengleises zwischen Richard-Lehmann- und Kurt-Eisner-Straße ein Rasengleis vorgesehen.

Es wird im Zusammenhang mit der Gleisbaumaßnahme geprüft, ob hierbei auch die gepflasterten Nebenflächen neben den vorhandenen Querungsstellen des Gleiskörpers entsiegelt und so ausgebildet werden können, dass sie zum Abschnitt zwischen Richard-Lehmann-Straße und Kurt-Eisner-Straße passen. So wird der gestalterische Gesamteindruck der Karl-Liebknecht-Straße gestärkt.

Für den nördlichen Bereich der Karl-Liebknecht-Straße erfolgte der Straßen- und Gleisbau im Rahmen eines komplexen Bauvorhabens in den Jahren 2014-15. Die Realisierung eines Rasengleises wurde im Vorfeld der Baumaßnahme planerisch untersucht und nach Abwägung unterschiedlichster Aspekte nicht berücksichtigt.“

So schreibt zumindest das VTA. Damals waren auch die Leipziger Planer schlicht noch nicht so weit, fanden die Querungsmöglichkeit des Straßenabschnitts für Fußgänger einfach wichtiger, obwohl die Anwohner durchaus die Lärmproblematik vorgebracht hatten.

Dafür waren die Aspekte Kühlung, Entsiegelung und Feinstaubbindung noch nicht stark genug und unterlagen in der Kompromissfindung für diesen Straßenabschnitt. Entsprechend abweisend und altbacken sieht er jetzt aus.

KarLi-Abschnitt ohne Rasengleis. Foto: Ralf Julke
KarLi-Abschnitt ohne Rasengleis. Foto: Ralf Julke

Die Prager Straße

„Die Prager Straße (von An der Tabaksmühle bis Friedhofsgärtnerei) ist als Komplexmaßnahme in der ‚Mobilitätsstrategie 2030 für Leipzig – Rahmenplan zur Umsetzung (Beschluss RV VII-DS-00547-NF-01)‘ in der Maßnahmenliste II-10a ‚Komplexmaßnahmen VTA – L-Gruppe und weitere Maßnahmen der LVB‘ unter der Nummer I-19, mit vsl. Bau im Jahr 2024/2025 enthalten. Im Rahmen der Planungen ist vorgesehen, für den separaten Gleiskörper künftig Rasengleis einzusetzen. Hierzu erfolgt derzeit die Variantenuntersuchung der Vorplanung in Vorbereitung der geplanten Baumaßnahme.“

Die Georg-Schumann-Straße

„Für die Georg-Schumann-Straße ist in den nächsten Jahren eine abschnittsweise Umgestaltung vorgesehen. Als erster Abschnitt ist ein Umbau des Abschnitts Böhmestraße bis Delitzscher Straße vorgesehen. Hier wurden im Rahmen der Vorplanung 2 Hauptvarianten erarbeitet – eine Variante mit einem kompletten besonderen Bahnkörper mit Rasengleis und eine Variante mit einem halbseitigen besonderen Bahnkörper mit Rasengleis, die bereits in einer öffentlichen Bürgerinformationsveranstaltung vorgestellt wurden.

Gegenwärtig wird ein Variantenentscheid durch die Ratsversammlung vorbereitet. Dieser soll 2022 getroffen werden. Eine Realisierung des Bauvorhabens als Komplexbaumaßnahme Stadt Leipzig/LVB GmbH/Versorgungsunternehmen ist ab 2024 geplant.

Ein Umbau weiterer Abschnitte der Georg-Schumann-Straße ist mittelfristig geplant. Im Rahmen der Vorplanung werden hierbei immer Varianten mit besonderem Bahnkörper mit Rasengleis untersucht. Aufgrund der unterschiedlichen, nicht überall ausreichenden Straßenraumbreiten sowie verschiedener Nutzungsansprüche, wird eine Separierung der Gleise und somit auch die Einordnung eines Rasengleiskörpers nicht überall umsetzbar sein.

Aufgrund der Vorteile hinsichtlich der Straßenbahnbeschleunigung und auch insbesondere für Umwelt und Klima wird die Lösung Rasengleiskörper jedoch bevorzugt angestrebt.

Im vorhandenen Bahnkörperabschnitt zwischen Wiederitzscher Straße und Lützowstraße wird aufgrund der Eindeckung des Gleiskörpers ein Umbau erst bei einer grundhaften Erneuerung der Gleise und dann im Rahmen einer Planung mit grundsätzlicher Neuaufteilung des Straßenraums umsetzbar bzw. zu prüfen sein. Der Zeitpunkt für einen möglichen Umbau ist abhängig von der Nutzungsdauer der vorhandenen Gleisanlagen.“

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Es gibt 2 Kommentare

Auch in Gera gibt es einen Rasenbewässerungswagen 😉
Und das nicht erst, seitdem “Klima” in aller Munde ist und Paris als Musterbeispiel für verschiedene derartige Dinge hergezogen wird.

Es reicht ja schon der Vergleich mit Dresden, was das Thema Rasengleis angeht. Meines Wissens ist das kein Amtsschimmelproblem in Leipzig, sondern mal wieder ein LVB-Eigenbrödlerthema. Geht nicht, können wir nicht machen, kostet Geld, etc.
Schön, dass hier wieder kleine Schritte in Richtung mehr Rasengleis gemacht werden. Dass es dazu erst das Jugendparlament braucht, ist merkwürdig.

Waldstraße und Zwickauer Straße sind auch noch solche Möglichkeiten ein Rasengleis unterzubringen.

In Paris werden Rasengleise sogar an trockenen Tagen befeuchtet, damit die Eigenschaften der Schadstoffminderung auch bei widrigen Bedingungen gegeben ist.
Also Leipzig, Amtsschimmel weg und mal grün denken

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