Vielleicht hat es sich mit dem Rückzug Donald Trumps von seiner Grönland-Kampagne beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos in dieser Woche erledigt und sein Gelärme um die Übernahme Grönlands hat erst einmal ein Ende. Aber selbst die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat war aufgeschreckt von den Drohungen des US-amerikanischen Präsidenten, Grönland unbedingt den USA einverleiben zu wollen.
Weshalb die Fraktion jetzt in der Ratsversammlung beantragt, Leipzig solle eine Städtepartnerschaft mit der grönländischen Hauptstadt Nuuk aufnehmen.
„Wenngleich sich eine historische, geografische, wirtschaftliche oder zivilgesellschaftliche Verbindung zwischen Leipzig und Nuuk nicht unmittelbar aufzwingen mag, hatte eine Begegnung aus dem Jahre 1790 für die direkt Beteiligten als auch für beide Städte bemerkenswerte Folgen. Es geht somit um nicht mehr und nicht weniger als die drängende Wiederbelebung und Vertiefung einer jahrhundertealten Beziehung Leipzigs und Grönlands“, begründet die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat in ihrem Antrag, warum Leipzig eine Städtepartnerschaft mit Nuuk aufnehmen sollte.
Eine Beziehung hat Leipzig tatsächlich zur großen Eisinsel im Norden: „Bis heute zeugt von dieser Begebenheit aus dem Jahre 1790 ein sehr schönes Gebäude in der Petersstraße Nr. 24 – im Erdgeschoss befindet sich eine Filiale einer großen Schuhverkaufskette. Dieses vom Leipziger Handelskaufmann und Krämer Martin Haugk um 1749/50 errichtete Gebäude wird auch ‚Der Grönländer‘ oder ‚Zum Grönländer‘ genannt.“
Ein Hauszeichen an der Fassade erinnert bis heute an den Kaufmann Johann Martin Haugk und die Abenteuer seines Enkels vor Grönland. Über dem Eingang am Haus in der Petersstraße 24 zeugt bis heute ein goldfarbenes Relief, das jenen Inuit zeigt, der 1790 dem Leipziger Walfänger, auf dem Haugk Enkel unterwegs war, lebensrettende Hilfe zuteil werden ließ.
Gegen die Einverleibung
„Aktuell wird Grönland durch imperiale Einverleibungsbestrebungen der USA in seiner eigenständigen und friedlichen Entwicklung bedroht. Unverhohlen spricht der US-Präsident Donald Trump die Absicht aus, Grönland in die USA einzugliedern, dies wäre für die nationale Sicherheit der USA angeblich nötig“, so die Linksfraktion in ihrem Antrag.
„Diesen imperialen Bestrebungen zur völkerrechtswidrigen Annexion kann durch bürgerschaftliche Kontakte und Beziehungen aktiv und erfolgreich entgegengewirkt werden. Nur die freie, selbstbestimmte Entscheidung der Einwohnerinnen und Einwohner Grönlands kann Grundlage für ihre weitere Entwicklung und staatliche Zugehörigkeit sein.
Einen wichtigen und glaubwürdigen Beitrag zu einer solchen eigenständigen, bürgernahen und demokratischen Entwicklung kann eine Städtepartnerschaft zwischen der Stadt Leipzig mit ihrer Geschichte als Stadt der friedlichen Revolution im Sinne respektvoller, durch die Bürgerschaft getragener Entwicklungen, und der grönländischen Hauptstadt Nuuk als dem politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zentrum der Insel leisten.“
Mit Flughafen und Leipziger Messe hätte Leipzig „hervorragende Voraussetzungen, um eine solche Partnerschaft in kurzer Zeit erfolgreich zu entwickeln.“
Am Donnerstag, 22. Januar, nahm Donald Trump zumindest die angedrohten Strafzölle gegen die Europäer wegen der Grönland-Frage zurück.
Es fehlt nur der bürgerschaftliche Partner
Ob der Linke-Antrag freilich Zustimmung bei Verwaltung und Ratsmehrheit findet, ist offen. Denn auch eine Städtepartnerschaft braucht Geld, das in den klammen Leipziger Haushalten derzeit nicht darstellbar ist. Die Linke hat es für den Haushalt 2027/2028 gleich mit beantragt: „In den Doppelhaushalt 2027/2028 sind die entsprechenden Mittel einzustellen, die benötigt werden, um die Reisen der Delegationen in die Partnerstadt teilweise zu tragen und einen Besuch der Gäste aus Grönland zu ermöglichen.“
Und die Fraktion hat auch gleich mehrere mögliche Träger für eine Städtepartnerschaft vorgeschlagen: „Wichtige Einrichtungen in Leipzig wie Universität, Hoch- und Fachschulen, IHK, Handwerkskammer, städtische Bühnen und Museen, Gewandhausorchester, kommunale Unternehmen usw. sind im Rahmen sinnvoller Partnerschaften sowie vor dem Hintergrund der Unterschiedlichkeit in Größe und Struktur der Wirtschafts-, Wissenschafts-, Bildungs-, und Kulturlandschaft der potentiellen Partnerstadt in den Vorbereitungsprozess einzubeziehen, sodass deren berechtigte Interessen an einem Austausch zwischen beiden Städten Berücksichtigung finden.“
Und damit führt die Fraktion gleich mal das Grundproblem dieser möglichen Städtepartnerschaft an. Denn Städtepartnerschaften beruhen zumeist auf bürgerlichem Engagement von Initiativen und Vereinen, die ohnehin schon Beziehungen in die Partnerstädte unterhalten. Solche gibt es aber in Leipzig nicht.
Es wäre also eher ein symbolischer Akt, wenn Leipzig eine Städtepartnerschaft mit Nuuk anbahnen würde. Die wirklichen Grenzen für seine Machtspiele kann ein Donald Trump nur auf gesamteuropäischer Ebene finden.
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