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Elster-Saale-Kanal: Eine Kanaltour auf dem Drahtesel

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    Der unvollendete Elster-Saale-Kanal. Gut zwanzig Kilometer wäre er lang. Leipziger Wassersportfreunde legten die Strecke am vergangenen Sonnabend, 22. September, zurück. Mit dem Fahrrad wollten sie erkunden, wie's um den Wasserlauf steht. Denn diesen wollen sie im nächsten Jahr entlang paddeln. Auf ihrem Weg nach Hamburg.

    Am Kanal 28. Das ist heute ein offener Jugendtreff in Lindenau: Gelegen am Karl-Heine-Kanal, unterhalb der Spinnereistraße. Wabe e.V. heißt der Träger.

    Der rote Backsteinbau war einst eine Mörtelfabrik. Daran erinnerte am vergangenen Sonnabend Heinrich Neu vom Leipziger Kanu-Club. Hier wurde das Baumaterial hergestellt, was bei der Erweiterung Leipzigs nach Westen zu Karl Heines Zeiten im 19. Jahrhundert verbaut wurde.

    Am vergangenen Sonnabend war der europaweite autofreie Tag. Und den wollten Leipziger Wassersportfreunde nutzen, um den Kanalverlauf von Lindenau bis nach Kreypau an der Saale mit dem Fahrrad zurückzulegen. Gut 20 Kilometer.Denn ein durchgängiger Wasserlauf besteht nicht. Der Kanal, der heute den Namen des Industriepioniers trägt, entstand anfangs vielleicht doch eher en passant: weil man den Aushub zur Stadterweiterung brauchte, und weil er ein preiswerter Weg zum Transportieren des Baumaterials war.

    Im frühen 20. Jahrhundert kam das Projekt eines Industriehafens im Leipziger Westen hinzu. Auch davon erzählte Heinrich Neu, dann schon vor der Silhouette der bestehenden Speicherbauten.

    Dieser Industriehafen sollte mit einem Kanal mit der Saale verbunden werden. Bei Kreypau, gegenüber dem bekannten Industrieort Leuna, sollte Leipzig die seit Jahrhunderten ersehnte Anbindung an die bestehenden Flussläufe erhalten.In diesen Tagen geht es nicht mehr um den Transport von industriellen Massengütern, wenn vom Kanaldurchstich die Rede ist. Sondern um die Erschließung des Areals für ein neues Stadtquartier in Neulindenau. Diese Pläne stellten Heinrich Neu und Björn Teichmann beim Zwischenstopp am Hafenbecken vor.

    „Die Leipziger konnten nicht wirklich überzeugen mit der Wirtschaftlichkeitsrechnung“, verwies Björn Teichmann vom Lindenauer Stadtteilverein auf einen Grund, warum es selbst in der Hochzeit der nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen-Politik ab 1933 nicht ganz so dynamisch mit dem Kanalprojekt voranging. Stadtplaner Teichmann hat Genese und Umsetzung des Kanalprojekts 1995 in einer Diplomarbeit zusammengetragen.

    Bis zu 1.800 Arbeitslose hoben in der Anfangszeit das Kanalbett aus. In Handarbeit. Für die Stütze, einen Gutschein und eine warme Mahlzeit am Tag. Später wurden auch Bagger eingesetzt. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Bauarbeiten dann eingestellt.

    Auf dem Treidelpfad den Kanal entlangSo richtig los ging die Radpartie dann westlich der Lyoner Straße bei Kanalkilometer 20. Gut 15 Kilometer am bestehenden Wasserlauf lagen vor den Wassersportfreunden. Immer den beim Kanalbau angelegten Treidelpfad entlang. Hätten die Motorschiffe auf dem Kanal den Dienst versagt, wären die Lastkähne auf althergebrachte Weise getreidelt, also von Land aus mit Tauen gezogen worden.

    So ein Treidelpfad erreicht hingegen nicht ganz den Standard, den heutige Fahrradtouristen bei ausgebauten Radwanderwegen entlang der Flüsse gewohnt sind.

    Zwischen Lindenau und dem Bienitz passt sich der Kanal in die Landschaft ein. Weiter westlich, bis heran an die Autobahn Berlin – Leipzig – München, erhebt sich ein Damm in der Landschaft. Für die heutige Bundestrasse 186 wurde eigens ein Tunnel unter dem Kanal gebaut.

    Der unvollendete Kanal ist heute Teil der Kulturlandschaft westlich von Leipzig. So kamen den Radlern am Sonnabendvormittag Spaziergänger entgegen. Angler versuchten ihr Glück. Zwischen dem Bootshaus des SC DHfK in Burghausen und der Autobahn trainierten Ruderer. Hier wurde schon mancher fit für Olympia gemacht, finden auch heute Wettkämpfe wie die Frühjahrslangstrecke statt. Unter der Brücke unter der B181 westlich von Günthersdorf trafen die Radler auf Taucher, die gerade ins Wasser gingen.Beim Radeln wird schnell klar: Sollte der Kanal irgendwann einmal vollendet werden, müssen die jetzigen Nutzer mit all den neuen Wassertouristen zu einem neuen Miteinander finden.

    Ein im Grunde fast fertiger Kanal

    Doch nicht weit hinter Günthersdorf ist Schluss mit Kanal. Jedenfalls mit dem Wasser führenden Teil. Auf Feldwegen führte der Weg entlang des trockenen Kanallaufs. Die Vegetation hat sich die ausgehobene Senke zurückerobert. Doch Schilder der Bundeswasserstraßenverwaltung weisen entlang des Wegs immer wieder darauf hin, dass man neben einem Kanalbett unterwegs ist.

    Dann endlich war Wüsteneutzsch erreicht. Das malerisch gelegene Dorf hat seit knapp 70 Jahren ein unvollendetes Schleusenbauwerk als Wahrzeichen. Hier sollte der Kanals einen Höhenunterschied von 22 Metern überwinden, um dann in der Saaleniederung bei Kreypau in den Elbe-Nebenfluss zu führen.

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    Den westlichen Endpunkt des geplanten Kanals markiert heute das Schöpfwerk Kreypau. Unweit davon wurden weiland schon die Pfeiler für eine Kanalbrücke gesetzt, die bis heute nicht steht. Auf dem gegenüber liegenden Saaleufer ist die Friedenskirche von Leuna zu sehen.

    In Kreypau endete der gemeinsame Radausflug der Leipziger Wasserfreunde. „Das war eine schöne Tour, um allen zu zeigen, was findet man dort für eine Situation vor“, fasste im Anschluss Thorsten Mehnert vom Vorbereitungsteam der Hamburgtour 2013 seine Eindrücke zusammen. „Das ist im Grund genommen fast fertig gewesen“, sagte er nach dem Ortstermin auf dem Drahtesel über die realisierten Kanalbauten.

    Ob es nun für die Vollendung des Kanals eines Schiffshebewerkes für 82 Millionen Euro Baukosten bedürfe, das würde er hingegen noch einmal überdenken, so Mehnert. Auch heute wirft die Wirtschaftlichkeitsrechnung also bei Manchem noch manche Frage auf.

    www.saaleelsterkanal.de

    www.hamburg471komma02.de

    www.wasser-stadt-leipzig.de

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