Der Zwenkauer See mausert sich zum Touristenmagneten: Ein Interview mit den Betreibern des Zwenkauer Hafens

Wie schafft man den Spagat zwischen Segelbootromantik, Motorbootproblematik und dem Wunsch vieler Reisender nach Motorboottouristik und der Suche nach Erholung, Stille und Entspannung und den Protesten der Umweltverbände? Am Zwenkauer See versuchen die Verantwortlichen der Sächsischen Seebad Zwenkau GmbH & CO. KG allen Wünschen gerecht zu werden. Dabei scheint das Projekt durchaus Zukunft zu haben.
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Die L-IZ hat sich vor Ort zu einem Interviewtermin mit dem Geschäftsführer der Projektbetreiber, Andreas Schmidt, getroffen und ihn zu Zielen, Problemen und Perspektiven befragt. Fest steht, dass der Leipziger Südraum mit seinem Neuseenland ein immer noch ausbaufähiges und durchaus zukunftsträchtiges touristisches Potential hat.

Herr Schmidt, wie steht es denn nun mit der Regelung für Motorboote auf dem Zwenkauer See?

Grundsätzlich ist der Betrieb von Motorbooten auf dem Zwenkauer See erlaubt. Dabei gibt es aber entsprechende Beschränkungen.

Die da wären?

Erst einmal ist die Antriebsart eingeschränkt. Also entweder Viertakt-Benzinmotoren oder maximal ein Diesel, der entweder eine gewisse CE-Norm oder die Bodensee-Norm erfüllt. Das müssen alle, die hier ihre Boote rein lassen wollen, nachweisen. Dazu gibt es auch entsprechende Formulare, die ausgefüllt werden müssen und bindend sind.

Welche Einschränkungen gibt es noch?

Da wäre zum einen die Geschwindigkeitsbegrenzung von maximal zehn Stundenkilometern. Diese Begrenzung gilt im Übrigen für alle Boote oder Gefährte, egal ob es sich um Segelboote, Motorboote, Elektroboote oder Segelsurfer handelt. Außerdem sind mindestens 50 Meter Abstand zum Ufer einzuhalten. Dazu kommen die entsprechenden Zonen, die überhaupt nicht angefahren werden dürfen.

Um welche Zonen handelt es sich dabei?

Das sind die Vorranggebiete Natur und Landschaft, Untiefen bis hin zu den Gebieten, wo die LMBV noch arbeitet.

Wie viele Motorboote sind bisher angemeldet?

Wir haben von den 180 Booten, die hier angemeldet sind, 80 Boote im Hafen liegen, wovon wiederum 25 Motorboote sind. Wobei von diesen 25 Booten alleine 15 gewerbliche Boote sind, die auch separat vom Landkreis genehmigt werden müssen.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Angefangen von Charterbooten, also Boote, die ausgeliehen werden können bis hin zu unserem Boot, das wir auch anmelden mussten und mit dem wir kontrollieren, ob alles in Ordnung ist und sich an die Regeln gehalten wird.

Wie viele Liegeplätze haben Sie?

Wir verfügen alles in allem über 350 Liegeplätze. Wir sind so gut wie ausgelastet.

Haben Sie eigentlich mit diesem Ansturm gerechnet?

Eigentlich schon, ja. Es ist ja so, dass wir das hier sehr aktiv beworben haben, auch unter der Maßgabe, dass hier Motorboote, wenn auch unter Auflagen, fahren dürfen. Auch unter dem Aspekt, dass der ganze bürokratische Aufwand dazu so weit wie möglich limitiert wird.

Bisher sind 25 Motorboote für den Zwenkauer See angemeldet. Foto: Matthias Weidemann

Bisher sind 25 Motorboote für den Zwenkauer See angemeldet. Foto: Matthias Weidemann

Nun gab es ja in letzter Zeit immer wieder Diskussionen darüber, wem der See denn nun gehört, wie die Besitzverhältnisse eigentlich sind.

Der See gehört der Lausitzer Mitteldeutschen Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft und er wird mittelfristig dem Freistaat gehören, da der See ja ein Gewässer der ersten Ordnung darstellt. Ich persönlich würde mich damit auch schwer tun, einen solchen See in privater Eigentümerschaft zu übernehmen. Schon alleine aufgrund der Tatsache, dass man nicht weiß, welche Unterhaltungskosten da auf einen in der Zukunft zukommen. Das wäre schon wegen der betriebswirtschaftlichen Kosten und der damit verbundenen Unwägbarkeiten unsinnig. Auch alleine deshalb muss der Besitz der öffentlichen Hand vorbehalten sein. So sind auch die öffentlichen Interessen gewährleistet.

Wenn Sie sagen „mittelfristig“, können Sie das auch ungefähr beziffern?

Nein, das können wir nicht. Das hängt auch davon ab, wann die Wasserverbindung fertig ist, wann die LMBV mit den längerfristigen Arbeiten rund um den See abgeschlossen hat. Dann geht er vollständig in den Besitz des Freistaates über und ich gehe mal davon aus, dass das in etwa fünf Jahren der Fall ist. Aber da kann ich mich natürlich nicht so genau festlegen.

Nun ist ja der Durchstich zum Cospudener See in Arbeit. Was erhoffen Sie sich von diesem Projekt hinsichtlich Ihrer touristischen Ziele und Projekte?

Aus jetziger Sicht sehe ich da keinen Vorteil, weil ich ja noch gar nicht weiß, ob die hier zugelassenen Boote dann Richtung Cospudener See fahren dürfen. Was auch umgekehrt natürlich gilt. Solange das nicht eindeutig geregelt ist, sehe ich da noch überhaupt keinen Zuspruch beziehungsweise einen wirtschaftlichen Vorteil. Allerdings wäre es aus meiner Sicht geradezu sträflich, das nicht zu nutzen. Was ich finde, ist, dass es übertrieben wäre, das nur für den Kanuverkehr zu bauen.

Denn dafür wäre es überdimensioniert. Klar ist auch, dass unser Fahrgastschiff dann auch nach Cospuden fahren könnte. Aber das käme ja fast einer Einzelförderung gleich, was ich wiederum auch für übertrieben hielte.

Auf dem Markkleeberger See, beziehungsweise auf dem Störmthaler See, wird das ja bereits praktiziert.

Wobei man allerdings bedenken muss, dass man zwar von Markkleeberg aus nach Störmthal kann, aber nicht umgekehrt, wenn man keine Konzession hat. Das ist natürlich die Krux und die Frage bleibt, wie muss man damit umgehen.

Welche übergeordnete Behörde ist für diese Regelung zuständig?

Das ist gegenwärtig der Landkreis, der das festlegt. Wobei man beachten muss, dass der See noch nicht dem Freistaat unterstellt ist und der Landkreis das in enger Abstimmung mit der LMBV regelt. Und die LMBV sagt, dass sie wissen will, was sich auf und mit den Gewässern abspielt, solange sie noch im Besitz, beziehungsweise in der Verantwortung ist. Die LMBV sagt ja auch, dass sie kein Touristik-Unternehmen ist.

Haben Sie einen Überblick aus welchen Regionen die Bootsführer beziehungsweise Bootsbesitzer kommen?

Ein Teil kommt aus Leipzig, ein anderer Teil wiederum aus anderen Seengebieten, weil die Bedingungen hier günstiger sind und sehr attraktiv. Wir haben hier zum Beispiel fünf Kilometer Streichlängen und teilweise Bedingungen wie an der Ostsee, was Wind und Wellen angeht. Also gerade für Segler ideal. Und im Südost-Bereich finden Segelanfänger wegen des ruhigen Wassers ideale Voraussetzungen, um das Segeln zu lernen. Dazu haben wir eine ganze Masse an Bootsbesitzern aus dem Südraum. Also aus Chemnitz und aus dem Raum Zwickau.

Das hängt auch mit der guten Autobahnanbindung an den Südraum Leipzig zusammen. Wir haben aber auch sehr viele Tagesgäste aus dieser Region, was ich persönlich sehr interessant finde. Die kommen mal auf ein Wochenende hierher, um Boot zu fahren.

Warum denn an die Ostsee schweifen, wenn Neuseenland liegt so nah. Foto: Matthias Weidemann

Warum denn an die Ostsee schweifen, wenn Neuseenland liegt so nah. Foto: Matthias Weidemann

Dem kommt ja ihre gesamte Infrastruktur und Organisation entgegen.

Ja, so wäre das früher gar nicht möglich gewesen. Das geht relativ unkompliziert. Weil wir hier auch unabhängig von den Behörden Tageszulassungen erteilen können, wobei wir natürlich auch an die Maximalauslastung gebunden sind, die wir nicht überschreiten dürfen.

Was kostet eine Tageszulassung?

Die kostet 20 Euro, wobei man ja auch den Verwaltungsaufwand berücksichtigen muss. Die Boote müssen zum Beispiel klar identifizierbar sein.

In welcher Beziehung stehen Sie zu den Umweltverbänden, die den Masterplan, der die Motorboote ermöglicht, bekanntermaßen kritisieren?

Ein Dialog hat sich bisher als schwierig gestaltet. Jedenfalls von der anderen Seite aus. Als der Einspruch des Ökolöwen gegen die Motorisierung kam, haben wir bewusst den Dialog gesucht, haben aber nie eine Antwort erhalten. Dabei haben wir offensiv versucht, auf die Umweltverbände zuzugehen, aber keine Resonanz gefunden. Dabei wollen wir deren Beweggründe und Argument gerne nachvollziehen und verstehen.

Wie steht es denn um die Auslastung, was die Unterkünfte am Zwenkauer Hafen betrifft?

Die Auslastung ist sehr gut, was aber auch damit zu tun hat, dass wir noch nicht so viele haben. Die 30 Ferienwohnungen, die wir hier haben, sind fast schon überbucht. Dabei handelt es sich um sehr viele Radtouristen, ein paar davon wollen auch Boot fahren.

Wie viele Unterkünfte sind perspektivisch geplant?

Also das Maximum wird wohl bei 150 Betten liegen. Die Gesamtheit der Betten wird hier von Privat angeboten. Ob nun Hotel oder Privatunterkunft. Die Hälfte der Flächen wird privat genutzt, die andere Hälfte als Unterkunft angeboten.

Wo bewegen sich hier die Grundstückspreise?

Da liegen wir zwischen 150 und 250 Euro pro Quadratmeter. Das funktioniert auch, ganz einfach auch deshalb, weil wir hier auf eine städtebauliche, beziehungsweise wohnbauliche Qualität achten. Wir legen Wert darauf, dass sich das architektonisch ins gesamte Gefüge einpasst. Bevor wir ein Grundstück verkaufen, muss man einen Entwurf vorlegen, der von einem Gestaltungsbeirat abgesegnet werden muss. Wir als Grundstückseigentümer vertreten eine von sieben Stimmen. Der Rest setzt sich aus Landkreis, Stadt Zwenkau, Architektenkammer und so weiter zusammen.

Und erst, wenn alle grünes Licht geben, wird der Zuschlag erteilt, das Grundstück verkauft. Das ist aber auch das Marketingwerkzeug schlechthin, denn wenn ich hier bauen darf, weiß ich, dass auch das Umfeld in gleicher Qualität vorhanden sein wird. So vermeiden wir hier, dass zum Beispiel die Finca neben einem Bauhaus und wiederum neben einem Bungalow steht. So entsteht eine Homogenität.

Wie sieht es mit der Infrastruktur aus?

Wir haben hier von Anfang an mit Glasfaserkabel geplant und schnelles Internet. Da haben wir von Anfang an investiert, weil uns gerade das Thema „Wohnen, Leben, Arbeit“ für uns sehr wichtig war.

Seit wann ist Ihre Firma hier am Start und wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Seit zehn Jahren, einschließlich der Erschließung des Geländes. Zurzeit sind wir insgesamt vier Mitarbeiter. Dazu kommen noch zwei Saisonkräfte. Anfangs wollten wir eigentlich nur die Grundstücke erschließen und verkaufen, dann entwickelte sich das so, dass wir es selber betrieben. Auch den Hafen. Auch weil es schwer ist, jemanden zu finden, der einen Hafen betreibt. Wenn wir zu Beginn gewusst hätten, was da auf uns zukommt, hätte man das vielleicht nicht gemacht.

Aber wenn es dann läuft, wächst auch das Vertrauen der Gesellschafter. Und der Hafen ist ja auch so was wie ein Schlüsselprojekt. Denn wenn der nicht nach unseren Vorstellungen betrieben würde, wäre auch die Vermarktung der Grundstücke in Mitleidenschaft gezogen.

Vielen Dank für das Interview.

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