Die Wiege des heutigen Sachsen steht in Eilenburg. Dort ist man sich dieser Tatsache sehr wohl bewusst und hat deshalb in den vergangenen Jahren sehr viel Augenmerk auf die Herrichtung des Burgbergs und dessen, was von der einst prächtigen Burg noch vorhanden ist, gelegt. Jetzt soll auch eine Tafel mit Relief an die Geschichte dieser Burg erinnern.

Im Rahmen des Teilprojektes „Beschilderung“ der Fördermaßnahme „Freiflächengestaltung Erschließung Schlossareal“ wird eine Relieftafel im Innenbereich des Turmfragmentes des ehemaligen großen Bergfriedes errichtet, teilt dazu die Eilenburger Stadtverwaltung mit. Als zentraler Informationspunkt soll die Tafel dem Betrachter einen Überblick über die verlorene Bebauung des Schlossareals verschaffen.

Denn das Problem ist tatsächlich das, was man nicht mehr sieht. Wehrturm und altes Amtshaus vermögen allein nicht mehr, sich die Gestalt und Dimension der alten Burg vorzustellen.

Wobei es vor allem um die wiederaufgebaute Burg des 14. Jahrhunderts mit ihren Umbauten im 18. Jahrhundert geht, als aus der von Markgraf Wilhelm wiedererworbenen und praktisch in der Merseburger Bischofsfehde 1386 zerstörten Burg eine neue Burg erstanden ist. Aber so recht zurückkehren an ihren alten Stammsitz wollten die Wettiner nicht. Die Burg wurde zum wettinischen Amtssitz.

Bilder von der ursprünglichen Burg, die hier als Burgward 981 erwähnt wurde, gibt es sowieso nicht. Und auch von der Burg Friedrichs und der ersten beiden Dietriche haben wir keine Bilder, auch wenn die Eilenburger Grafen da schon zu Markgrafen in der Ostmark aufgestiegen waren. Um welche sich die Wettiner noch ein paar Jahrzehnte prügeln mussten, bis sie zumindest die Markgrafschaft Meißen dann behalten und bis 1918 regieren durften.

Eilenburg gehört neben dem heute in Sachsen-Anhalt liegenden Wettin zu den Orten, wo man die frühen wettinischen Anfänge besichtigen kann – oder zumindest das, was davon noch irgendwie greifbar ist. Eigentlich wird hier Geschichte unter dem Motto „Jeder fängt mal klein an“ sichtbar.

Deswegen denkt auch die sächsische Regierung eher nicht an Eilenburg, wenn sie mal wieder mit großem Pomp Geschichte inszenieren will. Das geht mit Dresden besser, wo Friedrichs und Dietrichs Nachkommen auf dem Gipfel ihrer Macht und ihres Reichtums residierten.

Aber gerade deshalb ist ein Ausflug nach Eilenburg eher etwas für Geschichtsinteressierte, die es nicht so protzig mögen.

Auch wenn von der letzten Burg heute nur noch Reste stehen, teilweise als Pension genutzt werden und künftig eine Tafel zeigen soll, wie es mal aussah.

Ein allgemeiner Text zur Burggeschichte, eine Lagedarstellung, eine Legende und ein 3D-Modell des ehemaligen Schlosses tragen zur Veranschaulichung bei, beschreibt die Stadtverwaltung das, was dann auf der Tafel zu sehen und zu ertasten sein soll. Auch Sehbehinderte können dann durch die Relieftafel den Burgberg ertasten und entdecken.

Der Eilenburger Stadtausschuss hat dem Büro Laurin Zwo den Zuschlag für die Fertigung, Lieferung und Montage der Relieftafel erteilt. Geplanter Ausführungszeitraum ist Mai bis August 2017.

In eigener Sache: Lokaler Journalismus in Leipzig sucht Unterstützer

In eigener Sache (Stand Mai 2017): 450 Freikäufer und weiter gehts

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Ralf Julke über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar