Trotz vorhandener Sicherheitstechnik

DHL bleibt auf der Südbahn und die Lärmbelastung am Flughafen ist auch 2017 weiter angestiegen

Für alle LeserIn der vergangenen Woche hat Matthias Zimmermann, Sprecher der Bürgerinitiative „Gegen die neue Flugroute“, auch den Fluglärmreport für das ganze Jahr 2017 versendet. Eigentlich war das ein Jahr, in dem nicht nur die Bürgerinitiativen gehofft hatten, dass sich die Lärmbelastung rund um den Flughafen Leipzig/Halle endlich verringert. Hatte man doch endlich eine Petition zum Erfolg gebracht. Aber Pustekuchen war es.

Der zuständige Minister – Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) – fühlte sich nicht einmal bemüßigt, der Petition zur „Kurzen Südabkurvung“ abzuhelfen, obwohl der (alte) Bundestag kurz zuvor einmütig bestätigt hatte, dass der Petition abzuhelfen sei. Auch die Flugsicherung kann sich nicht einfach neue Flugrouten ausdenken, wenn der Flugbetrieb auf einer neuen Startbahn beginnt, wie das 2007 der Fall war.

Aber der Minister wollte lieber Unterhändler in den folgenden monatelangen Sondierungsgesprächen spielen, in denen es eigentlich nur darum ging: Wer kann mit der völlig verschlissenen CDU/CSU-Truppe überhaupt noch regieren? Welche Partei hat überhaupt noch genug Übereinstimmungen mit diesen traum- und visionslosen Konservativen, die gerade in Wirtschaftsfragen lieber Vogel Strauß spielen und nun seit zwei Jahren immer heftiger rechts blinken, als wollten sie die AfD schon binnen weniger Wochen an die Regierung holen.

Vertrauenswürdig ist das alles nicht mehr. Und so sehen es mittlerweile auch immer mehr SPD-Landes- und Juso-Verbände. Diese Politik füllt nur den großen Konzernen die Taschen, ignoriert aber die Lebensprobleme der Bürger völlig.

Und die Stimmung, die mittlerweile bei den Bürgerinitiativen rings um den Flughafen Leipzig/Halle herrscht, kann man eigentlich nur noch mit fatalistisch beschreiben. Das Vertrauen in maßgebliche Politiker, die eigentlich qua Amt für die Unregelmäßigkeiten am Flughafen zuständig wären, ist auf den Nullpunkt gesunken.

Im Sommer schwelte kurz die Hoffnung, die irregulären Flugrouten übers Leipziger Stadtgebiet könnten endlich ein Ende finden. Im Herbst kam die Hoffnung hinzu, der Flughafen würde sich auch endlich an die im Planfeststellungsbeschluss verankerte Gleichverteilung der beiden Startbahnen halten. Denn nach Auskunft von Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) soll ja die notwendige Sicherheitstechnik nach EU-Standard mittlerweile am Flughafen existieren, die eine gleichmäßige Nutzung beider Startbahnen auch in der Nacht ermöglicht.

Aber die Zahlen für 2017 sagen, dass das dort niemanden kümmert. Es wird nachts geflogen, wie man das seit 2007 gewohnt ist: Fast alles startet von der stadtnahen Startbahn Süd. Und damit liegt die Hauptlärmlast über dem Leipziger Nordwesten.

Und diese Bahn wird deshalb fast ausschließlich genutzt, weil DHL seine großen Verladehallen genau hier, an der Startbahn Süd gebaut hat. Es ist dasselbe Problem wie bei den „kurzen Abkurvungen“ (neben der kurzen Südabkurvung gibt es ja noch mehr, die ebenfalls Schutz- und Wohngebiete überqueren): Es geht um Zeit- und Spritersparnis. Jede Fahrt zur Nordbahn würde Minuten kosten und einige Liter Flugzeugsprit, jede Umfliegung Leipzigs ebenso. Also macht man’s nicht.

Da muss die Deutsche Flugsicherung nicht viel erklären: Sie gehorcht dem Drängen von DHL und weist den Flugzeugen die Start- und Landebahn Süd zu. Und weil das so schnell und effektiv ist, steigt das Flug- und Frachtaufkommen in Leipzigs Nächten immer weiter an, werden jedes Jahr neue Frachtrekorde vermeldet.

Starts und Landungen nach Uhrzeiten und Verteilung. Tabelle: Bürgerinitiative "Gegen die neue Flugroute"

Starts und Landungen nach Uhrzeiten und Verteilung. Tabelle: Bürgerinitiative „Gegen die neue Flugroute“

Die Tabelle zeigt es: Auch im Dezember starteten und landeten – trotz vorhandener Sicherheitstechnik – 85,9 Prozent aller Flugzeuge von der stadtnahen Südbahn. In der Nachtkernzeit von 0 bis 5 Uhr, wenn eigentlich alle Menschen schlafen wollen, waren es sogar 98,4 Prozent.

Beispielhaft hat Zimmermann den 22. Dezember herausgehoben, als allein 104 Starts und Landungen in der Nachtkernzeit registriert wurden. Die beiden (privat betriebenen) Lärmmessstationen in Stahmeln maßen Lärmspitzen von 60 bis 70 Dezibel. In der Nacht. Und die Gelegenheit nutzt Zimmermann auch, um die Stadt Leipzig zu kritisieren, die sich weigert, eine eigene unabhängige Messstation einzurichten. Denn den Messungen des Flughafens misstraut man im hohen Norden zutiefst.

Dass gerade viele Nachtflüge so laut sind, hat 2017 auch wieder mit dem vermehrten Auftauchen us-amerikanischer Militärfrachter zu tun. Aber immer wieder werden auch die uralten russischen Frachtflieger gesichtet, die eigentlich schon längst hätten ausrangiert sein müssen.

Die Zahl der nächtlichen Starts und Landungen, die 2016 erstmals die Zahl von 30.000 überschritten, hat übrigens mit 33.439 einen neuen „Rekord! geschafft. In der Kernnacht, wo 2016 erstmals die Zahl von 20.000 überschritten wurde, wurden diesmal 21.723 Starts und Landungen registriert.

Wer die Zahl kennt, weiß auch, wo er die 19.581 Fluglärmbeschwerden einordnen kann, die es 2017 gab. In der „Fluglärmkommission“ gab es ja schon Freudensprünge, weil man einen Rückgang der Beschwerden feststellen konnte.

Aber mittlerweile wird auch endlich thematisiert, dass es zum Flughafen Leipzig/Halle keinen Lärmaktionsplan gibt. Das Netzwerk Zukunft Leipzig hat eine entsprechende Beschwerde bei der EU-Kommission losgetreten.

Auch die Stadt Leipzig hat sich um einen Lärmaktionsplan zum Thema Fluglärm bislang elegant herumgedrückt.

Der Fluglärmreport für Dezember 2017.

Dobrindt-Ministerium zögert die Umsetzung des Bundestagsbeschlusses zur Abschaffung der kurzen Südabkurvung mit fadenscheinigem Schreiben hinaus

Fluglärm
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Luftbild Klinikums St. Georg. Foto: Klinikum St. Georg

Foto: Klinikum St. Georg

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Blick von der Bergstraße auf das Hörsaalzentrum der TU Dresden. Foto: TU Dresden

Foto: TU Dresden

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