Ein Brief an den Chef der Deutschen Flugsicherung

Hat die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung den MDR-Zuschauern einen fetten Bären aufgebunden?

Für alle LeserAm 4. Juli zeigte der MDR im Umschau-Magazin den Beitrag „Leben mit dem Fluglärm“. Darin kam auch die DFS-Sprecherin Sandra Teleki vor, die flapsig erklärte: „Die 30 Tonnen waren da nie ein Thema. Wir haben uns auch gefragt wie die ins Orbit kamen. Ganz ehrlich, wir wissen es nicht.“ Es ging um die Tonnagebegrenzung für die Kurze Südabkurvung. Die Aussage war eindeutig falsch. Dafür bekam ihr Arbeitgeber, die Deutsche Flugsicherung, jetzt einen Brief von der Bürgerinitiative „Gegen die neue Flugroute“.

Vom MDR-Beitrag war die Bürgerinitiative sogar angetan, denn mit einer mutigen Reporterin, die es wagte, einmal eine Nacht unter der Kurzen Südabkurvung zu verbringen, hatte der Beitrag die Probe aufs Exempel gemacht und gezeigt, wie die vom nächtlichen Frachtflugverkehr Betroffenen unter dem Lärm leiden. Ein Lärm, der immer weiter zunimmt, weil Sachsens Regierung sich bemüht, immer mehr Frachtfluggesellschaften am Flughafen Leipzig/Halle anzusiedeln.

In ihrem Brief an Klaus-Dieter Scheurle, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Deutschen Flugsicherung (DFS), spricht die Bürgerinitiative jetzt ihre Vermutung aus, dass die DFS auch den Bundesverkehrsminister falsch beraten hatte, als der das Anliegen der vom Bundestag befürworteten Petition gegen die Kurze Südabkurvung prüfen ließ.

„Prüfen“ klingt immer so fachmännisch. Aber in der Regel fragen die Minister dann auch nur die zuständigen Abteilungsleiter ab und wenn die erklären, aus ihrer Sicht sei die Petition nicht berechtigt, dann gibt das der Minister nur allzu gern als „Prüfergebnis“ heraus.

Im Juni 2017 hat der Deutsche Bundestag einstimmig beschlossen, dass die „Kurze Südabkurvung“, so wie im Planfeststellungsverfahren (PFV) zugesagt und vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt, nur mit einer 30 Tonnenbegrenzung beflogen wird. Dieser Bundestagsbeschluss ist bis heute nicht umgesetzt. Eben weil Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach „umfangreicher Prüfung der Sachlage“ im BVMI meinte, „dass von einer Umsetzung der Petition abgesehen wird.“

Wenn nun freilich sogar DFS-Sprecherin Sandra Teleki erklärt, dass man nicht mal wisse, wie die 30 Tonnen Gewichtsbegrenzung „ins Orbit kamen“, dann ist das nicht nur flapsig, sondern widerspricht eindeutig der Aktenlage. Die DFS selbst hatte 2003 als Änderung in den damals schon heftig umstrittenen Planfeststellungsbeschluss als Änderung eingearbeitet, dass „Abflüge auf der Kurzflugstrecke 08R/L (…) nur am Tage durchgeführt“ werden „und nur bis zu einer Luftfahrzeugkategorie A und B (30t MTOW)“.

Das sind die 30 Tonnen maximales Startgewicht. Von der DFS selbst vorgeschlagen und eine der beiden wichtigsten Forderungen, die die Bürgerinitiativen in der Planfeststellung 2004 durchsetzen konnten. Denn ohne diese Punkte hatten die betroffenen Bürger vor, gegen den kompletten Planfeststellungsbeschluss zu klagen, was möglicherweise ergeben hätte, dass die Südstartbahn gar nicht gebaut würde oder erst einige Jahre später. Zu spät für die Pläne der sächsischen Regierung, DHL nach Leipzig zu holen.

Für die Bürgerinitiativen galt das damals als Erfolg. Und die treibenden Politiker – angefangen mit Georg Milbradt, der 2004 zum Ministerpräsidenten aufstieg – waren erleichtert, dass sie so billig davongekommen waren.

Doch als 2007 der Flugbetrieb auf der neuen Startbahn Süd begann, merkten die Flughafenanwohner schnell, dass ausgerechnet die staatliche DFS nicht mal daran dachte, sich an die Vorgaben aus dem Planfeststellungsbeschluss zu halten. Nicht nur schickte sie die schweren Frachtflieger tagsüber über die Kurze Südabkurvung (und damit auch über die Leipziger Ortsteile Burghausen, Rückmarsdorf und Gundorf), sondern auch nachts.

Im Brief schickt die Bürgerinitiative dem CSU-nahen DFS-Chef auch die schriftlichen Belege zu dem Vorgang. Und so oft wie genau diese 30 Tonnen in den letzten Jahren öffentlich Thema waren, kann bei der DFS eigentlich niemand behaupten er oder sie wisse nichts davon. Die Aussagen der Sprecherin sehen dann schon wie ein flapsiger Versuch aus, den Zuschauern des MDR einen Bären aufzubinden.

Zum Beitrag des MDR (Video)

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