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Kommentar: Wie viel kostet Mitmenschlichkeit in Sachsen?

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    Ich gebe offen zu: Roland Kaiser-Fan war ich noch nie. Schon das trennt mich von Kathrin Oertel, dem Diskofox und PEGIDA. Und ein Fan der sächsischen CDU-Politik mit ihrem mittelmäßigen Personal und insbesondere der unberechtigten „Wendeübernahme“ werde ich wohl auch nicht mehr. Dies wiederum hat mir den stolzen Ruf in den Kreisen mit der schnellen Meinung und den wenigen Fakten eingebracht, vorgeblich „links-grün versifft“ zu sein. FDP-Fan wäre ich gern irgendwann mal in den Anfang-30ern meines Lebens geworden, aber das wegweisende Lebens-Wort „liberal“ haben sie mir nach Genscher gründlich versaut. Mit dem ständigen Freiheitsgeplapper immer dann, wenn es wieder darum ging, von unten nach oben zu verteilen. Aber AfD? Pegida? Legida?

    Nun entsteht eine lustige Situation in all meinen Schnittmengen, welche natürlich auch die alten, richtigerweise AfD-wählenden Geister der Alt-Linken Ost und die manchmal aufkommende Dogmatik der Grünen ebenso umfasst, wie die Grundablehnung von brutaler Dummheit – was mich immer den Kopf schütteln lässt, über die NPD und ihre, nun mit der AfD geteilten, Kampfgruppen.

    Aber der CDU-Ableger AfD machte mal etwas richtig und gleichzeitig etwas anderes falsch. Sie fragte nach. Das ist immer richtig. Nur fragt sie leider aus rein ideologischen Gründen und in Verteidigung ihres PEGIDA/LEGIDA-Straßentrupps, wie ihre und die Statements nahezu aller ausländerfeindlichen Portale im Netz zeigten. Sie wollen es einfach (auch) nicht verstehen, weil sie irgendetwas mit reinem Blut und einer christlichen Rasse vorhaben.

    Die restliche Presse ließ den Edelstein leider liegen.

    Wie viel eigentlich die schwer an die DDR erinnernde Propaganda-Sause am 10. Januar 2015 in Dresden auf dem Neumarkt unter dem Motto „Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Dialog“ gekostet hat, wollten die Landtagsneulinge wissen. Eine Anfrage, die sicher bis August 2014 die NPD in Sachsen übernommen hätte. Und bei der sich „Linke“ denken, wie es kommt, dass man um jeden Euro für soziales Engagement betteln muss in diesem freien Staat.

    Die AfD-Anfrage erfolgte natürlich zu einer Kundgebung mit „Gaststars“ wie Roland Kaiser, Silly, Stanislaw Tillich und die mir weitgehend unbekannte Helma Orosz, welche zur Niederringung der Pegidisten (in Leipzig sagen manche Legionellen) veranstaltet wurde und vor allem zeigen sollte: Schaut nach Dresden, wie offen wir für alles sind! Schlager, ein wenig DDR-Schick und Politik für alle kostenfrei. Da ist eigentlich auch die AfD ganz gut zu Hause, wenn man sich die ganzen braven Frisuren so anschaut.

    Helma Orosz soll zumindest eine für CDU-Verhältnisse gute Rede zum Thema Gesellschaft, Liebe und Freundlichkeit frühzeitiger im Windschatten der PEGIDA-Demos im Dresdner Stadtrat gehalten haben. Mal ohne die übliche Heuchelei und Scheinheiligkeit. Hat sie sicher und danach war wohl allen ganz heimeilig zumute. So wie am 10. Februar in Dresden, als insgesamt 105.794,18 Euro für „Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Dialog“ ausgeben wurden. Netto oder brutto hat keiner gefragt, deshalb weiß es nun auch keiner. Wie viele der schmal rechnenden Kulturmacher oder freien Unternehmer hätten nachgehakt – Brutto oder Netto oder was hier?

    Und da fängt es schon wieder an, dieses ungute Gefühl. Da fragt die Disko-Fox-Fraktion bei der Ex-DDR-Schwaben-Bayern-Fraktion in der sächsischen Regierung nach, was der Liebling Roland Kaiser gekostet hat. Und die Faschisten kommen trotzdem zum Tanzen nach Dresden, während sich der Rest des Pöbels wieder mitsummend hinter die Gardinen verzieht. Auf den sächsischen Dörfern nennt man so etwas „Licht an – Alle gehen jetzt nach Hause, der Rest trinkt noch einen“.

    Der Kaiser selbst hat wohl, bis auf die Anfahrts- und Unterbringungskosten in einem netten Dresdner Hotel, nichts gekostet. Es waren Bühnenaufbau und Techniker, die nicht bereit waren, alles kostenlos zu geben. So kenne ich meine Sachsen. Auch bei der Weltoffenheit muss noch was rumkommen, sonst ist sie irgendwie wertlos. Haben sie übrigens von den Benefizveranstaltern West gelernt. Die Grundkosten müssen drin sein. Denn sie wissen auch schon, wie das Business funktioniert. 1,66 Millionen Klicks auf das Duett von Roland Kaiser und Maite Kelly – die Nummern rocken, aber Du bist nicht dabei. Ein bisschen Verständnis hab ich schon für die Kathrin aus Coswig.

    Warum lieber Roland Kaiser hast Du also nicht Nein gesagt?

    Ok, ich habe Kopfschmerzen, allein vom Hören. Aber ich weiß endlich wieder warum. Hier das Statement der AfD dieser Tage zum Thema AfD gegen CDU: „Nirgendwo bisher wurden friedliche Demonstranten, die für ihre demokratischen Rechte einstehen wollten, derart diskreditiert wie in den vergangenen Monaten in Dresden. Durch derartige Kundgebungen wird die Mitte der Gesellschaft, um die es sich laut mehreren Untersuchungen handelt, zunehmend dem rechten Rand zugeschrieben.“ Die Art muss man sich merken. Es ist derartig artig, so artgerecht nach der Art zu fragen. Auch wenn es in den Mitte-Studien um ihre Art ging.

    Wie viel kostet Mitmenschlichkeit in Sachsen?

    Derzeit 14 neue Sitze von Menschen im Landtag, die Foxtrott können. Und die Mitte-Studien zitieren, deren Inhalt sie nicht einmal verstanden haben. Wie auch. Es geht um sie, ihre unverbrüchliche Liebe zu Roland Kaiser und ihre Ablehnung dieser unerträglichen Beatmusik und des ganzen Yeah, Yeah! Es geht um die gesammelte Abstiegsangst einer Mitte, die es im Osten nur marginal „Oben“ gibt. Keine Ahnung, wer hier „Oben“ sein sollte, sieht man sich die Vermögen an.

    Wo Geld fehlt, bleibt uns nur das Herz. Nur schlägt dies halt leider immer links. Auf der Seite, wo die Menschen anlanden, welche nicht einmal ein warmes Wohnzimmer im Winter haben. Nur das „Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Dialog“ scheinbar so billig in Sachsen gehandelt werden, ist schon ein Skandal. Den Rest der Darstellungen vergangener Wahlen erspare ich allen, die bis hier gelesen haben.

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