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Immer mehr Rentner in Sachsen arbeiten, um der Altersarmut zu entgehen

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    Es spricht sich so langsam herum, dass da etwas nicht stimmt im Osten des Landes Dänemark, dass eine Menge Leute 27 Jahre nach dem großen Versprechen blühender Landschaften und gleicher Lebensverhältnisse auf einmal in ihr abgeschabtes Portemonnaie schauen und sehen: Da ist nix. Nicht mal eine Reise nach Mallorca. Also wird auch mit 66 Jahren weiter malocht.

    Dass da etwas völlig schiefgelaufen ist mit all den Zickzackkursen mit Niedriglohn, prekärer Beschäftigung und Rentenreformen, die tatsächlich Rentenkürzungen waren, das hat sich gerade in den letzten Monaten erstaunlich weit herumgesprochen. Sogar ein Großmedium wie die FAZ hat das Phänomen aufgegriffen – aber lieber gleich abgewiegelt. Die Chemnitzer „Freie Presse“ nahm es am Montag, 13. Februar auf: „Jeder fünfte Rentner verdient sich was dazu“. In Sachsen wohlgemerkt.

    Ein Auslöser für die Ermunterung ist natürlich die DGB-Kampagne „Die Rente muss reichen“, mit der die Gewerkschaft den Bundestagswahlkampf aufmischen will. Auch die mutigeren Sozialdemokraten haben nicht das Thema höhere Prozente auf ihre Wahlzettel geschrieben, sondern Solidarrente. Denn 40 Prozent von 1.000 Euro sind genauso belämmert wie 50 Prozent.

    „Wer ein Leben lang gearbeitet hat, darf nicht am Ende zum Bittsteller werden“, sagt zum Beispiel Daniela Kolbe, die Generalsekretärin der sächsischen SPD.

    Die Linkspartei hat das Thema existenzsichernde Rente schon 2016 auf ihre Agenda geschrieben und tourt mit Veranstaltungen dazu durchs Land. Denn vielen Jüngeren ist noch gar nicht bewusst, was da auf sie zukommt in zehn, 20 Jahren.

    Bestenfalls noch eine Menge Arbeit, wenn der Körper auch im Alter noch mitmacht.

    Ein Thema, bei dem Susanne Schaper, die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, sich auskennt. Sie hat immer wieder dazu nachgefragt. Und sie hat die Zahlen.

    „Die Zahl der arbeitenden Rentner nimmt in Sachsen stetig zu. Waren es Ende 2013 noch 35.998 (20.421 Männer, 15.577 Frauen), betrug die Zahl Ende 2014 schon 37.285 (20.950 Männer, 16.335 Frauen). Im September 2015 waren insgesamt 39.050 (21.851 Männer, 17.199 Frauen) Rentner geringfügig beschäftigt und besserten somit ihre Rente auf“, benennt sie die derzeit noch überschaubare Entwicklung. Aber das wird sich ändern. Und zwar gerade im Osten: „Während es in den alten Bundesländern laut Berichten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Rentner wirtschaftlich nicht nötig haben, neben der Rente weiterhin zu arbeiten, ist die Situation in den neuen Bundesländern eine völlig andere. Hier sind Menschen im Rentenalter oftmals gezwungen, weiter zu arbeiten, um der zunehmenden Altersarmut zu entgehen.“

    Gründe dafür sind das niedrige Rentenniveau, niedrigere Beitragszahlungen aufgrund niedriger Löhne, sowie die seit 27 Jahren bestehende Rentenmauer, wie Schaper sagt.

    „Wir fordern daher von der Staatsregierung, sich endlich für eine Angleichung der Renten auf Bundesebene einzusetzen. Außerdem sollten alle Einkommensbezieher in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und Beitragsbemessungsgrenzen abgeschafft werden“, sagt Schaper. „Nur wenn alle Einkommen in voller Höhe berücksichtigt werden, kann das Rentenniveau steigen, ohne dass die Beitragszahler stärker belastet werden“

    „Es ist nicht hinnehmbar, dass 27 Jahre nach der deutschen Einheit die Renten im Osten immer noch nicht angeglichen sind“, benennt Horst Wehner, der seniorenpolitische Sprecher der Linksfraktion einen Fakt, den sein Fraktionsvorsitzender Rico Gebhardt schon einmal als eindeutige Diskriminierung der Ostdeutschen bezeichnet. „Wer ein Leben lang gearbeitet hat, sollte sich zur Ruhe setzen können, ohne sich Sorgen machen zu müssen. Doch auch die Lebensleistung von Menschen, die jemanden zu Hause betreut haben oder eben keine ununterbrochene Erwerbsbiografie haben, muss anerkannt werden. Altersarmut muss verhindert und ein echter Ruhestand in Würde gewährleistet werden.“

    „Rentner mit geringfügig entlohnter Beschäftigung in Sachsen“ (Parlaments-Drucksache 6/4997)

    Susanne Schapers (Die Linke) Anfrage von 2015 zu Rentnern mit geringfügig entlohnter Beschäftigung. Drs. 1422

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    https://www.l-iz.de/bildung/medien/2017/01/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

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    2 KOMMENTARE

    1. …und wenn man solche Vorurteile nicht dort abbaut wo sie ihre Wurzel haben, bringt Gerede darüber weniger als nichts.

    2. Während es in den alten Bundesländern laut Berichten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Rentner wirtschaftlich nicht nötig haben, neben der Rente weiterhin zu arbeiten: So, so, alle Rentner im Westen haben das nicht nötig, das ist ein schlechter Witz. So sorgt man für Vorurteile, das ist einfach mies!!!

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