Integration? Wenn ein Kollege fehlt

Für alle LeserAllmählich ist offenbar ein Art Sonderrecht entstanden, wenn es um die Arbeit der Ausländerbehörde Leipzig geht. Wie sonst ist es wohl zu erklären, dass trotz anders lautender Gesetzgebung über den Verbleib von Flüchtlingen im Falle einer Ausbildung oder Arbeitsaufnahme am Dienstag, dem 5. September 2017, zwei Polizeibeamte das Autohaus Saxe betraten, um einen Lehrling des Unternehmens zur Abschiebung abzuholen. Ein weiterer Fall in Sachsen, deren Hintergründe mehr als fraglich sind, ein ganzes Unternehmen mit 93 Mitarbeitern perplex zurücklässt und ohne rechtsstaatliche Wege wie zum Beispiel eine ordentliche Gerichtsverhandlung auskommt.

Für ein Interview zum Vorgang erklärte sich Herr Michel Franz, Prokurist bei Auto Saxe, bereit. Herr Michael Franz, Ihnen ist bei Auto Saxe ein Lehrling abhandengekommen. Wann war das und wie sind die näheren Umstände?

Am Dienstagvormittag, 5. September, waren auf einmal zwei Polizeibeamte mit Pistolen am Gürtel in unserer Werkstatt. Ich beobachtete das und begrüßte die beiden Herrn und fragte sie, was ihr Begehr sei. Daraufhin wurde mir geantwortet, dass man unseren Auszubildenden Dhruv Patel suchen würde, da gegen ihn jetzt Abschiebehaft verhängt worden wäre und sie die Aufgabe hätten, ihn abzuholen.

Daraufhin habe ich die beiden Beamten zu unserem Lehrling gebracht und sie haben ihm in einem sehr energischen Tonfall mitgeteilt, dass er nun sofort abgeschoben würde. Auf meine Frage hin, ob man das noch verhindern könne, teilten mir die beiden mit, dass man das nicht mehr verhindern könne und sie würden letztlich hier nur im Auftrag der Ausländerbehörde und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge handeln.

Um das einfach auszuschließen – es gibt auch keine Informationen darüber, ob seitens der Polizei etwas gegen Herrn Patel vorliegt?

Nein, dafür gibt es keinerlei Indizien. Die Beamten haben explizit geäußert, dass sie ihn mitnehmen, um ihn abzuschieben, da der Asylantrag negativ bescheinigt wurde (dennoch kann, wie hier vorliegend, eine Duldung ausgesprochen werden, d. Red.). Das ist der einzige Grund, was man uns auch auf mehrmalige Nachfragen hin mitgeteilt hat.

Was nahelegt, dass Ihr Lehrling nicht aus Deutschland stammt und dies der einzige Grund ist. Wer ist Dhruv Patel?

Dhruv Patel kommt aus Indien und ist 24 Jahre jung. Er hat bereits eine Ausbildung zum Ingenieur für Verfahrenstechnik in Indien abgeschlossen, nach Europa kam er über Paris. In Deutschland beantragte er Asyl und erhielt eine Duldung bis zum Jahr 2020. Nach einem verlängerten Praktikum bei Auto Saxe seit dem späten Frühjahr 2016, einem umfassenden Deutschkurs und einem Einstiegs-Qualifizierungsjahr ist er seit dem 1. August bei uns in einer Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker.

Bereit im Namen der 93 Mitarbeiter für ihren Lehrling zu kämpfen. Michael Franz, Prokurist bei Auto Saxe. Foto: L-IZ.de

Bereit im Namen der 93 Mitarbeiter für ihren Lehrling zu kämpfen. Michael Franz, Prokurist bei Auto Saxe. Foto: L-IZ.de

Wie haben Sie Herrn Patel kennengelernt?

Wir sind mit unserem Kollegen durch die Bundesagentur für Arbeit in Kontakt gekommen. Zu Beginn der stärkeren Flüchtlingszuwanderung haben wir dort als mittelständisches Unternehmen nachgefragt, welche KfZ-affinen Kandidaten es geben könnte. Die Bundesagentur hat dann eine Auswahl zusammengestellt, wir haben Praktika und Ausbildungsplätze angeboten. 15 Menschen waren dann in der engeren Auswahl, einige sprachen Englisch, andere ein paar Worte Deutsch oder es wurden Dolmetscher dazugeholt – und so haben wir dann letztlich Herrn Patel kennengelernt.

Man muss auch einfach dazusagen, in den ersten neun Monaten des Qualifizierungsjahres hat sich Dhruv Patel fachlich so weit entwickelt, dass er sogar gleich mit dem zweiten Ausbildungsjahr im Unternehmen und in der Berufsschule starten konnte. Auch natürlich, weil er daneben die Volkshochschule besuchte und jetzt ein sehr, sehr gutes Deutsch spricht.

Für Sie und „Auto Saxe“ als Arbeitgeber also seitens der Arbeitsagentur ein offizieller Vorgang und im Unternehmen eher schon ein mehr als idealer Verlauf. Die sogenannte „Bleibeperspektive“ ist demnach doch mehr als gegeben. Sie müssen doch davon ausgegangen sein, dass es gar nicht zu einer Abschiebung kommen kann?

Ja, wir sind fest davon ausgegangen, dass so eine Abschiebung überhaupt nicht passieren kann, vor allem nach dem Integrationsgesetz. Was die Regelung vorsieht, dass für mindestens die drei Jahre Ausbildung und nochmals zwei Jahre danach Bleibe- und Duldungsrecht gilt.

Man muss sich das alles auch mal aus Mitarbeiterperspektive hier vorstellen. Natürlich gab es anfangs auch Skepsis, weshalb ich zum Beginn auf die Werkstattmitarbeiter zugegangen bin und folgendes vereinbart habe: Wir schauen uns das jetzt drei Wochen an und danach möchte ich von Euch, also den Alt-Gesellen hören, ob das was wird.

Schon nach knapp zwei Wochen waren zwei Altgesellen bei mir und haben mir damals ganz klar gesagt „Das wird funktionieren, wir sind auf einem guten Weg, dass er einer von uns wird.“

Glücklich ist hier gerade niemand, man sei in "Schockstarre" im Autohaus Saxe am Sandberg 59. Foto: L-IZ.de

Glücklich ist hier gerade niemand, man sei in „Schockstarre“ im Autohaus Saxe am Sandberg 59. Foto: L-IZ.de

Also tatsächlich ein Idealzustand?

Ja, das kann man wirklich sagen. Auch was das ganze Drumherum betrifft, absolut engagiert, zuverlässig, freundlich; an Wochenenden und an Kundenabenden war Dhruv Patel immer freiwillig dabei und hat mitgeholfen, wenn es um Kundenwünsche ging. Er hat sich einfach hohe Sympathiewerte im Team erarbeitet.

Ich sag das jetzt einfach mal gerade heraus: So eine Einstellung erhoffen wir uns immer von den Azubis, die wir hier sonst einstellen. Und es ist auch einfach richtig: Wir haben Fachkräftemangel und wollen ausbilden. Im Fall von Herrn Patel sage ich Ihnen ganz klar: wir wollen ihn auch nach seiner Lehrzeit einstellen!

Was wissen Sie bislang über die Abläufe bei der Abschiebung – Ihnen sagte man doch noch, er käme in Abschiebehaft. Herr Patel ist aber bereits außer Landes?

Die beiden Beamten teilten mir nur mit, dass er jetzt in die Polizeidirektion Leipzig, in die Dimitroffstraße käme, mehr konnten die beiden Beamten mir auch nicht berichten. Er muss dann mittags dort angekommen sein und schon am Nachmittag haben wir gehört, dass er schon auf dem Weg nach Berlin sei. Am folgenden Morgen haben wir über Facebook erfahren, dass er in Katar zwischengelandet war und nun bereits auf dem Weg nach Neu-Dehli war.

Das ging alles rasend schnell. Dabei hat er auch darauf vertraut, dass er eine Duldung bis Januar 2020, also dem regulären Ende seiner Ausbildung in Deutschland hat. Weshalb er wohl auch darauf gebaut hat, was in seinem Pass stand, auch als sein Asylverfahren abschlägig beschieden wurde, hatte er ja noch seine Duldung.

Er hat bei seiner Verhaftung hier in der Werkstatt noch geäußert, dass es ein Missverständnis sein muss und dass er schnell wieder zurück wäre.

Eigentlich ein klassischer Fall für die Härtefallkommission, keinesfalls für eine Abschiebung, doch nun ist er einfach nicht mehr da.

Definitiv.

Wie ist der aktuelle Stand (Freitag, 8. September 2017)?

Wir haben natürlich noch am Dienstag versucht, mit anwaltlicher Unterstützung die Abschiebung zu verhindern, was ja dann letztlich aufgrund des extremen Tempos nicht mehr möglich war. Wir haben mit Herrn Patel per Whats-App und nun auch per E-Mail Kontakt und er hat unseren Anwälten eine Vollmacht erteilt, dass sie ihn in Deutschland vertreten können.

Der Ort, wo Dhruv Patel am Dienstag abgeholt wurde. Die Werkstatt von Auto Saxe. Foto: L-IZ.de

Der Ort, wo Dhruv Patel am Dienstag abgeholt wurde. Die Werkstatt von Auto Saxe. Foto: L-IZ.de

Er möchte demnach auch unbedingt zurück?

Ich habe gestern mit ihm per Whats-App telefoniert und er hat mir nochmals 1:1 gesagt, sein innigster Wunsch ist, nach Deutschland zurückzukehren und seine Ausbildung erfolgreich zu beenden. Ich solle alle Kollegen grüßen und er hofft weiterhin, dass er bald wieder in Leipzig ist.

Sie sind also aktuell mit weit mehr beschäftigt, als Autos zu verkaufen. Wie sehen derzeit die 93 Mitarbeiter im Autohaus diese ganze Sache?

Zuerst ist es so, dass die Kolleginnen und Kollegen genauso wie die Kunden, die zum Zeitpunkt der Verhaftung im Autohaus waren, sich wie in Schockstarre befanden. Ich habe am Mittwoch die komplette Mannschaft des Betriebes zusammengeholt und über den Vorgang und meine Versuche bei der BAMF, der Polizei, der Ausländerbehörde und den Sachstand berichtet.

Daraufhin hat einer unserer Mechaniker das Wort für die Belegschaft ergriffen und hat – was ich in den über zwei Jahrzehnten hier noch nicht erlebt habe – mir im Namen aller Kollegen den Auftrag erteilt, alles Irgendmögliche zu tun, um diese Abschiebung rückgängig zu machen.

Welche Chancen sehen Sie derzeit für die Rückkehr Ihres Lehrlings?

Also wir haben hier seine gesamte Akte vorliegen. Seine Krankenversicherungsunterlagen, seinen Ausbildungsvertrag, die „Passeinzugsquittung“, eine Kopie von seinem Reisepass, aus dem der Duldungsstatus hervorgeht.

Man hat ja folgendes mit Dhruv Patel gemacht. Man hat ihm zum gleichen Zeitpunkt, als man ihm die Duldung bis 2020 ausgesprochen hat, im Gegenzug seinen indischen Pass abgenommen. Man hat also mit ihm so eine Art Deal gemacht, dass er mit dieser Passabgabe die Duldung bekommt und seine Ausbildung machen kann. Zu vermuten ist, dass man bereits ab diesem Zeitpunkt seine Abschiebung vorbereitet hat.

Herr Patel muss dabei das Gefühl gehabt haben, dies wäre ein weiterer Schritt einer Legalisierung für ihn und wenigstens erst einmal seine Ausbildungszeit in Ihrem Unternehmen?

Absolut. Dazu passt ja auch, dass wir einen ganz normalen Ausbildungsvertrag mit ihm machen konnten, unterschrieben und gestempelt von der Handwerkskammer, nachdem diese auch nochmals alle Unterlagen geprüft hat.

Sie waren bereits beim Anwalt. Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Die Chance, die man jetzt hat, ist, mit einer Klage gegen die Ausländerbehörde binnen von 14 Tagen und in der Folge eine gegen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vorzugehen. Jetzt beantragen wir erst einmal Akteneinsicht.

Herr Patel hat darüber hinaus ja auch einen Ausbildungs- und damit einen gültigen Arbeitsvertrag. Gibt es einen Weg über normale Einwanderung?

Das ist sicher ein denkbarer Weg. Herr Patel ist bereits in Indien dabei, mit einem Anwalt bei der deutschen Botschaft vorsprechen zu wollen.

Haben wir etwas vergessen zu fragen, wozu Sie gern noch etwas sagen wollen?

Es bleibt ein absurder Fall und wir sind nach wie vor eigentlich noch immer in tiefer Schockstarre, wie so etwas überhaupt möglich sein kann. Das merke ich auch an der Reaktion unserer Mitarbeiter, die da wirklich so eine Solidargemeinschaft bilden. Es dürfen private Bilder für die Presse genutzt werden und es wird gemeinsam alles versucht, damit er seine Ausbildung hier fortsetzen kann.

Hinzu kommt einfach auch bei diesem „grauen Thema“ Flüchtlinge, dass hier natürlich auch allen klar geworden ist, dass es ganz anders, als so gern erzählt und positiv laufen kann. Seine ganze Einstellung und sein Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen, auch mit solchen – sagen wir mal urdeutschen – Werten wie Pünktlichkeit, Pausenzeiten (lacht) …

Sie haben ihren Prokuristen Franz beauftragt, alles für den Lehrling zu unternehmen. Die Werkstatt-Kollegen gemeinsam mit Dhruv Patel. Foto: Auto Saxe

Sie haben ihren Prokuristen Franz beauftragt, alles für den Lehrling zu unternehmen. Die Werkstatt-Kollegen gemeinsam mit Dhruv Patel. Foto: Auto Saxe

Wir haben einfach alle das sichere Gefühl, dass es hier um eine gelungene Integration geht. Er kam allein und hat nun sogar nach zwei Flüchtlingsunterkünften eine eigene Wohnung. Und mal unabhängig von uns als Unternehmen entsteht doch hier auch der Gesellschaft ein wirtschaftlicher Schaden! Er ist seit vier Wochen zur Fahrschule angemeldet, was wird denn jetzt mit der Wohnung?

Und noch mal: Für uns war ganz klar der Fahrplan, Dhruv Patel nach Abschluss seiner Lehre einen Arbeitsvertrag anzubieten und ihn auch dann weiterzubilden. Wir brauchen ihn hier, wir suchen händeringend Mechaniker.

Gut, dann haben wir doch noch eine Frage an Sie, als Prokurist eines Unternehmens mit 93 Angestellten. Wenn also so etwas möglich ist wie in diesem Fall, dann passt doch etwas beim Thema Fachkräftemangel nicht zusammen?

Natürlich nicht. Jetzt sind wir noch alle hier ziemlich konsterniert – aber in der Folge müssen wir uns natürlich auch fragen, wie gehen wir denn in der Folge mit dem Erlebten um? So gibt es jetzt schon viele Unternehmen, die gar nicht mehr ausbilden, weil die Qualität und Quantität der Bewerber leider unzureichend ist. Also lassen es viele gleich ganz.

Und nun müssen wir hier gegebenenfalls auch noch darüber nachdenken, ob es unter den jetzigen gesetzlichen Voraussetzungen eigentlich Sinn macht, in Ausbildung von Flüchtlingen zu investieren und weitere solche Projekte zu starten? Weil die Frage doch steht: Was hat es für einen Sinn, dass wir wieder Menschen finden, die ein Praktikum machen, die eine Ausbildung beginnen und die werden wieder abgeschoben?

Wir werden sicher auch da noch darüber nachdenken und versuchen, alle nochmals an einen Tisch zu bringen, um hier mal zu klären, wie uns Behörden und der Gesetzgeber einfach mehr Sicherheit geben können. Noch weniger nachvollziehbar ist doch, dass es scheinbar einfacher ist, hier einfach jemanden aus dem Ausbildungsbetrieb zu holen, während manche, die hier sogar kriminell werden, nicht abgeschoben werden?

In diesem Fall möchten wir Ihnen für das Gespräch danken und vor allem viel Kraft für die kommenden Schritte wünschen, um Ihren Kollegen wieder nach Leipzig zurückzuholen.

Update 11. September 2017: Nach bisherigen Informationen des Innenministeriums vom heutigen Tage ist der Grund für die urplötzliche Abschiebung, dass Herr Patel bei seinen persönlichen Daten falsche Angaben gemacht haben soll.

Auf Rückfrage an das Autohaus Saxe erklärte Michael Franz gegenüber L-IZ.de, dass man sich weiterhin bemüht, nun erst einmal die Herausgabe der Akte zu erwirken, um den Fall weiter zu prüfen. Am Wunsch, den Lehrling wieder ins Unternehmen zurückzuholen, haben die neuen Informationen derzeit nichts geändert, so Franz. Warum und was sein Lehrling falsch angegeben haben soll, weiß derzeit noch niemand.

In eigener Sache: Die Abo-Auktion geht allmählich zu Ende

 

AbschiebungAuto Saxe
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Auch Leipziger Wasserwerke schaffen ihr Jahresziel und ärgern sich trotzdem über sparsame Leipziger
Klärwerk im Rosental. Foto: KWL

Foto: KWL

Für alle LeserAuch die Kommunalen Wasserwerke Leipzig haben das Geschäftsjahr 2019 mit einem deutlichen Plus abgeschlossen. Auch wenn die Wasserwerker damit hadern, dass die Leipziger immer noch so wenig Wasser pro Kopf verbrauchen. Obwohl dieses Hadern überhaupt keinen Grund hat, denn auch das ziemlich wasserarme Jahr 2019 hat gezeigt, dass auch die Wasserwerke Leipzig die Wasserbereitstellung nicht einfach mal so aus der Hüfte erhöhen können.
Sächsische Arbeitsagentur versucht, Folgen der Umstellung auf E-Auto-Bau zu modellieren
Pkw-Produktion in Deutschland und weltweit. Grafik: Arbeitsagentur Sachsen / IAB

Grafik: Arbeitsagentur Sachsen / IAB

Für alle LeserEin paar Klicks genügen, und man ist mitten in den sächsischen Debatten um eine Krisenindustrie, die gerade die größte Transformation ihrer Geschichte vor sich hat: die Automobilindustrie. Im Januar und Februar diskutierten Wirtschaftskammern und Politiker heftig darüber, wie man den Strukturwandel im Automobilbau auffangen könnte. Da war von irgendwelchen Corona-Einschränkungen noch gar keine Rede. Die Autobauer sind nicht erst mit dem Export-Einbruch durch Corona in schweres Fahrwasser geraten.
Stadtwerke Leipzig haben 2019 ihr Ergebnis überraschend stark auf 67 Milionen Euro gesteigert
Das Kraftwerk der Stadtwerke Leipzig an der Eutritzscher Straße. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSo optimistisch klang ein Geschäftsbericht der Stadtwerke Leipzig seit Jahren nicht mehr. Nirgendwo war die Bremserpolitik einer von Fossilkonzernen getriebenen Bundes-Anti-Klimapolitik stärker zu spüren als in den Stadtwerken der Bundesrepublik. Viele hatten sich darauf verlassen, dass auch die Merkel-Regierungen die von Rot/Grün eingeleitete Energiewende fortsetzen würde, hatten sogar extra noch eigene Gaskraftwerke gebaut. Auch die Leipziger Stadtwerke wurden von dieser Politik für Kohlekonzerne ausgebremst.
Hot Club d’Allemagne legt nach zehn Jahren eine neue CD vor: Hot Club d’Allemagne
Hot Club d'Allemagne: Hot Club d'Allemagne. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDanach haben sich auch viele gesehnt im Corona-Shutdown: Einfach mal wieder abends in einer Bar sitzen dürfen, Gläschen oder Tässchen auf dem Tisch, entspannt zurückgelehnt und der Musik lauschen, die vier ambitionierte Herren im gedimmten Scheinwerferlicht machen – locker, zuweilen überschwänglich, herrlich beswingt und dennoch so, als würden sie so nebenbei ein paar fröhliche Lebensgeschichten erzählen. Das kann man jetzt tatsächlich haben – sogar daheim, abends, wenn man den Tag von sich abfließen lassen möchte.
QualityLand 1.1: Der erste Teil des Erfolgsromans von Marc-Uwe Kling als mitreißende Graphic Novel
Marc-Uwe Kling, Zachary Tallent: QualityLand, Band 1.1. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist eigentlich das Jahr von Marc-Uwe Kling. Aber dann kam Corona. Als die Verfilmung seiner „Känguru-Chroniken“ ins Kino kommen sollte, schlossen die Kinos. Und nicht nur die Känguru-Chroniken machen Furore (und finden auch trotz Corona zu Zuschauern und Lesern), sondern auch sein 2017 veröffentlichter Roman „QualityLand“, für den Kling just 2020 den Folgeband angekündigt hat. Wer „QualityLand“ noch nicht kennt, dem hilft jetzt der erste Comic dazu auf die Sprünge.
These #19: Der „aktivierende Sozialstaat“ grenzt insbesondere benachteiligte Menschen aus.
Kalender-These #19 – Juni 2020. Foto: MJA Leipzig e.V.

Foto: MJA Leipzig e.V.

Für alle LeserDamit gerade junge Menschen nicht am Verwaltungsdruck zerbrechen, brauchen sie Sicherheit und Förderung – um Selbsthilfepotenziale entdecken und nutzen zu können.
Interview: Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ erklärt seinen Protest gegen die Corona-Demos
Als Gegenprotest am 18. Mai 2020 auf dem Nikolaikirchhof versammelt - Leipzig nimmt Platz mit einer angemeldeten Kundgebung. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit 29. Mai im HandelSie kritisieren die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus, wähnen sich in einer Diktatur oder verbreiten antisemitische Verschwörungstheorie: Die auch in Leipzig seit Wochen andauernden Demonstrationen beinhalten viel Problematisches. Auch sind immer mehr Personen aus dem rechtsradikalen Spektrum dort anzutreffen. Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ ruft deshalb mittlerweile regelmäßig zum Protest gegen diese Veranstaltungen auf.
Keinen Kontakt, bitte! – RC Leipzig spielte seine beste Saison und ist trotzdem traurig.
Der RC Leipzig hofft auf Spendengelder. Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit 29. Mai im HandelRugby und Abstand halten ist wie Baden und trocken bleiben wollen. Oder anders formuliert: Wenn nicht mindestens zehn Spieler auf einem Haufen liegen, ist es kein Rugby. Zwinkersmiley. Wobei, eigentlich wäre eher der mit dem traurigen Gesicht angebracht, denn genau dieses körperbetonte Spiel ist in Corona-Zeiten absolut tabu. Beim Bundesligisten RC Leipzig herrscht dafür vollstes Verständnis. Traurig ist man an der Stahmelner Straße natürlich trotzdem.
LVB konnten ihre Linienerlöse trotz sinkender Fahrgastzahlen steigern
XL-Straßenbahn auf der Messekehre. Foto. Ralf Julke

Foto. Ralf Julke

Für alle LeserNicht nur die Leipziger Gruppe als Stadtholding legte in dieser Woche ihre Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vor. Auch die drei Tochterunternehmen legten ihre Zahlen vor. Und gerade bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) war eine gewisse Aufmerksamkeit sicher. Denn erstmals in den vergangen Jahren konnten die LVB ihre Erlöse nicht durch eine Fahrpreiserhöhung steigern.
Radweg am Connewitzer Kreuz: Die Litfaßsäule muss weg und an einer schrittweisen Lösung wird gearbeitet
Die aktuelle Lösung am Connewitzer Kreuz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserBeharrliches Nachfragen hilft. Denn manchmal reagiert die Stadtverwaltung dann doch ohne viel Federlesens, so wie am Connewitzer Kreuz, wo man den Corona-Shutdown nutzte, um wenigstens eine kleine Änderung an der Radwegeführung vorzunehmen: Gelb abmarkiert werden die Radfahrer/-innen vor dem Rewe-Supermarkt jetzt auf der Fahrbahn geführt. Ein Provisorium, wie das Dezernat Stadtentwicklung und Bau jetzt auch auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hin erklärt.
Fast 4.000 Mal ließ das Leipziger Ordnungsamt 2019 falsch geparkte Fahrzeuge abschleppen
Hier war es eine ausgeschilderte Baustelle, wegen der mehrere geparkte Fahrzeuge abgeschleppt wurden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDiese Geschichte bewegt die Leipziger nun schon seit Jahren. Denn mit dem zunehmenden Autobestand in Leipzig sind immer öfter auch Fußwege, Radwege und Kreuzungen zugeparkt. Und selbst die LVB-Fahrer verzweifeln zuweilen, weil rücksichtslose Autofahrer einfach die Gleise zuparken und damit den Straßenbahnbetrieb zum Erliegen bringen. Ein Thema, das sogar die Freibeuter-Fraktion im Stadtrat aufregte. Warum wird da nicht häufiger abgeschleppt, wollte die Fraktion schon im Februar wissen.
Der Stadtrat tagte: OBM-Vorschlag zum Neuzuschnitt der Verwaltung bekommt klare Mehrheit im Stadtrat + Video
Burkhard Jung in der Ratsversammlung am 28. Mai 2020. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, in der Fortsetzung der Stadtratssitzung vom 20. Mai in der Kongresshalle, wurde auch über die von OBM Burkhard Jung vorgeschlagene künftige Dezernatsstruktur im Rathaus abgestimmt. Im Herbst sollen ja vier Dezernatsleitungen neu besetzt werden. Dafür müssen im Sommer die Ausschreibungen raus. Die Gelegenheit will Jung nicht verpassen, um die neuen Bürgermeister/-innen auch schon passend zur neuen Dezernatsstruktur zu finden.
Heidelberg an einem Tag: Die Neckarstadt mit der berühmtesten Burgruine Deutschlands
Andrea Reidt: Heidelberg an einem Tag. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWohin fährt man eigentlich jetzt in den Urlaub, wenn so viele Urlaubsländer noch immer mit den Nachwirkungen von Corona zu kämpfen haben? Oder selbst dann, wenn sie wieder einladen wie Italien, dort aber mit einem riesigen Ansturm der befreiten Touristen zu rechnen ist? Vielleicht sollte man die seltene Chance nutzen, einige deutsche Städte zu besuchen, die sonst von ausländischen Besuchern überlaufen sind. Heidelberg zum Beispiel.
Pfingsten ohne Gruftis? Tag 4 – Das Darkstream Festival zeigt Düster-Pop aus Leipzig + Livestream
David Gray und "Kruppe" bei der gemeinsamen Moderation in der Moritzbastei. Screen Livestream

Screen Livestream

Für alle LeserPfingsten ohne ein schwarzes Leipzig? Geht gar nicht, waren sich Dave, Kruppe und Christian einig, als Corona mehr und mehr drohte, das 2020er „Wave-Gotik-Treffen“ zu kippen. Am Ende musste das WGT in diesem Jahr ausfallen, noch immer ist es nicht möglich, Konzerte durchzuführen. Dafür haben die drei mit weiteren Szenefreundinnen etwas auf die Beine gestellt, was sie selbst am Beginn nicht für möglich gehalten hätten. Das gesamte Pfingsten 2020 gibt es erstmals mit dem „Darkstream-Festival“ einen nahezu durchgehenden Livestream mit Moderation aus der Moritzbastei, Eindrücken aus Leipzig, über 60 Bands, DJs und Autorenlesungen.
Die ausgefallene Revolution: „Zeigt uns den Virus, dann zeigen wir unsere Masken“ + Videos
Die Ich-Perspektive - möge Angela Merkel langsam verrecken, weil das eigene Kind die Coronamaßnahmen erleben muss. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit Freitag, 29. Mai 2020 im HandelFür alle LeserNoch am Samstag, 16. Mai, freute man sich bei der „Bewegung Leipzig“ über einen neuen Zahlenrekord bei ihrer Kundgebung auf dem Leipziger Marktplatz. Rund 400 Teilnehmer waren gekommen, darunter auch einer der drei „Widerstand 2020“-Partei-Gründer und Leipziger Rechtsanwalt Ralf Ludwig. Was am letztlich geringen Interesse an seinem Redebeitrag und an der eher kleinen Kundgebungsbeteiligung selbst stutzig machte, war der Umstand, dass der „Widerstand 2020“ bis zu diesem Zeitpunkt über 100.000 Online-Parteieintritte ohne Mitgliedsbeitrag vermeldet hatte. Gigantische Zahlen einer Bewegung, deren Zeit gekommen schien und welche mehr bundesweite Parteimitglieder als bei B90/Die Grünen, Linke und AfD zusammen bedeutet hätten.