Wissen, was Meister Isegrim im Freistaat so treibt

Sachsen finanziert jedes Jahr ein professionelles Netzwerk zur Wolfsprävention und zur wissenschaftlichen Wolfsforschung

Für alle LeserBestimmt haben noch viele Ostsachsen die Bilder von lauter Schafskadavern vor Augen, die vor einem halben Jahr in diversen Zeitungen und Fernsehsendungen zu sehen waren. Die Wolfjäger machten mobil und malten das Bild eines durch nichts zu verschreckenden Raubtiers an die Wand. Da ging fast unter, dass Sachsen eigentlich ein funktionierendes Wolfsmanagement hat. Und der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Heinz hat sich jetzt aufgemacht, endlich einmal alle Zahlen zusammenzutragen.

Denn natürlich ist auch die CDU-Fraktion ratlos und ohne belastbare Antworten, wenn sie mit der Panikmache einiger Medien konfrontiert wird. Mehrere Landtagsanfragen hat Andreas Heinz, Sprecher für die Agrarpolitik in der CDU-Fraktion, nun gestellt. Und eine ganz direkt zu den Kosten für Untersuchungen/Forschungen seit Auftreten des Wolfes im Freistaat Sachsen.

Denn wenn scheinbar immer mehr Schafe vom „bösen Wolf“ gerissen werden, könnte das ja ziemlich teuer werden. Denkt man so.

Aber die Antwort zeigt, dass dem gar nicht so ist. Denn ein Viertel aller Anträge auf Schadensausgleich wegen Wolfsübergriffen werden abgelehnt. Einige wenige, weil der vermeintliche Wolf ein Hund war, aber die Mehrzahl aus einem Grund, der den Fokus direkt auf die Schafhalter lenkt: „Nichteinhaltung Mindestschutz“.

Denn auch in Sachsen ist klar definiert, wie ein Mindestschutz für die Schafherden gegen Wölfe aussehen muss. Und weil die Regierung weiß, dass sich viele Schafhalter die Schutzmaßnahmen eigentlich nicht leisten können, gibt es dafür auch eine offizielle Förderung von rund 300.000 Euro jedes Jahr.

Dass es 2017 in einigen Teilen der Lausitz so blutig zuging, hatte eindeutig mit der Nichteinhaltung der Mindestschutzauflagen zu tun. Die Summen, die der Staat dann also für den Schadensausgleich bezahlte, sind freilich nicht drastisch angestiegen. Bis zum Mai waren erst 13.600 Euro dafür ausgezahlt worden, auch wenn einige Fälle – so der zuständige Minister Thomas Schmidt (CDU) – noch in der Bearbeitung waren.

Zum Vergleich: 2016 waren fast 42.000 Euro Schadensausgleich bezahlt worden. Und das war die höchste Summe seit Einführung des Wolfsmanagements in Sachsen.

Dafür ist eine andere Summe deutlich gestiegen: die für die wissenschaftliche Begleitung. Denn jeder Wolfsbefund wird wissenschaftlich untersucht, jeder tot aufgefundene Wolf wird verpackt und zur Untersuchung nach Berlin gesandt. Und je mehr tote Wölfe auf diese Weise untersucht werden, umso teurer wird logischerweise die wissenschaftliche Betreuung.

Und genau diese Summe ist in den letzten Jahren auch deutlich angestiegen – von 122.000 Euro im Jahr 2015 auf 174.000 Euro im Jahr 2016 und dann satte 254.000 Euro im vergangenen Jahr. Immer öfter also bekommen es die Forscher mit beauftragten Befunden, aber auch mit getöteten Wölfen zu tun – denn während die Wolfsjäger via Medien scheinbar erst fordern, Wölfe müssten geschossen werden dürfen, greifen etliche Zeitgenossen längst schon eigenmächtig zum Gewehr und gehen auf Wolfsjagd. Was nicht heißt, dass alle toten Wölfe auf ihr Konto gehen – manche Wölfe sterben auch im Straßenverkehr.

Was sagt die Statistik also aus, die Andreas Heinz bekommen hat? Dass Sachsens Wolfsmanagement funktioniert.

Zu den beiden Ausgabeposten Schadensausgleich und wissenschaftliche Betreuung kommen noch zwei wichtige Posten, die oft vergessen werden: die Öffentlichkeitsarbeit, über die versucht wird, allen Bürgern wirklich fundiertes Wissen über die Wolfsvorkommen zu vermitteln. Das ließ sich der Freistaat im letzten Jahr fast 240.000 Euro kosten. Und genauso wichtig ist die Prävention, mit der versucht wird, Wolfsschäden möglichst vorzubeugen – 2017 mit fast 260.000 Euro gefördert.

Tatsächlich besitzt Sachsen eines der ältesten und erfahrensten Wolfsmanagements in Deutschland, das auch eine professionelle Arbeit vorweisen kann. Für all die Panikgeschichten insbesondere in Lausitzer Zeitungsausgaben gibt es überhaupt keinen Grund.

Aber Wolfgeschichten sind ja meist auch Ausweich-Geschichten. Wer über „böse Wölfe“ debattiert, diskutiert nicht über den überfälligen Strukturwandel und all das, was Sachsens ländliche Räume immer mehr veröden lässt.

Die Antwort auf die Anfrage von Andreas Heinz (CDU).

Wo Mindestschutz gegen Wölfe fehlt, gibt es auch keine Ausgleichszahlungen für Wolfsschäden

LausitzWölfe
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