Großer Hype, schwaches Spiel. Zlatan Ibrahimovic' Auftritt in Leipzig ist nicht von hoher Fußballkunst geprägt. Nur in zwei Szenen lässt der Weltstar seiner Kreativität freien Lauf. Die Tore beim 4:2 (1:2) der Rasenballer gegen Paris St.-Germain schossen andere.

35.796 Zuschauer sind gekommen, um Superstar Zlatan Ibrahimovic im Zentralstadion zaubern zu sehen. Der französische Meister bringt neben dem Schweden die Nationalspieler Javier Pastore, Marquinhos und Christophe Jallet mit nach “Klein-Paris”. Außerdem eine Riege hochkarätiger Talente.

RB-Coach Alexander Zorniger schickt zunächst eine Elf auf den Platz, die so auch beim Liga-Auftakt gegen Aalen (2.8.) zusammenspielen könnte. Die Rasenballer starten engagiert. Frahn, Boyd und Poulsen wirbeln durch die Pariser Abwehr. Die Franzosen bleiben cool. Chantome legt nach einem Lapsus der rot-weißen Hintermannschaft im Sechzehner quer auf Ongenda, der sofort draufhält. Coltorti wirft sich engagiert in die Schussbahn, kommt aber nicht mehr ans Leder (10.).

Die Leipziger spielen trotz Rückstand mutig nach vorn. Boyd kommt zu zwei guten Gelegenheiten (18., 20.). Gegenüber scheitert Ongenda diesmal aus kurzer Distanz an Coltorti (20.). Von Ibrahimovic’ Genialität ist lange nichts zu sehen. In der 23. Minute spielt der Schwede einen flachen Ball von halblinks aus gut 30 Metern in den Sechzehner. Dort freut sich Ongenda über das Spiel direkt in seine Laufbahn, kann aber nicht verwerten (23.).
Zwei Minuten später zahlt sich der Wille der Messestädter aus, als Boyd nach einem parierten Torschuss von Kimmich rotzfrech abstaubt (25.). Unglücklicherweise erlauben sich Defensive und Keeper gleich nach der Torfreude einen fatalen Fehler. Für Bahebecks 30-Meter-Schuss fühlt sich niemand so wirklich zuständig. Der Ball rutscht durch bis in die Maschen (27.).

Weil die Messestädter weiter Druck machen, gewinnt das Spiel kurz vor der Pause nochmal an Fahrt. Hoheneder köpft über das Pariser Tor (42.). Fast im Gegenzug überrollen die Pariser die RB-Verteidigung. Chantome findet im Strafraum Ibrahimovic. Coltorti pariert den Torschuss souverän (43.). Mit dem Halbzeit-Pfiff hat der Star des Abends seine Schuldigkeit getan. Terrence Boyd sichert sich das begehrte Trikot.

Zorniger bringt frische Spieler. Hoheneder, Kaiser und Poulsen machen zunächst weiter. Gut so. Nach Ecke von Jung köpft der Däne zum erneuten Ausgleich ein (50.). Die Rot-Weißen wirken auch im zweiten Durchgang mannschaftlich geschlossener als die Pariser B-Elf. Allerdings unterläuft auch der neuen Viererkette ein Fehler. Als die Gäste über die linke Seite angreifen, übersehen die Leipziger Ongenda, der sich über halbrechts im Strafraum freiläuft. Die abgebrühten Franzosen spielen quer, der Angreifer zieht ab, scheitert an Bellot (57.).
Mehr Erfolg hat Thomalla, vor dessen Füßen im Strafraum eine Kombination von Palacios und Demme landet. Keeper Douchez greift zum dritten Mal hinter sich (64.). Die Führung ist mittlerweile verdient, weil das Spiel von PSG ohne “Leitwolf” Ibrahimovic zunehmend an Blässe leidet.

Die Rot-Weißen machen seit der 60. Minute das Spiel, können nach Herzenslust kombinieren. Die Dunkelblauen reduzieren ihr Match auf notwendigen Minimalismus mit begrenztem Tor-Drang. Eine geschlagene Viertelstunde benötigen die Franzosen, um so etwas wie ein Lebenszeichen auszusenden. Ongendas Abschluss aus 20 Metern landet irgendwo in der Fankurve (72.). Dass Hierländer in der 76. Minute aus 30 Metern auf 4:2 erhöht, ist die logische Konsequenz aus der Pariser Passivität. Jetzt feiert das ganze Stadion.

In der Schlussphase fügen sich die Franzosen lustlos ihrem Schicksal. Fandrich zieht unbedrängt aus 25 Metern ab. Douchez fängt wie im Lehrbuch (84.). Gegenüber tritt Behebeck einen Freistoß aus aussichtsreicher Position halbherzig in die Mauer (86.). Die Leipziger gewinnen gegen Paris. Kein Sieg für die Geschichtsbücher, aber ein Achtungserfolg, der der Mannschaft einen Motivationsschub verleihen wird.
RB Leipzig:
1. Halbzeit:
Coltorti – Teigl, Hoheneder, Sebastian, Heidinger – Kimmich, Demme, Kaiser – Poulsen, Boyd, Frahn (C)

2. Halbzeit:
Bellot – Strauß, Hoheneder (81. Fandrich), Willers, Jung – Hierländer, Khedira, Kaiser (C) – Poulsen, Morys, Thomalla

Paris Saint-Germain:

Douchez – Jallet, Marquinhos, Camara (77. Doumbia), Kimpembe – Rabiot (66. Augustin) – Pastore, Chantome, Bahebeck – Ongenda (de Sa Pereira), Ibrahimovic (46. Bambock)

Schiedsrichter:
Felix-Benjamin Schwermer (Magdeburg)

Tore:
0:1 Ongenda (10.), 1:1 Boyd (25.), 1:2 Bahebeck (27.), 2:2 Poulsen (50.), 3:2 Thomalla (64.), 4:2 Hierländer (76.)

Zuschauer:
35.796

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