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Wenn der Neue nervt: Über den Umgang des Leipziger Fußballverbandes mit der Confederation of Football

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    Für FreikäuferLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausg. 62Im Juli hatte die LEIPZIGER ZEITUNG (Nr. 57) die Confederation of Football (CoF) vorgestellt. Mit diesem Anfang des Jahres in Leipzig gegründeten Verein wollen Präsident René Jacobi und seine Mitstreiter hauptsächlich im Amateurbereich „einen Gegenentwurf zu den aktuellen Verbandsstrukturen aufbauen, um Vereinen, Schiedsrichtern und Fans eine andere Art der Verbandsarbeit zu bieten.“ Entsprechend lautet das Credo der CoF: „Verband neu gedacht.“

    Das klingt erst mal interessant, stößt aber nicht überall auf Gegenliebe – vor allem nicht beim bestehenden Fußballverband Stadt Leipzig e.V. (FVSL). Kurz vor Weihnachten brennt daher sprichwörtlich der Baum – und außerdem ein Schiedsrichterausweis.

    Auslöser des Streits zwischen FVSL und CoF ist ein B-Jugend-Turnier, das die CoF zur Überbrückung der viermonatigen Winterpause ins Leben gerufen hat (CoF-Mini-Liga) und welches vom FVSL als „alternativer Spielbetrieb“ angesehen und abgelehnt wird. Wie und warum sich die Stimmung zwischen beiden Kontrahenten in den letzten Wochen ordentlich aufheizte, soll die folgende Chronologie der Ereignisse deutlich machen.

    Am 16. November fand der 8. Ordentliche Verbandstag des FVSL statt. Dort wurde der bisherige Präsident Dirk Majetschak in seinem Amt bestätigt. Nach der LZ vorliegenden Information thematisierte er im Rahmen seines Rechenschaftsberichtes auch die CoF und soll verkündet haben: „Dieser in Leipzig eingetragene Verein verstößt gegen die Satzungen und Ordnungen des DFB sowie gegen Gesetze.“

    Das sieht René Jacobi naturgemäß anders: „Dass die CoF nicht gegen die Satzung des DFB verstoßen kann, ist offensichtlich. Gegen die Satzung des DFB können ausschließlich Personen und Organisationen verstoßen, welche Teil des DFB sind. Da dies auf die CoF nicht zutrifft, ist diese Aussage ohne Basis.“ Ebenso sieht er seinen Verein nicht gegen Gesetze verstoßen, „da es hierfür keine rechtliche Regelung gibt.“ Im weiteren Verlauf des Verbandstages sollen den anwesenden Vereinen zudem vom FVSL harte Sanktionen angekündigt worden sein, sollten sie sich irgendwie an der CoF beteiligen (Name eines Zeugen liegt der LZ vor).

    CoF-Gründer René Jacobi (vorn). Foto: CONIFA
    CoF-Gründer René Jacobi (vorn). Foto: CONIFA

    Als am 25. November beim SV Lok Engelsdorf ein Spiel der A-Jugend über den Rasen geht, kriegt der Schiedsrichter spitz, dass parallel auf dem Gelände zudem eine Partie der CoF-Mini-Liga (B-Jugend) stattfindet. Der Referee meldet dieses Vorkommnis an den FVSL. Gleich am nächsten Tag (26.11.) telefoniert der Verband mit dem Engelsdorfer Fußball-Abteilungsleiter und droht schwere Konsequenzen an, sollte der Verein weiterhin an CoF-Veranstaltungen teilnehmen. Der FVSL kündigte zudem an, dass in einer Krisensitzung am 28. November weiter darüber beraten werden soll, wie mit der CoF und den Vereinen verfahren werden soll, die deren Angebot nutzen.

    Nach dieser Krisensitzung bekommt der VfB Zwenkau am 29. November Besuch vom Fußballverband, denn auch die Zwenkauer hatten mit ihrer B-Jugend am CoF-Mini-Turnier teilgenommen. Dem VfB wird ein Sportgerichtsverfahren angedroht, sollte er seine Teilnahme daran nicht beenden. Daraufhin meldete der Zwenkauer Verein seine B-Jugend umgehend aus der Mini-Liga ab.

    Direkt am nächsten Tag verschickte der FVSL an alle seine Mitgliedsvereine ein von Geschäftsführer Uwe Schlieder unterzeichnetes Rundschreiben (liegt der LZ vor), das explizit die CoF thematisiert. Darin heißt es unter anderem: „Im Rahmen unserer Satzungsaufgaben sind wir dazu aufgefordert vor einer Teilnahme an den Angeboten der CoF dringend abzuraten und die bereits teilnehmenden Vereine zur Einstellung des Spielbetriebs dort aufzufordern.“

    Begründet wird diese Aufforderung vor allem mit „ungeklärten Rechtsfragen“ und „mögliche(n) Konflikte(n) mit der Versicherung“. Weiterhin heißt es in dem Schreiben wörtlich: „Bei der CoF handelt es sich hier um keine mit dem FVSL abgesprochene Initiative. Dieser Verband ist weder bei der FIFA, UEFA, DFB, SFV oder FVSL angeschlossen. Er geht hier sogar weiter und lehnt in der eigenen Satzung gar ab, dass Mitglieder der CoF gleichzeitig Mitglieder in einem der vorgenannten offiziellen Fußballverbände sein können. Darüber hinaus ist dieser Verband kein Mitglied im Stadtsportbund Leipzig und Landessportbund Sachsen.“

    Die Antwort der CoF ließ keine 24 Stunden auf sich warten. Auf seiner Internetseite geht der Verein auf die vom FVSL dargelegten Kritikpunkte ein und stellt seine Sicht der Dinge dar – nachzulesen unter https://cof.one/de/antwort-zum-rundschreiben-des-fussballstadt-verbandes-leipzig. Konkret geht es dabei um die fünf Punkte „1. einen alternativen Fußballspielbetrieb zu etablieren, 2. Kein Versicherungsschutz über den Landessportbund, 3. Auswirkung auf Pachtverträge, 4. Auswirkung auf Fördermittelbescheide und 5. Verbot für CoF Mitglieder, auch Mitglieder der bestehenden Verbände zu sein.“

    Beendet war die Auseinandersetzung zwischen den beiden Verbänden damit allerdings nicht. So versuchte der SV Dölzig am 1. Dezember, für den nächsten Tag ein Freundschaftsspiel gegen die B-Jugend des SV Lok Engelsdorf ansetzen zu lassen. Dieses Vorhaben scheiterte LZ-Informationen zufolge am Veto des FVSL-Präsidenten Majetschak, der in diesem Zusammenhang mit dem Satz zitiert wird: „Ich werde niemals einen anderen Verband akzeptieren!“ Sowohl Dölzig als auch Engelsdorf hatten vorher am CoF-Turnier teilgenommen…

    Den Engelsdorfern droht zudem weiteres Ungemach. Ein D-Jugendteam soll für den Einsatz eines D2-Spielers, der einmal kurz in der D1 ausgeholfen hatte und die Wartefrist von 5 Tagen nicht erfüllte, mit einer Geldstrafe und mit Punktabzügen sanktioniert werden. Wie hoch diese Geldstrafe ausfällt, ist noch unklar. Die CoF vermutet hinter dieser Aktion eine Retourkutsche des FVSL wegen der Teilnahme der Engelsdorfer am CoF-Turnier.

    René Jacobi verbrennt in diesem Facebook-Video seinen Schiedsrichterausweis. Screenshot: Facebook (privat)
    René Jacobi verbrennt in diesem Facebook-Video seinen Schiedsrichterausweis. Screenshot: Facebook (privat)

    Für René Jacobi war das jedenfalls der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Auf seiner Facebook-Seite wendet sich der 34-Jährige am 5. Dezember mit einem emotionalen Schreiben öffentlich an den FVSL. „Wie erklärt ihr einem Kind, dass es nun dafür bestraft wird, weil es Fußball spielt?“, fragte er und weiter: „Wie wollt ihr Menschen für unseren Sport begeistern und Emotionen wecken, wenn ihr Menschen, egal welchen Alters, bei der Durchführung ihres Hobbys permanent Steine in den Weg legt?“

    Der Veröffentlichung hängt ein Video an, in welchem der ehrenamtliche Schiedsrichter seinen FVSL-Ausweis mit einem Feuerzeug anzündet und verbrennen lässt. „Hiermit lege ich mit sofortiger Wirkung mein Ehrenamt als Schiedsrichter nieder“, schreibt er dazu. „Der Grund ist, dass Eure Organisation, aus meiner Sicht, den Boden des menschlichen Anstands, der Fairness, des Respekts sowie dem sportlichen Wettkampf komplett verlassen hat.“ Sein Statement wurde in den folgenden zehn Tagen insgesamt 39 Mal geteilt, erhielt 61 Reaktionen und verzeichnete 47 Kommentare. Das dazugehörige Video wurde sogar 2.773 Mal angesehen.

    In der Kommentarleiste erhält Jacobi viel Zuspruch für sein Engagement. „Endlich spricht mal einer Klartext“, ist da zu lesen oder „Respekt für diese Worte“. Ein Follower hat den Post sogar zum Anlass genommen, ebenfalls sein Ehrenamt niederzulegen. „Meine Erfahrungen mit dem Verband sind dieselben. Man bekommt als Ehrenamtlicher vor allem viele Steine in den Weg und das erste was passiert ist immer eine Geldstrafe“, begründet er diesen Schritt.

    Für Jacobi bedeutet die Beendigung seiner FVSL-Schiedsrichtertätigkeit allerdings nicht, dass er sich aus dem Fußball komplett zurückzieht. Vielmehr will er die CoF weiter voranbringen und damit seine „Energie lieber in den Aufbau einer Organisation (…) stecken, welche den Namen Verband wirklich verdient. Eine Organisation in der tatsächlich die Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Ehrenamtliche im Fokus stehen und Funktionäre einzig und allein die Aufgabe haben, das bestmögliche Umfeld zu schaffen.“

    Die LEIPZIGER ZEITUNG (LZ) hat auch Uwe Schlieder – den Geschäftsführer vom Fußballverband Stadt Leipzig e.V. – zur Confederation of Football e.V. befragt. Das vollständige Interview finden Sie hier.

    Mehr Informationen:
    https://cof.one
    www.fussballverband-stadt-leipzig.de

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    Ich glaub‘, mich streift das Glück … Die Weihnachts-LZ ist da

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