Handball, DHB-Nationalmannschaft

All-Star-Game: Kritisierter Prokop steht zu seiner Philosophie

Für alle LeserDer in der Kritik stehende Bundestrainer Christian Prokop coachte am Freitagabend seine Nationalmannschaft im Event-Spiel gegen die Auswahl der besten internationalen Bundesliga-Profis. Ohne Verletzung hätte übrigens auch der Leipziger Franz Semper zu diesen gezählt. Dem Spiel ging eine Sitzung des Präsidiums des Deutschen Handballbundes voraus, bei der über Prokops Zukunft beraten wurde. Der Handballbund entschied, sich vier bis sechs Wochen für eine Analyse Zeit zu lassen, Prokop sagte, er wolle weiter die Nationalmannschaft zu Erfolgen führen. Auch er habe nicht alles richtig gemacht.

Viele überregionale Medien stellen Prokop derzeit wegen des Abschneidens bei der EM – das erste Turnier des ehemaligen SC DHfK-Trainers – an den Pranger. Bisher wurde dabei nie erwähnt, dass auch Heiner Brand – Kult-Trainer beim WM-Wintermärchen 2007 – Jahre brauchte, um Erfolg zu haben. Beim Spiel ging es, wie bei dieser Gelegenheit zu erwarten, einzig um den Spaß. Die Spieler versuchten sich an allerlei Trickwürfen – mit eingesprungener Drehung scheiterte allerdings Casper Ulrich Mortensen.

Dafür gelangen zahlreiche Kempa-Tricks, also Torwürfe, bei denen der finale Pass erst im Sprung gefangen wird. Am schönsten wirkten dabei die beiden Ausführungen von Linksaußen Mortensen auf Rechtsaußen Kristian Björnsen bei den internationalen Spielern und mit getauschten Positionen von Patrick Groetzki auf Uwe Gensheimer bei der DHB-Nationalmannschaft.

Nicht nur diese Anspiele quer über den Kreis zeigten, dass in der Abwehr dem Gegner freie Hand gelassen wurde. Auch die Schiedsrichter waren eher Statisten, außer sie spielten selbst mit. So in der 24. Minute, als der Schiedsrichter hinter der Torauslinie den Ball auf den einlaufenden Nationalspieler passte. Die Pfeifen blieben bis auf wenige Augenblicke stumm, und statt klarer Zwei-Minuten-Strafe gab es nur einen mahnenden Zeigefinger.

Dies alles konnte Christian Prokop weitestgehend mit einem Grinsen verfolgen, auch ihm war anzusehen, dass er nicht voll konzentriert zu Werke gehen musste. Die wichtigste Aufgabe beider Trainer blieb, im Auge zu haben, dass alle ihre Akteure auch Einsatzzeiten bekamen. Im DHB-Team wirkten drei Spieler des SC DHfK Leipzig mit: Philipp Weber, Bastian Roscheck und Maximilian Janke.

Im grünen DHfK-Trikot jubelten Janke, Weber und Roscheck (v.l.) schon oft gemeinsam - und spielen nun auch zusammen für das DHB-Team. Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Im grünen DHfK-Trikot jubelten Janke, Weber und Roscheck (v.l.) schon oft gemeinsam – und spielen nun auch zusammen für das DHB-Team. Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Beim Spiel ohne Regeln und Taktik stand es somit schon zur Pause 22:21 für die „Bad Boys“. Der weiterhin in Leipzig lebende Trainer sah dies mit Wohlwollen, an diesem Tag war dem akribischen Taktiker auch die Leistung seiner Abwehr einmal nicht wichtig. Zu Beginn der zweiten Halbzeit stand der Nationaltrainer auch für Fotos bereitwillig zur Verfügung und schrieb Autogramme.

Ein Zeichen dafür, dass er bei den Fans – zumindest an alter Wirkungsstätte – noch immer beliebt ist. Weitere Albernheiten sorgten für die Unterhaltung der Zuschauer, wie drei von der Siebenmeterlinie getretene Bälle mit beiden Schiedsrichtern im Tor. Diese positionierte sich Silvio Heinevetter mit dem Hintern in seine Richtung, hatte aber den Anstand, die Veranstaltung nicht ganz ins Lächerliche zu ziehen, in dem er über sie ins Tor schoss.

Dem Sport ist dennoch zu wünschen, dass im nächsten Jahr nicht versucht wird, dieses 60-minütige Äquivalent zum großen Schunkelfest der Volksmusik zu toppen. „Ein bisschen Spaß muss sein“, tönte es aus den Lautsprechern. Zumindest ein bisschen Ernsthaftigkeit allerdings auch, sonst wird selbst der Spaß nur eines: Langweilig. Ein Punkt, den einige Kollegen wahrscheinlich auch noch Christian Prokop ankreiden werden.

Maximilian Janke sagte in gewohnter Bescheidenheit: „Ich bin nicht der Spielertyp für die große Schau, aber in der Abwehr lässt man natürlich die Hände weg. Man will niemandem wehtun oder den Trickwurf versauen, von denen es vielleicht wirklich mehr gab als Standardwürfe“.

Dass die Allstars schließlich mit 39:43 gewannen, war aus sportlicher Sicht recht einerlei. Wichtiger waren dann noch Prokops Statements: „Meine Taktik bei der EM war keineswegs ein „Leipziger Weg“, sondern meine Philosophie, für die ich stehe. Wir haben die in der Vorbereitung gut umgesetzt und im Turnier dann nicht die volle Leistung abgerufen. Ich habe aber nicht ohne Grund einen langfristigen Vertrag unterschrieben, sondern weil ich eine Vision vom Handball habe. Die EM habe ich für mich schon einmal analysiert und sehe schon, dass ich während Auszeiten schon besser kommuniziert habe.“

Dies gelte in der Vorrunde für die Unzufriedenheit, die er zu viel an die Mannschaft weitergegeben habe, es sei vielleicht auch ein Aspekt von noch zu sammelnder internationaler Erfahrung. In der Hauptrunde habe er seine Ansprachen etwas überfrachtet. In „seiner“ ehemaligen Halle konnte er sich auf jeden Fall auf den Rückhalt der Fans verlassen.

Ein Zuschauer in Leipziger Trikot gab seiner Meinung mit einem „PROkop“-Plakat Ausdruck. Und auch Finn Lemke, als Abwehrchef der 2016er-Titel „Bad Boys“ zunächst bei der diesjährigen EM zu Hause gelassen, fand lobende Worte: „Christian ist unbestritten ein toller Trainer. Meinerseits ist das Verhältnis noch ein bisschen angespannt, aber es gibt da nichts, das wir nicht mit einer persönlichen Aussprache klären könnten.“

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Foto: Ralf Julke / Cover: Siedler Verlag

Für alle LeserEigentlich hätten wir an dieser Stelle auch einfach den Artikel von April 2017 noch einmal hochladen können. André Schollbach, Landtagsabgeordneter der Linken, wollte es unbedingt noch einmal wissen. Vielleicht interessierten sich ja doch noch ein paar Leute für die 2015 mit so viel Pomp veröffentlichten Tagebücher des ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf. Aber Oliver Schenk kann ihn nicht trösten.
Zahl der ankommenden Geflüchteten in Leipzig sinkt auch 2018 immer weiter
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Für alle Leser Es ist wie ein schlechter Refrain, den man sich seit 2015 immer wieder anhören muss: Deutschland würde die Zuwanderung nicht in den Griff bekommen, der Staat sei überfordert usw.. Als wenn noch immer so viele Menschen Zuflucht in Deutschland finden würden wie im einmaligen Jahr 2015. Aber selbst die Leipziger Zahlen zeigen, wie deutlich die Zahlen zurückgegangen sind.