Leichtathletik-WM: Wechselbad der Gefühle

Wenige Tage vor Beginn der Leichtathletik-WM in Moskau liegen bei den Leipziger Kandidaten Freude und Leid dicht beeinander. Während Roy Schmidt alle Hoffnungen auf einen Platz in der Sprintstaffel begraben musste, stellte Martin Keller mit 10,07 Sekunden eine fabelhafte deutsche Jahresbestzeit auf. Die Vorbereitung von Hürden-Crack Erik Balnuweit hingegen wird durch juristische Unruhe gestört. Sein Offenburger Kontrahent Matthias Bühler will gegen die Nominierung des Leipzigers klagen.
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Dass Erik Balnuweit in der zweiten Nominierungsrunde des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für das Moskau-Team doch noch berücksichtigt wurde, hatte ihn selbst ein wenig überrascht. Denn kein Deutscher hatte die im 110m-Hürdensprint geforderte A-Norm von 13,40 Sekunden geschafft. In diesem Fall hat der DLV aber das Recht, einen (!) Sportler, der zumindest die B-Norm (13,58 Sekunden) erbrachte, in den Kader aufzunehmen. Die Wahl fiel auf den international bereits mehrfach bewährten Balnuweit. Das allerdings brachte Konkurrent Matthias Bühler (Offenburg) auf die Palme. Er empfindet die Entscheidung des DLV als ungerecht, sieht sich selber als den besseren Kandidaten. Mit Hilfe von Sportanwalt Michael Lehner will sich Bühler nun gerichtlich ins WM-Team einklagen.

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L-IZ.de prüft die Faktenlage: Beide Sportler erfüllen einige der nötigen Kriterien aus den Nominierungsrichtlinien des Verbandes. So hat Erik Balnuweit in Sachen Bestzeit die Nase knapp vorn. Mit 13,44 Sekunden war er eine Hundertstel schneller als Bühler (Punkt Balnuweit, 1:0). Auch der Punkt in Sachen Leistungsstabilität geht an den LAZ-Athleten. Zur Bewertung wird hier die zweit- und drittbeste Zeit herangezogen (Punkt Balnuweit, 2:0). Als drittes prüft der DLV die Ergebnisse aus den direkten Vergleichen beider Läufer. Hierbei konnte Balnuweit zweimal triumphieren, Bühler aber dreimal (Punkt Bühler, 2:1). Soweit die Richtlinien.

Darüber hinaus schreiben wir Bühler den errungenen Deutschen Meistertitel gut (Punkt Bühler, 2:2). Wichtiges Kriterium scheint für den DLV allerdings auch die Platzierung des Athleten in der aktuellen Weltrangliste zu sein. Grund ist die zu erwartende internationale Konkurrenzfähigkeit. Da hat Erik Balnuweit mit dem 19. Platz als einziger Deutscher eine Position innerhalb der Top 20 inne. Dieser Fakt und die beiden diesjährigen internationalen Einsätze bei der Team-EM in Gateshead und der Universiade in Kazan geben einen Zusatzpunkt pro Balnuweit her. Endstand 3:2 – die Fakten sprechen also für Erik Balnuweit.

„Ich kann verstehen, dass Matthias emotional reagiert“, äußert sich Balnuweit gegenüber L-IZ.de, „aber Fairplay sollte dabei schon groß schrieben werden. Es ist unschön, wenn, über die Zeitungen ein Feindbild aufgebaut wird“. Badische Medien hatten orakelt, dass DLV-Chefcoach Idriss Gonschinska aus alter Leipziger Verbundenheit den LAZ-Mann bevorzugt haben könnte. Doch um gerade solchen Vorwürfen vorzubeugen, nimmt sich Gonschinska aus solchen Entscheidungen raus, wie Balnuweit erklärte. Außerdem ist zu lesen, dass Balnuweit möglicherweise bereits vorab über seine Nominierung Bescheid wusste und deshalb keine weiteren Versuche unternommen habe, die A-Norm vielleicht doch noch zu knacken. „Ich lasse mich davon nicht aus der Ruhe bringen“, wimmelt der Leipziger die Attacken ab. „Ich mache mein Zeug und bereite mich auf die WM vor“.
Für einen Paukenschlag mit Feuerwerk und Glitterregen sorgte LAZ-Sprinter Martin Keller. Bei der großen abschließenden Leistungsüberprüfung in Weinheim pulversierte er mit der Traum-Zeit von 10,07 Sekunden nicht nur seine persönliche 100m-Bestzeit (10,19 sek) sondern auch die aktuelle deutsche Jahresbestleistung (10,14 sek). Dabei kam er sogar bis auf einen Hauch an den inzwischen 28 Jahre alten deutschen Rekord (10,06 sek) von Frank Emmelmann heran. Diesen Speed nahmen er und seine Staffel-Kollegen Jakubczyk, Knipphals und Reus mit in den 4x100m-Wettbewerb, der nach nur 38,13 Sekunden ebenfalls in Jahresbestzeit (alt: 38,41 sek) endete. Mit diesem Wert liegt die deutsche Staffel aktuell nun auf Platz 3 der Weltrangliste. Appetit auf die Weltmeisterschaft ist jedenfalls schon mal gemacht.

Gern wäre auch Roy Schmidt in diesen „Deutschland-Express“ eingestiegen. Daraus wird nun nichts. Eigentlich hatte der DLV heute in Weinheim ein Entscheidungsrennen der vier Kandidaten für die zwei noch freien Plätze vorgesehen. Das fiel flach, denn der Weltverband IAAF benötigte die Namen der sechs Deutschen Teilnehmer schon eher. Damit werden die oben bereits erwähnten vier Sprinter um Matthias Lindner (Magdeburg) und Maximilian Kessler (Berlin) ergänzt. Für Roy Schmidt endete der Arbeitstag dennoch versöhnlich. Mit 10,37 und 10,33 Sekunden verbesserte er seine persönliche Bestzeit über 100 Meter gleich zweimal hintereinander.


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