David Storl: „Ich denke, das war ein solider Einstieg.“

Für alle LeserAn diesem Wochenende hätte eigentlich alles anders sein sollen. Ursprünglich stand die Deutsche Meisterschaft der Leichtathleten in Braunschweig auf dem Programm. Dort hätten auch die beiden SC DHfK-Kugelstoßer David Storl und Dennis Lewke beste Medaillenchancen gehabt. Doch da das Spektakel coronabedingt verschoben werden musste, luden sich die beiden Leipziger spontan ein paar mitteldeutsche Kollegen/-innen zum Trainingswettkampf auf die Nordanlage des Sportforums ein.

Insgesamt zehn Kugelstoßer/-innen im Altersbereich von U16 bis zu den Aktiven nutzten am Freitagnachmittag die Gelegenheit, um an ihrer Form zu feilen. Der zweimalige Weltmeister David Storl zeigte sich dabei in konstanter Verfassung. Seine vier gültigen Versuche landeten alle im Bereich zwischen 20,32 Meter und 20,45 Meter. Sein Vereinskamerad Dennis Lewke stieß die 7,26 Kilogramm schwere Kugel auf eine Maximalweite von 19,45 Meter, womit auch er durchaus zufrieden war.

Die sportlich spektakulärste Leistung jedoch zeigte Steven Richter vom LV 90 Erzgebirge. Der 17-Jährige ließ seine 5-Kilo-Kugel via Drehstoßtechnik auf 21,62 Meter fliegen. So weit war es für ihn vorher noch nie hinausgegangen, und zudem ist das eine absolute Weltspitzenleistung im Altersbereich U18. Leider kann die Weite keinen Eingang in die offiziellen Statistiken finden, da es sich in Leipzig „nur“ um einen Trainingswettkampf gehandelt hatte.

Um so viele Leichtathletik-Fans wie möglich an dieser nichtöffentlichen Veranstaltung teilhaben zu lassen, brachten Storl, Lewke & Co. einen Livestream auf den Weg, über den die knapp zweistündige Show im Internet verfolgt werden konnte. Bei dieser Gelegenheit wurde zudem um Spenden gebeten, die dem Nachwuchssport beim SC DHfK, der SG Olympia und der SG Motor Gohils-Nord zugute kommen sollen.

U18-Athlet Steven Richter (LV 90 Erzgebirge) überraschte mit einer absoluten Weltspitzenleistung. Foto: Jan Kaefer

U18-Athlet Steven Richter (LV 90 Erzgebirge) überraschte mit einer absoluten Weltspitzenleistung. Foto: Jan Kaefer

Wie der amtierende Deutsche Hallen-Meister David Storl den Trainingswettkampf einschätzt, verriet er der L-IZ im Interview:

David Storl, wie viel Wettkampf-Feeling war für Sie denn heute dabei?

Das ist eine ganz schwere Frage. Es war ein Trainingswettkampf, und natürlich fehlen die Zuschauer. Eine Stimmung wie bei den Kugelstoß-Meetings in Schönebeck, Halle oder Gotha kann man einfach nicht ersetzen. Da fehlt einfach der letzte Push. Aber die Veranstaltung hat mir dennoch sehr gut gefallen. Es war Training auf einem ansprechendem Niveau, und ich bin nach dieser langen Wettkampfpause auch mit meiner Leistung zufrieden. Ich denke, das war ein solider Einstieg, auf den man aufbauen kann.

Es stellt mich zufrieden, dass es ein relativ konstantes Niveau war und alle Stöße in einem ähnlichen Bereich waren. Auch die Technik war einigermaßen stabil. Denn wenn die vermeintliche Wettkampfspannung dazu kommt, neigt man zu leichten technischen Fehlern. Das war heute auch wieder so. Aber daran kann man arbeiten, und das entwickelt sich über die Wettkämpfe.

Hat Ihnen – nach der langen Verletzung im Vorjahr – diese coronabedingte Wettkampfpause körperlich vielleicht sogar gutgetan?

Die Wettkampfpause war gut, um zu trainieren und eine ordentliche Grundlage zu schaffen. Denn das hatte mir im letzten Jahr durch meine Verletzung einfach gefehlt, wäre aber für die – vermeintlichen – Olympischen Spiele sinnvoll gewesen. Deshalb bin ich mit der aktuellen Situation total zufrieden und schaue optimistisch nach vorn.

Den heutigen Trainingswettkampf hat eine Spendenaktion für den Nachwuchssport beim SC DHfK, der SG Olympia und der SG MoGoNo begleitet. Wie ist die Idee entstanden?

Am Anfang haben Dennis Lewke und ich gesagt, wir machen einen Trainingswettkampf im ganz kleinen Rahmen. Wir wollten einfach mal sehen, was man uns so abfordern kann. Das haben wir dann auch den Stützpunkten in Chemnitz und Halle angeboten, die dankend zugesagt haben. Und wenn dann noch ein paar Andere mitstoßen, ist die Atmosphäre natürlich gleich eine andere. Da dachten wir uns: Wenn die alle schon mal da sind, können wir auch einen Livestream anbieten.

Die Idee haben wir dann unseren Partnern im Verein vorgestellt, die das klasse fanden, denn dadurch würden Publikum und Reichweite erzeugt. Damit kann man auch einiges machen, was finanzielle Mittel angeht. Und in Leipzig gibt es viele Vereine, die finanziell bedürftig sind. Deshalb haben wir gesagt: Was wir hier einsammeln, spenden wir an drei Vereine hier in Leipzig und tun damit noch etwas Gutes für diejenigen, die es wirklich brauchen. Es soll auch keine einmalige Sache bleiben, denn ich denke, dass man so noch andere Leipziger Vereine unterstützen kann.

Dennis Lewke (SC DHfK) - der zweite Leipziger im Bunde - brachte es auf ordentliche 19,45 Meter. Foto: Jan Kaefer

Dennis Lewke (SC DHfK) – der zweite Leipziger im Bunde – brachte es auf ordentliche 19,45 Meter. Foto: Jan Kaefer

Der komplette Trainingswettkampf als Aufzeichnung:
https://youtu.be/S69fGe5n0YI

Die neue Leipziger Zeitung Nr. 79: Von Gier, Maßlosigkeit, Liebe und Homeschooling in Corona-Zeiten

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