Halbzeit zwischen den Messen: Ostdeutscher Maschinenbau mit guten Aussichten und drohendem Nachwuchsmangel

Die beiden großen Industriemessen intec und Z-Die Zuliefermesse finden erst im Februar 2013 wieder in Leipzig statt. 2012 ist Zwischenjahr, denn das Messe-Doppel findet seit 2009 im Zwei-Jahres-Rhythmus statt. Für die ostdeutschen Maschinenbauer war's jetzt trotzdem ein guter Zeitpunkt, Zwischenbilanz zu ziehen. Mit kleinem Rüffel gegen die wahrsagenden "Wirtschaftsexperten".
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Die haben sich in den letzten Tagen ein wahres Feuerwerk der Unkereinen geliefert. Einfach mal die Schlagzeilen des „Spiegel“ aufgelistet, ergibt es das Bild einer Zunft, die wie blind mit der Rute in die Zukunft hineinfuchtelt.

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Meistens ist der ganze Quark so zuverlässig wie das Rating einer US-amerikanischen Schönwetter-Agentur.

Manchmal stecken aber auch echte Befragungen dahinter. Kammern befragen ihre Mitglieder, fragen nach Geschäftslage, Auftragslage und Plänen zu Investitionen und Personal. In der Regel alle halben Jahre. Länger kann kein Unternehmen in die Zukunft blicken. Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat wieder seine Mitgliedsunternehmen befragt.

Ungeachtet der ins Stocken geratenen Weltwirtschaft und der Eurokrise hat sich der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau auch im vierten Quartal 2011 behauptet. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage unter den 350 Mitgliedern des VDMA-Landesverbandes Ost in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Viele in der Größenordnung 20, 30 Mitarbeiter. Die meisten hochspezialisiert. Sie bauen Maschinen für den Bergbau, Pumpen, landwirtschaftliche Geräte, Kompressoren, Motoren, Druck- und Werkzeugmaschinen. Ohne sie können die Großen gar keine Produktionsstrecke in Gang bringen. Manche erleben die Veränderungen auf dem Weltmarkt direkt mit – etwa die Hersteller von Druck- und Papiertechnik. Wenn überall auf der Erde die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften schmelzen, kaufen die Verlagshäuser logischerweise immer weniger Druckmaschinen.

Aber wenn weltweit die Suche nach seltenen Rohstoffen intensiviert wird, heißt das auch wieder: Mehr Aufträge für Fördertechnik und auch für Hütten- und Walzwerke. Maschinenbau ist nicht gleich Maschinenbau. Die Unternehmen müssen flexibel sein und in kurzer Zeit auf Markttrends reagieren können.

Andererseits ist der Maschinenbau in Deutschland stark vom Export abhängig. Die Maschinenbauer merken, wenn weltweit die Wirtschaft anzieht. Dann füllen sich die Auftragsbücher. In den Spitzenzeiten vor Ausbruch der Finanzkrise waren es 6,5 Monate. Der Ausbruch der Krise traf zwar auch die Maschinenbauer. Doch selbst 2009 rutschte die Auftragsreichweite nur kurz unter die 5-Monats-Marke. Denn Industrie ist eben doch nicht mit einem Warenhaus vergleichbar. Da gibt es keine Saisonverkäufe und kein Weihnachtsgeschäft. Die Anschaffung von Maschinen wird genauso langfristig kalkuliert wie die Produktion, die man mit ihnen absichern will.

Was nicht ausschließt, dass die Branche eben doch einem starken Wettbewerb ausgesetzt ist und mittlerweile auch selbst Lieferschwierigkeiten empfindet, weil auch die Maschinenbauer viele Komponenten und Materialien weltweit einkaufen müssen. Dazu kommt, dass die Kosten für Material, Rohstoffe und Energie seit Jahren kräftig steigen. Alles Aussagen, die die Unternehmen selbst getätigt haben. Doch geht man deutschlandweit für die Branche 2012 sogar von einem Wachstum von 4 Prozent aus.Das wird – mehr oder weniger – auch für den Ostverband zutreffen, der zwar nicht ganz so schwergewichtig wie die Verbände im Süden Deutschlands ist und auch nicht ganz so exportdominiert. „Aber in etwa wird der Wert auch für uns zutreffen“, sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des Branchenverbandes im Osten. Für viele Unternehmen war 2011 ein zufriedenstellendes Jahr. „Das Wachstumstempo hat sich in den vergangenen Monaten zwar zyklisch und damit erwartungsgemäß verlangsamt. Von einem Einbruch kann jedoch keine Rede sein. Vielmehr trotzt die Realwirtschaft der vermeintlichen Krisenstimmung“, sagt er ebenfalls.

Denn wer von einem sehr hohen Produktions- und Erwartungsniveau im Herbst 2011 kommt, der kann logischerweise nicht im nächsten Quartal wieder eine Schippe drauf tun. Erst recht nicht, wenn die Unternehmen noch immer zu über 90 Prozent ausgelastet sind. 93 Prozent waren es im dritten Quartal 2011, 91,4 Prozent im vierten. Umsatzrendite, Geschäftserwartungen und Personalplanungen zeigten sogar positive Trends. 25,4 Prozent der Unternehmen planen einen Personalzuwachs, nur 7,1 wollen Personal reduzieren. 67,5 Prozent wollen mit ihrer jetzigen Belegschaft weitermachen.

Leipzigs IHK-Präsident Wolfgang Topf erklärte erst am Dienstag recht launig, dass ein Unternehmer, der nicht in Panik verfallen wolle, überhaupt keine Medienerzeugnisse mehr konsumieren dürfe. Die sich täglich widersprechenden Nachrichten würden nur noch Verunsicherung erzeugen und niemandem helfen. Höchstens wohl jenen, die in Panik-Zeiten ihren Reibach machen. Zu viele Experten verderben jeden Brei.

Und die Maschinenbauer? – „In der Tat ist es so, dass die Medienberichte ein anderes Bild zeigen als die Branche“, sagt Pätz. Die Auftragsreichweite im ostdeutschen Maschinenbau liegt aktuell bei 5,2 Monaten. Bei 32 Prozent der Unternehmen ist der Auftragsbestand zum letzten Quartal sogar gewachsen, bei 26,4 Prozent gesunken. Die Investitionspläne sind nach der Delle von 2009 fast überall nach oben korrigiert worden – was ja aktuell auch die Bauwirtschaft zu spüren bekommt.

Und das eigentliche Problem, das auf alle Maschinenbauer zurollt, ist das des Nachwuchses. „Wir haben auch im Durchschnitt eine ältere Belegschaft als die Unternehmen im Westen“, so Pätz. Das heißt: Die „demografische Keule“ wird in den Unternehmen im Osten ein paar Jahre früher zuschlagen als in Bayern oder Baden-Württemberg. Was wieder heißt: Die ostdeutschen Maschinenbauer müssen jetzt Strategien entwickeln, um dem drohenden Engpass zu begegnen.

„Geld allein“, so Pätz, „wird das Problem nicht lösen.“ Obwohl einige Unternehmen wohl um spürbare Lohnerhöhungen nicht herumkommen werden. Wichtiger, so Pätz, seien verlässliche Rahmenbedingungen für die jungen Leute, die sie zum Dableiben bewegen. Feste Anstellungen zum Beispiel ohne Befristung – Grundlage für eine stabile Lebens- und Familienplanung. Regierungen in ostdeutschen Bundesländern, die da immer noch auf Zeitarbeit und flexible Anstellungsverhältnisse setzen, haben aus den letzten Jahren gar nichts gelernt.Und wer bei seinen so genannten Verwaltungsreformen, die in Sachsen ja derzeit als „Standortegesetz“ daherkommen, immer noch glaubt, er könne sich die Landesverwaltung durch Ausdünnen schönsparen, der hat nicht verstanden, wie wichtig funktionierende Infrastrukturen für Familien sind, um der heimischen Industrie den Nachwuchs zu sichern. Dazu gehören – wie Pätz betont – eben auch Schulen, Geschäfte, Kultur in erreichbarer Nähe. Und diese Nähe definiert sich nicht durch die Zahlenakrobatik, mit denen heillos überforderte Minister ihre „Landesentwicklungspläne“ begründen, sondern durch die ganz simplen Bauchentscheidungen junger Leute, wenn sie sich für einen Wohnort und einen Arbeitsplatz entscheiden – oder gegen einen.

20 Kilometer bis zur Schule? 30 Kilometer bis zum Kinderarzt? 10 Kilometer bis zum Supermarkt? 30 Kilometer bis zum Meldeamt? – Vergiss es! – Weg sind sie.

Für Unternehmen in derart infrastrukturell ausgedünnten Regionen wird der Kampf um den Nachwuchs besonders hart. Das hat alles nichts mit gut ausgebauten Autobahnzubringern zu tun. Wenn die Regionen selbst keine vollständig funktionierenden Infrastrukturen mehr besitzen, kann die Straße vierspurig ausgebaut sein – sie erzeugt keine wirtschaftlichen Effekte mehr. Außer den einen: Die jungen Leute sind noch schneller weg.

Aber Pätz äußerte das recht zurückhaltend. Vielleicht sollten Verbandssprecher in diesem Punkt deutlich lauter werden. Denn die anderen Instrumente, dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen, sind allesamt sehr begrenzt. Die Hälfte freilich ist weiterhin ein Vorwurf an Regierungen, die an der falschen Stelle sparen.

Pätz: „Wir können uns einfach keine jungen Menschen mehr leisten, die die Schule ohne Abschluss verlassen.“

Und auch an anderer Stelle wird schon seit Jahren unsinnig gespart: „Auch die hohe Zahl von Studienabbrechern können wir uns nicht leisten.“

Dringende Aufgabe: die Integration von länger Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt. Und eine Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte.

Dass ostdeutsche Landesregierungen derart hoffnungsselig auf Rückkehrer aus dem Westen hoffen, findet Pätz geradezu blauäugig. „Auch die im Westen haben ein demografisches Problem“, sagt er. Das heißt: Auch dort wird man die Anwerbung qualifizierten Personals weiter forcieren. Wer da mit Ostpäckchen auf Werbetour geht, macht sich tatsächlich nur lächerlich.

Oder um einmal den VDMA-Gesamtverband in seinem Positionspapier 2012 zu zitieren: „Dem Maschinen- und Anlagenbau steht ein bedrohlicher Engpass an hochqualifizierten Fachkräften bevor. Es bedarf daher großer Anstrengungen vieler gesellschaftlicher Akteure, um alle jungen Menschen berufsfähig zu machen. Dazu brauchen wir ein leistungsfähiges und lebensnahes Bildungssystem.“ Und das reicht selbst aus Sicht der Maschinenbauer von der frühkindlichen Bildung bis zum Eliminieren von Risikofaktoren im Ingenieurstudium.

Die Warnung ist deutlich genug. Jetzt braucht’s nur noch Hörgeräte für die verantwortlichen Politiker.

Die Maschinenbauer im Verbund mit der Leipziger Messe wollen jedenfalls alles versuchen, dem interessierten Nachwuchs den Weg in die erfolgreiche Branche schmackhaft zu machen. Spezielle Angebote für Studierende werden das Programm zu den beiden Messen intec (26. 2. – 1. 3. 2013) und Z – Die Zuliefermesse (26. 2. – 1. 3. 2013) bereichern. Die letzte Doppelveranstaltung 2011 war – so Markus Geisenberger, Geschäftsführer der Leipziger Messe – eine Rekordveranstaltung. Die Gespräche für das Messe-Doppel 2013 deuteten einen noch größeren Zuspruch der Aussteller an. „Das Messe-Doppel hat sich im Markt etabliert“, sagt Geisenberger. „Und wir werden künftig unsere guten Beziehungen zu Mittel- und Osteuropa noch stärker ausspielen.“

www.messe-intec.de

www.zuliefermesse.de

www.vdma.org


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© gemeinfrei

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