Der ungenutzte Bahnhof am Frachtflughafen Leipzig/Halle: Nu, irgendwann kommt schon ein Zug

Wenn es um Steuergelder geht, werden alle zu Weihnachtsmännern: Politiker, Unternehmer, Planer. Wahrscheinlich wird man in ein paar Jahren dann ähnliche Geschichten vom Berliner Großflughafen BER hören: Hier hat man noch eine Extra-Lounge eingebaut, weil sich das ein Beamter so wünschte, dort einen kleinen Swimmingpool und hinterm Haus noch einen Güterbahnhof, falls mal eine Fluggesellschaft auf die Idee kommen sollte, Päckchen vom Flugzeug auf den Güterzug umzuladen.
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Letzteres ist aber genau so am Flughafen Leipzig/Halle passiert. 32 Millionen Euro wurden 2007 in einen Frachtumschlagbahnhof am Flughafen investiert. Nicht einfach so. Man hat ja Fördergeldgeber. Der Freistaat steuerte 7,25 Millionen Euro bei, der Rest sind EFRE-Mittel, also Strukturfördermittel der EU, die den Aufholprozess ärmerer Regionen in der EU befördern sollen. 32 Millionen Euro – das ist eine Menge Geld. Davon hätte man in der Leipziger Regionalförderung sehr viele Dinge in Gang setzen können. Aus dem EFRE-Topf werden ja auch die Strukturförderungen in benachteiligten Stadtbezirken finanziert.

Aber in welch kläglichen Dimensionen, das zeigt diese Zahl: 4,45 Millionen Euro EFRE-Mittel bekam Leipzig für die Jahre 2009 bis 2012 für seine beiden Sorgenkinder Leipziger Osten und Leipziger Westen. Zusammen.

Bei den Planungen für die Start- und Landebahn Süd brachte man auch die Planung des Güterumschlagbahnhofs mit ein, weil das durchaus logisch klang: Wen sich größere Mengen leicht vom Flieger in den Zug umladen lassen und die Transportwege vorhanden sind, macht das Sinn. Aber jedes selbstverantwortliche Unternehmen kalkuliert dann trotzdem: Hab ich die nötigen Frachtmengen? Hab ich Einsparungen davon? Bekomme ich die 32 Millionen wieder rein binnen zehn Jahren?

Immerhin acht beladene Güterzüge sollten täglich vom Flughafen Leipzig/Halle fahren.

Doch die Startbahn Süd wurde ja nicht in wirtschaftlicher Eigenverantwortung gebaut. So wenig wie der ganze Flughafen. Man hat sie als Speckwürfel gedacht. Und DHL, der große Frachtflieger der Deutschen Post, freute sich über das opulente Speckangebot: eine neue Startbahn mit direktem Anschluss zu den Verladehangars, eine 24-stündige Betriebserlaubnis, niedrigste Start- und Landegebühren und das Angebot eines Güterbahnhofs direkt vor der Tür noch obendrauf – was will man mehr?DHL nahm das reich gespickte Angebot dankbar an, testete den Güterbahnhof auch gleich noch mit einer Frachtfahrt nach Frankfurt. Klappte prima. Das Angebot war erste Sahne. So wünscht man sich Einladungen bei großen Unternehmen.

Dass die EU mit solchen Förderungen die europäischen Länder und ihre Standorte auch noch gegeneinander ausspielte, hat in der Mega-Behörde wahrscheinlich noch niemand gemerkt. Und die Brüsseler, die die lauten Nachtfrachtflieger losgeworden sind, werden erst recht nichts verraten. Den Lärm haben ja jetzt die Leipziger. Den Frachtumschlagbahnhof am Flughafen noch dazu. Könnte ja sein, irgendein Frachtflugunternehmen entdeckt ja doch mal den Reiz, einzelne Frachten dann doch lieber auf die Schiene zu verlagern.

Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben. Die grüne Landtagsabgeordnete Gisela Kallenbach hat deshalb Anfang Juni noch einmal nachgefragt. Immerhin steigert ja der Flughafen Jahr um Jahr sein Frachtaufkommen, ist längst der zweitgrößte Frachtflughafen in Deutschland – hinter Frankfurt am Main, wo die Tagesfracht geflogen wird.

Bahn und DHL erklärten, ein Frachtumladen am Flughafen Leipzig/Halle lohne sich seit 2008 sowieso nicht mehr. Was man hier flöge, sei Expressgut. Das umzuladen aber mache keinen Sinn. Und gerade die Express-Frachtfliegerei habe man seit 2008 gesteigert, heißt es von DHL.

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Kallenbach fragte Sachsens aktuellen Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP), welche Rolle der Freistaat nun als wichtigster Gesellschafter spiele, um mehr Fracht aus dem Luftverkehr auf die Schiene zu lenken. Sie verwendet wirklich den Begriff „umweltfreundlichere Bahntransporte“. Aber Sven Morlok antwortet darauf gar nicht, erklärt aber, dass die EFRE-Förderung durchaus als rechtens anzusehen sei zur Anschubförderung solcher Projekte. Und in den Gremien der Mitteldeutschen Flughafen AG lasse man sich auch regelmäßig berichten.

Eine durchaus sprechende Antwort. Denn sie bedeutet eben auch, dass der Freistaat als Haupteigner nicht wirklich Einfluss auf die Dinge in der Mitteldeutschen Flughafen AG nimmt. Auch nicht, was die Nutzung des Verkehrsträgers Schiene betrifft. Das macht dann auch die Antwort auf die fünfte Frage deutlich, mit der Kallenbach den Widerspruch zwischen dem 2006 diagnostizierten Bedarf und der Realität des Jahres 2013 anspricht.

Der Minister: „Der im Jahr 2006 erwartete Bedarf trat bisher nicht ein. Das heißt nicht, dass er künftig nicht eintreten wird.“

Nu, das tröstet doch den besorgten Steuerzahler.

Die neuen Antworten aus dem Sächsischen Wirtschaftsministerium: http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=11902&dok_art=Drs&leg_per=5&pos_dok=2

Die erste Anfrage zum Frachtbahnhof: http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=11554&dok_art=Drs&leg_per=5&pos_dok=2


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