Lageeintrübung in der sächsischen Industrie macht auch Großhandel und Verkehrsgewerbe nervös

Für alle LeserDie lokalen Ergebnisse fehlen noch. Was die Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern im Freistaat Sachsen am heutigen Dienstag, 29. Oktober, zur Einschätzung der Wirtschaftslage in Sachsen meldet, sind die Gesamtergebnisse für die drei IHKs im Land. Regelmäßig werden die Unternehmen gefragt, wie sie ihre aktuelle Lage einschätzen und wie die nächste Zukunft. Und das große Fürchten, das über bundesweite Medien verbreitet wird, kommt logischerweise auch in den sächsischen Unternehmensleitstellen an.

Was die IHK-Arbeitsgemeinschaft dann logischerweise zu der Folgerung bringt: „Die sächsische Wirtschaft kann sich auch im Herbst 2019 nicht dem deutschen und globalen Trend entziehen und verliert weiter an Schwung. Sowohl die Einschätzungen zur Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate flauen deutlich ab. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern, an der sich 1.805 Unternehmen mit mehr als 105.000 Beschäftigten beteiligten. Der IHK-Geschäftsklimaindex fällt weiter von zuletzt 128 Punkten im Frühjahr 2019 auf jetzt 118 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit Herbst 2014.“

Was immer noch im positiven Bereich liegt. Aber die Aussichten haben sich eingetrübt, gerade in der Industrie, wo man die insbesondere durch Donald Trump ausgelösten Erdbeben im globalen Handel natürlich besonders früh spürt.

„Die Stimmung in der sächsischen Industrie befindet sich im Sinkflug. Der Saldo der Lageeinschätzungen geht seit dem Höchststand Anfang 2018 (65 Punkte) kontinuierlich zurück und beträgt aktuell nur noch 31 Punkte“, fassen die drei IHK das Lagebild in der Industrie zusammen.

„Dafür verantwortlich dürften vor allem die rückläufige Umsatz- und Ertragsentwicklung sowie geringere Auftragseingänge aus dem In- und Ausland sein. Wenig zuversichtlich ist die Industrie auch bei den Geschäftserwartungen. Der Saldo sinkt binnen Jahresfrist von 13 auf -10 Punkte. Damit sind die Industrieunternehmen im Branchenvergleich am pessimistischsten.“

Den eigentlichen Verursacher nennen sie freilich nicht. Denn Hauptbetroffener ist nun einmal der Automobilbau, dessen Absatzzahlen deutlich zurückgegangen sind. Und an den in Sachsen nun einmal dominierenden Autobauern hängen logischerweise alle möglichen Zulieferer und Dienstleister, die den Rückgang der Absätze dann auch als eigenen Auftragsrückgang bemerken.

Und folgerichtig zieht die Industrie mit diesen Abhängigkeiten auch andere Branchen nach unten, auch wenn es dort noch schnurrt.

Die Lage in den Branchen

Denn immer noch gut die Hälfte (53 Prozent) der sächsischen Unternehmen beurteilt ihre Geschäftslage als gut, während sie 10 Prozent als schlecht einschätzen. Der daraus resultierende Saldo fällt auf 43 Punkte (Herbst 2018: 58 Punkte). Ähnliche Dellen gab es auch schon zu Jahresbeginn 2013 und Jahresbeginn 2015. Jedes Mal hat sich die Wirtschaft wieder berappelt.

Für die nächsten zwölf Monate gehen 16 Prozent der Befragten von einer sich verbessernden Geschäftslage aus, 19 Prozent rechnen jedoch mit schlechteren Geschäften. Der Saldo der Erwartungen sinkt somit auf -3 Punkte (Herbst 2018: 12 Punkte) und liegt damit erstmals seit Jahresbeginn 2013 wieder im negativen Bereich.

Und während die Industrie tatsächlich mit sinkenden Auftragseingängen zu kämpfen hat, sind in anderen Branchen die Auftragsbücher tatsächlich noch voll, kommt man kaum mit der Arbeit hinterher. So wie in der voll ausgelasteten Bauwirtschaft.

Die Stimmung im Baugewerbe bleibt gut, obwohl die Lageeinschätzungen auf hohem Niveau leicht nachgeben. 70 Prozent der Bauunternehmen schätzen ihre Lage als gut ein. Beschäftigtenzahl, Umsätze, Auftragseingänge und Ertragsentwicklung sind per Saldo positiv, sinken jedoch im Vergleich zum Vorjahr. Die Geschäftserwartungen gehen überwiegend saisonal bedingt zurück, betonen die IHK. Denn klassischerweise kann im Winter im Freien nicht gebaut werden. Fast drei Viertel der Bauunternehmen freilich rechnen mit einer gleichbleibenden Situation, bessere oder schlechtere Entwicklungen halten sich die Waage. Der Fachkräftemangel behindert fast zwei Drittel der Bauunternehmen. Problematisch sind zudem steigende Rohstoffpreise.

Und ganz ähnlich das Lagebild in der Dienstleistungsbranche.

Sachsens Dienstleister sind noch gut gelaunt. Als einzige Branche können sie im Vergleich zum Frühjahr eine leicht gestiegene Lageeinschätzung vorweisen. Die Branche hat weiterhin Personal eingestellt, die Ertragsentwicklung blieb unverändert positiv. Umsätze und Auftragseingänge stiegen, jedoch weniger stark. Auch die Geschäftsprognosen für die kommenden zwölf Monate sind besser als bei den übrigen Branchen, wenngleich sie gegenüber der Vorbefragung leicht sinken. 18 Prozent erwarten bessere Geschäfte, 15 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Es wird weiterhin mit einem Anstieg bei Umsatz und Beschäftigung gerechnet. Der Fachkräftemangel wird mit 54 Prozent als größtes Geschäftsrisiko bewertet.

Rätselhaft freilich ist die Einschätzung einer anderen Branche: des Einzelhandels.

Wie 2018 rutschen die Lagebeurteilungen im Einzelhandel auch in diesem Herbst wieder etwas ab, obwohl im Jahresverlauf mehr Unternehmen Umsatzzuwächse verzeichneten als Umsatzrückgänge. Jedoch verschlechterte sich die Ertragsentwicklung und die Beschäftigtenzahl stagnierte zuletzt. Trotz des bevorstehenden Jahresendgeschäfts zeigen die Prognosen nach unten. Nur noch 12 Prozent glauben an eine Verbesserung, 19 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.

Und das hat handfeste Gründe. Denn völlig unreguliert macht der Online-Versand den stationären Anbietern zunehmend nicht nur Konkurrenz, sondern zerstört die Existenzgrundlage. Es ist nicht nur in Sachsen so, dass sich die Einkaufsstraßen in den Klein- und Mittelstädten entleert haben. Gegen das unregulierte Wachstum von Amazon & Co. können sich gerade kleine Einzelhändler nicht wehren. Aber auch die großen Ketten haben zunehmend damit zu kämpfen, dass sich die Deutschen ihre Einkäufe aus Bequemlichkeit immer öfter nach Hause schicken lassen.

Was übrigens auch einige fatale Folgen für die Umweltbelastung und für den Verkehr hat. Denn all diese mobilen Lieferanten sorgen auch längst in Leipzig dafür, dass täglich hunderte von Lieferfahrzeugen den engen Straßenraum zusätzlich belasten. Und die Umsätze und Gewinne verbleiben dann eben nicht in der Region, was den meisten Käufern scheinbar überhaupt nicht bewusst ist. Sie werden am Unternehmenssitz der großen Versender registriert.

Und so fasst auch die IHK zusammen: „Insbesondere wird mit weiter steigenden Online-Umsätzen zulasten der Umsätze im stationären Geschäft gerechnet. Trotzdem sollte es im stationären Einzelhandel zu einem leichten Beschäftigungszuwachs kommen.“

Zwei Branchen freilich sind direkt von der Entwicklung in der Industrie abhängig. Und auch da trübt sich die Stimmung ein.

Nach einer kurzen Erholung im Frühjahr ist die Stimmung im Großhandel derzeit wieder gedrückt. Obwohl die Umsatzentwicklung im positiven Bereich liegt und die Beschäftigtenzahl stieg, wird die Geschäftslage nur noch halb so gut bewertet wie in der Frühjahrsumfrage. Nach unten zeigt vor allem die Entwicklung der Erträge (-7 Punkte). Die Geschäftserwartungen sind ausgeglichen. Je 17 Prozent glauben an positive bzw. negative Veränderungen. Die Beschäftigtenzahl dürfte weiter steigen, wenn auch in geringerem Umfang als zuletzt.

Und einen deutlichen Gang zurück schaltet auch das Verkehrsgewerbe. Der Saldo der Lageeinschätzungen liegt mit 33 Punkten ganze 19 Punkte unter dem Vorjahreswert (52 Punkte). Die Salden der Umsätze und Auftragseingänge sind in den negativen Bereich gerutscht (-2 bzw. -11 Punkte). Die Beschäftigtenzahl blieb stabil. Die Prognosen fallen ebenfalls gedämpft aus. Nur 15 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, während ein Fünftel von einer Verschlechterung ausgeht. Insgesamt dürfte die Beschäftigtenzahl in der Branche etwa gleich bleiben.

Investition und Beschäftigung

Die verhaltenen Prognosen wirken sich auch auf die Investitionsneigung aus. Nur noch ein Fünftel der Unternehmen statt zuletzt ein Viertel plant steigende Investitionsausgaben. Jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) will seine Investitionen zurückfahren. 17 Prozent beabsichtigen binnen Jahresfrist überhaupt keine investiven Maßnahmen. Hauptmotiv für Investitionen bleibt mit Abstand die Ersatzbeschaffung (68 Prozent). Kostendruck dürfte ausschlaggebend dafür sein, dass Rationalisierung mit 33 Prozent als zweithäufigstes Motiv genannt wird.

Auch die Personalplanungen fallen im Vergleich zu den vorherigen Umfragen verhaltener aus. Zwei Drittel der sächsischen Unternehmen werden ihren Personalbestand in den kommenden zwölf Monaten voraussichtlich konstant halten, 18 Prozent planen einen Beschäftigtenzuwachs und 16 Prozent wollen ihre Mitarbeiterzahl reduzieren. Somit ist insgesamt mit einem merklich geringeren Beschäftigungszuwachs in der sächsischen Wirtschaft zu rechnen als in den vergangenen Jahren.

Was trotzdem weiter bedeutet, dass sich der Fachkräftemangel in vielen Bereichen nicht entspannen wird.

Und so bleibt der Fachkräftemangel mit 55 Prozent noch immer das am häufigsten genannte Geschäftsrisiko (Herbst 2018: 61 Prozent). Darüber hinaus bereiten knapp der Hälfte der Unternehmen (49 Prozent) die Arbeitskosten Sorgen (Herbst 2018: 47 Prozent). 44 Prozent befürchten eine sinkende Inlandsnachfrage (Herbst 2018: 32 Prozent), die im Risikoranking vor die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (40 Prozent) auf Rang drei vorrückt.

Leipzigs Wirtschaft schnurrt und Bau, Verkehr und Gastgewerbe haben Personalprobleme

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