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Leipzigs Grüne sehen gleich an drei Stellen am Ring dringenden Handlungsbedarf

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    Das Thema wird die Köpfe der Stadtplaner rauchen lassen. Das steht fest. Wenn der ÖPNV nicht kollabieren soll, braucht es neue Lösungen für den Innenstadtring. Ob er komplett autofrei werden muss, ist eine Frage, die die Zukunft stellen wird. Die Gegenwart aber erfordert Lösungen. Mindestens an drei Stellen sieht Daniel von der Heide, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Stadtrat, dringenden Handlungsbedarf.

    Die Vision, den Innenstadtring einmal autofrei zu gestalten, halten die Grünen für durchaus gerechtfertigt und überlegenswert. Dass zumindest in Workshops der Stadt mit Leipziger Architekten so gewagt gedacht wird, das stand kürzlich in der LVZ zu lesen. Nicht mit allen Implikationen, die heute schon nach einer dringenden Lösung schreien. Aber die verkehrspolitischen Sprecher der Stadtratsfraktionen wissen, worum es geht.

    In den vergangenen 15 Jahren hat sich der Ring zu einem Engpass entwickelt. Nicht so sehr für den Autoverkehr. Der landet dort tatsächlich nur, weil den Leipziger Verkehrsplanern einfach keine sinnvolle Lösung für die B 87 eingefallen ist. Wirklich zum Engpass geworden ist das komplett auf den Ring konzentrierte Straßenbahnnetz der Stadt. Der Stadtrat hat zwar (wahlweise) 23 oder 25 Prozent Anteil am Modal Split für den ÖPNV beschlossen. Aber die werden die LVB nie erreichen, wenn das Ringsystem nicht durchlässiger wird, die Bahnen ungehinderter fahren und die Haltestellen aufnahmefähiger werden.

    Besonders markant ist das Problem am Hauptbahnhof, wo man in Vorbereitung der WM 2006 eifrig Sand schippte, den Leipzigern aber eine Haltestelle andiente, die viel zu klein ist für eine Stadt mit 600.000 oder gar 700.000 Einwohnern. Und zumindest in den abgeschlossenen Beratungsrunden ist man sich dessen bewusst, dass der Leipziger Ring kollabiert, wenn der ÖPNV nicht deutlich aufgewertete Trassen bekommt.

    „Es gibt viele gute Gründe, jetzt mit entsprechenden Planungen zu beginnen“, erklärt Daniel von der Heide. Auch wenn es insgesamt vielleicht noch viele Jahre dauern werde, sollte man bereits jetzt bei der Umgestaltung betroffener Bereiche darauf Rücksicht nehmen.

    Bereits jetzt sind auch aus seiner Sicht die Verhältnisse am Hauptbahnhof für einen Ausbau des ÖPNV problematisch und für die (gefühlte) Sicherheit von Fahrgästen und Passanten katastrophal.

    „Ich wundere mich eigentlich jedes Mal, wenn ich am Hauptbahnhof ein- und aussteige, dass es nicht ständig zu Unfällen kommt. Planungen, den Willy-Brandt-Platz für den Autoverkehr zu sperren, könnten da eine Lösung der Probleme darstellen“, sagt er. (Auto-)Verkehrlich habe dieser Teil des Ringes eine eher nachrangige Bedeutung, während die Vorteile einer echten Platzlösung für Fußverkehr und ÖPNV riesig wären.

    „Es würde Platz geschaffen werden, um ein oder mehrere neue Gleise einzurichten, um das Nadelöhr für die LVB aufzuweiten. Taktverdichtungen bei der Straßenbahn sind aufgrund der Haltestelle Hauptbahnhof nur schwer einzurichten“, benennt er ein wesentliches Problem. Heute müssen Straßenbahnen oft minutenlang warten, bis sie überhaupt in die überlastete Haltestelle einfahren können.

    „Die Absperrungen zwischen Gleisen und Fahrbahn könnten abgebaut werden“, malt von der Heide die Vision aus, die Haltestelle in einen großen, autofreien Bahnhofsvorplatz zu integrieren. „Dadurch würde sich der Fußverkehr zwischen Innenstadt und Hauptbahnhof sowie von und zur Straßenbahn besser verteilen, anstatt sich auf zwei Ampelquerungen zu konzentrieren. Mindestens bei der Querung auf der Westseite kommt es regelmäßig zu brenzligen Situationen zwischen Fußverkehr und Straßenbahn. Zukünftig wird auch der Fernbusverkehr neben dem Hauptbahnhof abgewickelt, was weiteren Querungsverkehr zur Folge haben wird.“

    Auch an den anderen großen Plätzen werde die Notwendigkeit eines Umdenkens bei der Ring-Gestaltung durch Bautätigkeit zunehmen.

    „Die schwierigen Verhältnisse am Augustusplatzes werden immer wieder diskutiert, auch hier hilft nur eine große Lösung für die Umgestaltung. Der Umbau der Alten Hauptpost wird für mehr Querungsbedarf sorgen und die Notwendigkeit der Umgestaltung verstärken. Und wenn sich der Leuschner-Platz auch nur annähernd so entwickelt, wie von allen erhofft, wird auch dort der Bedarf für eine attraktive Verbindung zwischen Innenstadt und Leuschner-Platz wachsen“, benennt von der Heide die Themen, die jetzt schon nach einer frühzeitigen Lösung verlangen. „Das Konzept der autoarmen Innenstadt wurde auch über Jahre schrittweise umgesetzt mit dem Ergebnis, das die Leipziger Innenstadt boomt. Um Widerstände abzubauen und die Potenziale zu verdeutlichen, sollte die Stadtverwaltung schon jetzt Möglichkeiten schaffen, den Innenstadtring autofrei erlebbar zu machen – wie z. B. bei den Feierlichkeiten zum Lichtfest 2014.“

    Ein autofreier Sonntag wäre auch eine Idee. Und das Thema fehlender belastbarer Radtrassen steht auch noch im Raum. XY ist ungelöst. Die Zeit drängt.

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    3 KOMMENTARE

    1. Tunnelbau ? Oder so eine charmante Stadtbrücke wie in Halle? Tatsächlich braucht es da nicht nur Geld sondern vor allem gute Ideen. Bahnhof, Busbahnhof, Straßenbahn und S-Bahn sollen bis zur Innenstadt führen, aber nicht die Stadt in Ost- und Westbezirke zerteilen. Es gibt nur zwei Innenstadt-Passagen, die am Willy-Brandt-Platz und die am Wilhelm-Leuschner-Platz. Da sollte ein verkehrspoltischer Sprecher schon konkreter werden, als sich nur einen autofreien Ring zu wünschen. Er klemmt den Leipziger Osten ab.

    2. Wenn ich da an das finanzielle Desaster City-Tunnel denke … Ein Autotunnel müsste dann den City-Tunnel queren?

    3. Man könnte ja Tunnel bauen und die Autos dort fahren lassen. Dann können oben Straba, Radfahrer und Fußpänger entspannt verkehren… Kostet natürlich.

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