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Das 2017 beschlossene Pilotptojekt zum Freefloating wird es nicht geben, dafür mehr Stellplätze für stationäres Carsharing

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    Es war einen Versuch wert, als Leipzigs Dezernat Stadtentwicklung und Bau 2017 versuchte, in Leipzig ein Pilotprojekt für Freefloating-Anbieter zu starten. Freefloating bedeutet, dass die Fahrzeuge eines Carsharing-Anbieters keine festen Standorte mehr haben, sondern überall im Stadtgebiet auf normalen Stellplätzen abgestellt werden können. Im Oktober 2017 beschloss der Stadtrat die Vorlage. Und dann? Das wollte die Linksfraktion jetzt doch gern mal wissen.

    Denn tatsächlich startete Anfang 2018 nur einer ein Freefloating-Angebot in Leipzig: die Mobility Center GmbH, die in Leipzig schon mit dem stationären Angebot von „teilauto“ das Bedürfnis nach Carsharing bediente. Und dort sah man auch gar nicht ein, warum man sich von der Stadt regulieren lassen sollte, fühlte sich vom Stadtratsbeschluss sogar regelrecht übergangen als fest etablierter Anbieter, dem jetzt drohte – geradezu auf Einladung der Stadt – auch noch Konkurrenz vor die Nase gesetzt zu bekommen.

    Also startete die Mobility Center GmbH kurzerhand ihr eigenes Freefloating-Angebot mit 150 VW up. Und das, obwohl man dem Modell eigentlich skeptisch gegenüberstand. Man hätte sich von der Stadt lieber mehr Entgegenkommen beim Einrichten neuer Standorte gewünscht, denn eigentlich war überhaupt nicht klar, ob ein flexibles Angebot nicht auch noch den eh schon knappen Stellplatzraum in der Stadt beschneiden würde und die „Cityflitzer“ dann an Stellen geparkt würden, wo Parken schlicht verboten war.

    Aber augenscheinlich haben die auch für Leipziger Verhältnisse relativ kleinen Fahrzeuge kein Problem, eine Parklücke zu finden. Im Mai schaffte die Mobility Center GmbH 50 baugleiche Fahrzeuge des Modells Skoda Citigo an, um das Bereitstellungsgebiet noch einmal zu erweitern, und vermeldete mittlerweile 2.700 registrierte Nutzerinnen und Nutzer. Das „teilauto“-Angebot hat inzwischen 15.000 Leipziger Kunden.

    Das Angebot von Autos, die man eben nur für die Zeit ordert, in der man sie wirklich braucht, findet also Anklang in Leipzig. Auch ohne dass die Stadt für die Fahrzeuge – wie im Pilotprojekt geplant – pauschale Parkgebühren einsammelt.

    Da halfen dann auch die schmalzigen Worte nicht, mit denen das Pilotprojekt angepriesen wurde: „Leipzig ist eine wachsende Stadt. Um den Verkehr der Zukunft bewältigen zu können, sind neue Lösungsansätze und Mobilitätskonzepte erforderlich. Als eine neue Mobilitätsform gewinnen ,Sharingsysteme‘ schon jetzt zunehmend an Bedeutung. Dabei besteht ein grundsätzlicher Konsens zwischen Verkehrsplanern und der Politik (Bund, Freistaat Sachsen und Stadt Leipzig), dass Carsharing neben anderen verkehrspolitischen Maßnahmen ein geeigneter Lösungsansatz sein kann und aufgrund seiner positiven Effekte für die Stadt- und Verkehrsplanung gefördert werden soll. Positive Umwelt- und Klimaeffekte lassen sich in Kombination mit einer verstärkten Elektromobilität noch steigern.“

    Davon hat man in Leipzig mittlerweile viel zu viel gelesen und gehört, während die umweltfreundlichsten Verkehrsarten weiter auf Sparflamme gefahren werden. Und dass Freefloating wahrscheinlich nicht wirklich entlastend auf die Parksituation wirkt, hat selbst die Mobility Center GmbH schon festgestellt. Freefloating bringt in der Regel eben eingefleischte Autobesitzer nicht dazu, ihr Gefährt abzuschaffen. Und für die Absicherung etwa von täglichen Berufswegen ist es auch nicht geeignet.

    Aber was kam nun bei der Leipziger Ausschreibung heraus?

    Die Antworten sind ernüchternd.

    „Wie viele Anbieter haben sich für das Pilotprojekt beworben?“, fragte die Linksfraktion. Und: „Wie viele Verträge wurden abgeschlossen?“

    Die Antwort des Planungsdezernats: „Es sind von drei Unternehmen Interessensbekundungen zum Pilotprojekt eingegangen. Diese entsprachen jedoch nur zum Teil den in der Beschlussvorlage getroffenen Vorgaben der Stadt, sodass noch weitergehende Informationen angefordert und weitere konkrete Gespräche und Abstimmungen mit den Bewerbern geführt wurden, welche jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Abschluss von öffentlich-rechtlichen Verträgen zur Parkbevorrechtigung geführt haben.“

    Und: „Welche Bilanz kann seit 2017 gezogen werden? Welche Schwierigkeiten oder positiven Resultate gab es seitdem?“

    „Unabhängig vom Pilotprojekt und den damit verbundenen vertraglichen Regelungen zwischen den Carsharinganbietern und der Stadt, betreibt die Mobility Center GmbH unter der Marke ,Cityflitzer‘ ein freefloating-Angebot mit derzeit 200 Fahrzeugen. Jeder Nutzer muss sich hierbei an die üblichen Parkregularien halten und die einzelfallbezogenen Parkgebühren entrichten. Zielstellung der Stadt ist es jedoch nach wie vor, mit der Mobility Center GmbH eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung zur Parkbevorrechtigung im Rahmen des Pilotprojektes abzuschließen. Die Stadtverwaltung steht dazu in laufenden Gesprächen mit dem Anbieter“, meint das Dezernats, das also die Kontakte nicht wirklich abreißen lassen will.

    Denn auch beim zweiten Themenfeld heißt der Anbieter nun einmal Mobility Center GmbH. „Parallel dazu wird vordergründig der Ausbau des stationsbasierten Carsharingnetzes in Form von weiteren Mobilitätsstationen und Mobilpunkten vorangetrieben, da hier die Effekte hinsichtlich der Verkehrsmittelwahl und damit Stadt- und Umweltverträglichkeit nachhaltiger sind als bei freefloating-Systemen.“

    Das ist ein spätes Eingeständnis. Jetzt kann man gespannt sein, wie viel Platz sich für die neuen Stellflächen noch findet im Stadtgebiet.

    teilAuto stellt den Sinn von reinem Freefloating in Deutschlands Städten selbst infrage

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