Es scheint zu funktionieren, was sich Leipzigs Verwaltung da mit den E-Scooter-Genehmigungen in Leipzig ausgedacht hat: Seit dem 1. November 2021 dürfen zwei Anbieter E-Scooter in der Stadt verleihen. Aber die Nutzer müssen die Rolle auch wieder zu gekennzeichneten Stellplätzen zurückbringen. Und die CDU-Fraktion wollte jetzt gern ein erstes Zwischenfazit.

Wobei ein halbes Jahr – noch dazu das kalte Winterhalbjahr – nicht wirklich aussagekräftig ist, was den Erfolg des Leipziger Ansatzes betrifft, betont das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) jetzt in seiner Antwort auf die Anfrage der CDU-Fraktion: „Aufgrund des weiterhin andauernden Ausbaus des Stationsnetzes sowie des eingeschränkten Betriebes in den Wintermonaten, können bisher noch keine zuverlässigen Aussagen getroffen werden.“

Aber funktioniert das mit den Abstellflächen überhaupt, wollte die CDU-Fraktion wissen.

„Mit dem vorgegebenen stationsbasierten Vermietsystem blieben bisher die öffentlichen Flächen vom ‚wilden‘ Abstellen von E-Tretrollern verschont und Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern aus. Insofern sind die Erfahrungen seitens der Stadtverwaltung bisher durchweg positiv und gelten als Vorbild für viele andere Städte, welche über eine Abkehr von der free-floating-Praxis nachdenken“, teilt das VTA mit.

Und selbst wenn die Roller falsch abgestellt werden, reagieren die Anbieter augenscheinlich schnell: „Bisher wurden von der Stadtverwaltung 13 E-Tretroller außerhalb der dafür vorgesehenen Abstellflächen festgestellt. Diese vereinzelt falsch abgestellten Roller wurden innerhalb des vorgegebenen Zeitfensters von 12 Stunden durch die Betreiber mit elektrisch betriebenen Kraftfahrzeugen oder Lastenrad eingesammelt.“

Der Testbetrieb ist damit nicht beendet. Denn um wirklich verlässliche Ergebnisse zu bekommen, hat die Stadt den Testzeitraum bis 2024 festgelegt.

„Zur flächendeckenden Erschließung und Verknüpfung des E-Tretroller-Angebotes mit weiteren Mobilitätsangeboten wurden 2021 mehrere Arbeitspakete zur Einrichtung von Abstellflächen für E-Tretroller konzipiert. Innerhalb des Pilotbetriebes bis Ende März 2024 soll so sukzessive das stationsflexible Angebot von derzeit ca. 250 Rollern durch weitere Abstellflächen auf maximal 840 E-Tretroller erweitert werden“, kündigt das VTA an.

„In einem ersten Paket wurden die bestehenden Mobilitätsstationen um Abstellflächen für E-Tretroller erweitert, in einem zweiten Paket neue Mobilitätsstationen inkl. E-Tretroller errichtet, sodass zum offiziellen Betriebsstart am 1. November 2021 das neue Mobilitätsangebot an 35 Stationen verfügbar war. Einzelne weitere Stationen wurden inzwischen ergänzt bzw. werden derzeit errichtet. In Vorbereitung ist eine weitere Netzverdichtung mit 36 Flächen an Haltestellen (Paket 3, vorgesehen 2. Quartal 2022), sowie in Planung an 16 neuen Standorten multimodaler Mobilitätsstationen (Paket 4, 2021/22).“

Ob das reicht, zu wenig oder gar zu viel ist, werde man erst 2024 wissen, so das VTA. „Ein Rückbau einzelner Stationen ist zum aktuellen Stand nicht geplant, da alle Stationen hohe Nutzungszahlen vorweisen“, betont das Amt.

„Entsprechend der Konzeption haben die Betreiber Voi Technology und TIER Mobility auch zusätzliche Stationen außerhalb des öffentlichen Raums durch eigene Kooperationen oder Mietverträge errichtet. Aktuell führen beide Partner Gespräche, insbesondere mit Firmenketten, um weitere Stationen zu erschließen.“

Und Nutzer der Plattform LeipzigMOVE können wahrscheinlich „die Leipziger E-Roller im 4. Quartal 2022 über die LVB App LeipzigMOVE buchen und bezahlen“.

Wobei ja durchaus die Befürchtung im Raum stand, die Roller könnten, da sie ja nun im öffentlichen Raum herumstehen, auch Ziel von Vandalismus sein. Auch danach fragte die CDU-Fraktion.

Und so ganz ohne Konflikte erfolgte die Einführung eben doch nicht, bestätigt das VTA: „Nach Rückmeldung der Betreiber gab es in Leipzig bisher keine extremen Fälle von Vandalismus. Delikte wie der vereinzelte Diebstahl und die Demontage von E-Rollern, das Besprühen mit Farbe sowie das Umstellen und/oder Verstecken von E-Rollern sind registrierte Vorkommnisse, die dem Ordnungsamt und der Polizei gemeldet wurden. Zusätzlich zu den Vandalismusfällen wurde ein Fahrer während eines nächtlichen Batteriewechsels mit einer Glasflasche angegriffen und am Kopf verletzt.“

Und wenn die Roller nicht mutwillig zerstört werden, sollen sie – so teilen die Betreiberfirmen mit – drei bis fünf Jahre halten, „regelmäßige Wartungen und Reparaturen vorausgesetzt.“

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