Wem gehört die Nacht in Leipzig? Das ist keine ganz unwichtige Frage. Denn manche Leipziger/-innen vermeiden es lieber, in den Abend- und Nachtstunden in der Stadt unterwegs zu sein. Das betrifft vor allem Frauen. Das war vor einem Jahr schon einmal Thema im Leipziger Stadtrat, als eine Petition dazu zum Aufruf kam und letztlich zu einem Handlungsauftrag für die Verwaltung wurde.
Denn ein wenig mehr Sicherheit gerade für den Heimweg könnte es ja geben, wenn es entsprechend sensibilisierte Angebote bei Taxis und im ÖPNV gäbe. Katharina Krefft fragte zur Ratsversammlung am 30. September nach, was aus dem Auftrag eigentlich geworden ist.
Das Ergebnis war schon in der schriftlichen Antwort des Ordnungsamtes recht ernüchternd. Gespräche mit dem Leipziger Taxigewerbe habe es zwar gegeben. Aber die Taxiunternehmen meldeten ein nicht ganz unwichtiges Problem zurück: Es gäbe nicht genug Fahrerinnen, um dieses Angebot auszubauen.
„Die großen städtischen Funkzentralen bleiben weiterhin sensibilisiert und streben bei von Frauen geäußerten Sicherheitsbedenken in Bezug auf bestellte Taxen die Bereitstellung von Fahrzeugen mit weiblichem Fahrpersonal an“, so das Ordnungsamt in seiner Antwort.
„Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Nachfrage in den vergangenen Jahren sehr gering war. Weiterhin ist ein Defizit an Fahrerinnen zu verzeichnen. Zu diesem Thema wird das Ordnungsamt in regelmäßigen Gesprächen mit den Vertretern des Taxigewerbes weiterhin sensibilisieren und verstärkt auf die freiwillige sowie eigenverantwortliche Umsetzung der Maßnahme zur Erhöhung der Mobilität und Sicherheit von Frauen in Leipzig dringen.“
Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal bestätigte am 30. September auf Nachfrage von Katharina Krefft, dass der Stadt keine andere Option offen bleibt, als die Taxiunternehmen zu sensibilisieren und sie dazu zu bringen, dass die vor allem männlichen Fahrer entsprechende Awareness-Kurse besuchen, also lernen, mit besonders gefährdeten Fahrgästen auch entspreched sensibel umgehen zu können.

Die problematische Haushaltlage
Es gibt zwar in anderen Großstädten schon entsprechende besondere Frauen-Taxis. Die Stadt habe sich diese Beispiele tatsächlich angeschaut, Ordnungsbürgermeister Rosenthal. Aber auch deren Umsetzung beinhaltet ein Problem, wie das Ordnungsamt feststellte: „Auswertungen von Positivbeispielen aus anderen Städten zeigen zwar eine große Akzeptanz solcher Maßnahmen bei der Zielgruppe, jedoch stellt die Finanzierung von Frauen-Taxis bei der aktuellen Haushaltslage der Kommunen eine Herausforderung dar. Eine Aussage zur städtischen Finanzierbarkeit ist im Hinblick auf die nicht genau prognostizierbaren und nur begrenzt messbaren Effekte der Maßnahme nicht möglich.“
Womit sich die Katze natürlich in den Schwanz beißt, wenn gerade Frauen das Leipziger Nachtleben wegen des Fehlens eines Frauen- oder FLINTA*-Taxis meiden, ihre Nachfrage also logischerweise gering ist. Die im November 2025 behandelte Petition zielte ja gerade darauf, so ein wahrnehmbares Angebot zu schaffen, damit der gefährdete Personenkreis sich auf ein solches Angebot auch verlassen kann.
Nur kostet das eben auch Geld, das Leipzig im derzeitigen demolierten Haushalt nicht darstellen kann.
Etwas mehr Sicherheit im ÖPNV
Bleiben noch die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB). Und zumindest dort tut sich etwas, wie die Verwaltung schon im Juni durchblicken ließ.
„Ein erster Zwischenstand wurde dem Stadtrat am 27.04.2026 mit dem Vermerk ‚in Arbeit‘ vorgelegt“, gingen die Grünen in ihrer Anfrage auf diesen Zwischenstand ein. „Die Stadtverwaltung setzt dabei ab Dezember 2026 auf ‚kürzere Wartezeiten beim Umsteigen, verlässliche Anschlüsse und dichtere Takte in den Nachtstunden (…). Der verstärkte Einsatz von Straßenbahnen bietet dabei mehr Raum und Abstandsmöglichkeiten als die bisherigen Nachtbusse.’
Weiterhin heißt es: „Das zentrale Anliegen Sicherheit im ÖPNV für alle Fahrgäste der LVB ist bei den Leipziger Verkehrsbetrieben integraler Bestandteil aller Projekte, Maßnahmen und operativen Abläufe. Aus diesem Grund arbeiten die LVB derzeit in Abstimmung mit anderen Verkehrsunternehmen, die Sicherheitsdienste bereits erfolgreich eingesetzt haben, an einem neuen Konzept. Dieses soll die Sicherheit aller Fahrgäste durch zusätzlich eingesetztes Sicherheitspersonal weiter erhöhen. Es ist geplant, dies im 4. Quartal im Rahmen eines 1-jährigen Pilotprojektes umzusetzen und anhand definierter Ziele auf deren Wirksamkeit zu testen.”
Dazu wollte Katharina Krefft am 30. September dann Genaueres wissen. Denn das Ordnungsamt hatte sich in seiner Antwort wieder denkbar knapp gehalten: „Unabhängig davon ist vorgesehen, ausschließlich Personal einzusetzen, das über die für den Umgang mit Fahrgästen erforderlichen fachlichen und sozialen Kompetenzen verfügt.
Dazu gehören insbesondere Schulungen zu kundenorientierter Kommunikation, Deeskalation sowie dem sensiblen Umgang mit unterschiedlichen Personengruppen und Sicherheitslagen. Dabei wird auch berücksichtigt, dass das eingesetzte Personal für ein diskriminierungsfreies, respektvolles und situationsgerechtes Handeln gegenüber allen Fahrgästen sensibilisiert ist.
Die konkreten Einsatzschwerpunkte und organisatorischen Rahmenbedingungen des Pilotprojektes werden im Zuge der laufenden Vergabe abschließend festgelegt. Ziel ist es, die subjektive und objektive Sicherheit aller Fahrgäste zu stärken und die Mitarbeitenden der LVB bei besonderen Situationen zu unterstützen.“
Wie genau das aussehen soll, würden die LVB dann im 4. Quartal vorstellen, erfuhr Grünen-Stadträtin Nicole Schreyer-Krieg dann auf Nachfrage von Heiko Rosenthal. Es könnte die Heimkehr für etliche Leipzigerinnen und Leipziger etwas sicherer machen, die jetzt das Leipziger Nachtleben lieber meiden.
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