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Montag, 18. Januar 2021

Umweltinstitut München: Pestizide aus Südtirol belasten die Luft auch in benachbarten Gemeinden in der Schweiz

Von Redaktion

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    Am 29. September sorgte eine Studie des Umweltinstituts München für Aufmerksamkeit, die zeigte, dass die in der Landwirtschaft verwendeten Pestizide nicht einfach auf den Feldern bleiben, sondern durch den Wind kilometerweit getragen werden und auch mitten in Naturschutzgebieten, in Großstadtbereichen (auch in Leipzig) oder gar auf dem Brocken nachgewiesen werden können. Da überrascht es auch nicht, dass die Pestizide aus Südtirol sogar bis in die benachbarte Schweiz ziehen.

    Pestizide aus der Landwirtschaft können sich unkontrolliert über die Luft verbreiten, zum Teil über viele Kilometer hinweg. Mit einer jetzt vom Graubündner Amt für Natur und Umwelt (ANU) veröffentlichten Messreihe aus dem Jahr 2019 konnte das Umweltinstitut München nachweisen, dass Pestizide aus dem Südtiroler Obstbau bis in das angrenzende Schweizer Münstertal verfrachtet werden. Die Untersuchung wurde vom ANU beauftragt, nachdem das Umweltinstitut bereits 2018 in der Südtiroler Obstbauregion Vinschgau Pestizidrückstände in der Luft gemessen hatte.

    „Wir konnten im Schweizer Teil des Münstertals Wirkstoffe finden, die dort nicht eingesetzt werden. Die Funde stimmen außerdem zeitlich mit denen überein, die wir im Vinschgau nachgewiesen haben“, erklärt Karl Bär, Referent für Agrarpolitik beim Umweltinstitut und Leiter der Messreihe im Auftrag des ANU. „Wir können also davon ausgehen, dass Pestizide aus dem intensiven Obstanbau in Südtirol über viele Kilometer hinweg bis ins schweizerische Münstertal verfrachtet werden. Unsere Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass die EU bei der Zulassung von Pestiziden unrealistische Annahmen über deren Verbreitung durch die Luft macht.“

    Bei den Zulassungsverfahren der Pestizide wird häufig angenommen, dass keine oder nur eine vernachlässigbare Verbreitung der Wirkstoffe über die Luft stattfindet. Doch sogar in acht Kilometer Entfernung zur nächsten Obstplantage konnten aber noch Pestizide aus dem Obstbau gefunden werden.

    Wie wurde gemessen?

    Die Standorte für die Messungen im Münstertal wurden in unterschiedlicher Entfernung zu den Obstplantagen im Vinschgau gewählt. Der obere und größere Teil des Münstertals liegt in der Schweiz, der tiefer liegende Teil dagegen gehört zur italienischen Provinz Südtirol. Der gesamte Schweizer Teil des Tals ist ein Naturpark, die Biosfera Val Müstair. Etwa 80 Prozent der dort ansässigen landwirtschaftlichen Betriebe arbeiten nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus. Für die Untersuchung standen im Münstertal von April bis November 2019 an drei Standorten insgesamt sechs Passivsammler.

    Mit den Sammlern wurde nach 29 verschiedenen Wirkstoffen gesucht, darunter jene, die das Umweltinstitut 2018 in Südtirol nachweisen konnte. Es wurden außerdem einige für den Getreideanbau typische Wirkstoffe gefunden, die auch im Schweizer Münstertal eingesetzt werden. Insgesamt konnten in den Sammelmedien zehn verschiedene Pestizidwirkstoffe nachgewiesen werden. Darunter waren auch in hohem Maße gesundheitsgefährdende Stoffe wie Captan und Phosmet. Je weiter der Standort vom Südtiroler Teil des Münstertals entfernt lag, desto geringer war die Anzahl der nachweisbaren Pestizide sowie deren Konzentration.

    „Auch Maßnahmen zur Minimierung der Abdrift verhindern nicht, dass sich die Mittel durch die Luft verbreiten. Wenn wir vermeiden wollen, dass unsere Umwelt und unsere Gesundheit weiter durch Pestizide gefährdet werden, müssen wir Konsequenzen ziehen: Diese Mittel dürfen nicht mehr eingesetzt werden“, erklärt Bär.

    Auch in Deutschland führte das Umweltinstitut in Zusammenarbeit mit dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft und dem unabhängigen Umweltbüro „TIEM Integrierte Umweltüberwachung“ Messungen durch, deren Ergebnisse am 29. September veröffentlicht wurden.

    Insgesamt wurde zwischen 2014 und 2019 bundesweit an insgesamt 163 Standorten die Luft auf Pestizidrückstände untersucht. Es zeigte sich auch bei dieser Untersuchung, dass Pestizide über viele Kilometer über die Luft verfrachtet werden. Selbst in Schutzgebieten wie den Nationalparks Bayerischer Wald und Harz wurden noch mehrere Pestizidwirkstoffe nachgewiesen. Die Ergebnisse wurden am Dienstag im Beisein der deutschen Bundesumweltministerin Svenja Schulze veröffentlicht. Schulze bedankte sich für die Studie und betonte, dass sie eine wichtige Wissenslücke über die Verbreitung von Pestiziden über die Luft schließe.

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    2 KOMMENTARE

    1. Bedeutet das aber nicht auch, dass es bei allem noch so gut gemeinten Absichten keine unbelasteten landwirtschaftlichen Flächen gibt. Wie wirkt das auf die Bio-Landwirtschaft, die Pestizide verteilen sich ja nachweislich überall?

    2. „Wie wirkt das auf die Bio-Landwirtschaft, die Pestizide verteilen sich ja nachweislich überall?“

      Mit hohen Verlusten und nachweisbaren Rückständen im Urin selbst bei Menschen, die sich ausschließlich Bio ernähren.

      Zitat aus unten verlinktem Artikel:

      „Die Pestizide gelangen über die Luft auf Getreide, Obst und Gemüse, das von Bio-Bäuerinnen und -Bauern naturverträglich und ohne den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide angebaut wurde. Bislang trägt die Biobranche die Kosten für die aufwendigen Kontrollen ihrer Produkte und für Ware, die nicht mehr als Bio verkauft werden kann, weitgehend selbst.“

      https://www.l-iz.de/wirtschaft/metropolregion/2020/09/Selbst-im-Leipziger-Stadtgebiet-sind-Pestizidrueckstaende-aus-der-Landwirtschaft-nachweisbar-351540

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