Im November hat Creditreform schon die neuen Zahlen zur Überschuldung in der Bundesrepublik versendet. Jetzt gibt es noch die kleinräumigen Zahlen für Leipzig und Region. Auch mit der kleinen Anerkennung: Die Zahl der überschuldeten Verbraucher in der Region Leipzig ist 2021 deutlich zurückgegangen. Und zwar überproportional. Was aber wahrscheinlich eher wenig mit Corona und den geschlossenen Geschäften zu tun haben dürfte.

Insgesamt waren zum Stichtag 1. Oktober 2022 demnach 97.729 erwachsene Einwohner in der Region Leipzig überschuldet. Das sind 9.305 Fälle weniger als 2020, meldet Creditreform. Die Überschuldungsquote der Region, zu der die Stadt Leipzig, der Landkreis Leipzig, der Landkreis Nordsachsen sowie ein Teil des Landkreises Mittelsachsen zählen, liegt aktuell bei 10,46 Prozent. Trotz des Rückgangs um -1,03 Prozentpunkte bleibt die Leipziger Region über dem Bundesdurchschnitt (8,86 %) und der Überschuldungsquote in Sachsen (8,87 Prozent).

Stadt Leipzig verzeichnet höchsten Rückgang der Überschuldungsquote

Die Überschuldungsquote, die aus dem Verhältnis der Zahl der überschuldeten Personen und der Zahl der erwachsenen Einwohner gebildet wird, ist in der Stadt Leipzig deutlich gesunken (-1,13 Prozentpunkte) und liegt aktuell bei 11,32 Prozent (2020: 12,45 Prozent). Es ist der höchste Rückgang der vergangenen 10 Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 5.093 Überschuldungsfälle weniger. Damit sinkt die Überschuldungsquote der Stadt Leipzig sowohl in der Region Leipzig als auch in ganz Sachsen am stärksten.

Das Spektrum der Überschuldungsbelastung in der Stadt Leipzig ist seit Jahren groß. Zwar sind in diesem Jahr erstmalig die einzelnen Überschuldungsquoten unter der Marke von 20 Prozent geblieben. Dennoch steht die Schuldnerampel in rund einem Drittel des Stadtgebietes weiterhin auf „rot“.

Keine Überraschung sind die Ortsteile, in denen besonders viele Menschen überschuldet sind: In Neuschönefeld und Volkmarsdorf ist die Überschuldungsquote mit 19,6 Prozent (2020: 21,94 Prozent) am höchsten. In Mölkau und Baalsdorf weist sie mit 5,02 Prozent (2020: 5,24 Prozent) den niedrigsten Wert auf.

Was ist eine Überschuldung?

Überschuldung liegt dann vor, wenn der Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann. Oder kurz: Die zu leistenden Gesamtausgaben sind höher als die Einnahmen.

Die Schuldnerquote ist der Anteil der Personen mit Negativmerkmalen im Verhältnis zu allen Personen ab 18 Jahre. Negativmerkmale setzen sich zusammen aus den aktuell vorliegenden juristischen Negativmerkmalen (Abgabe bzw. Nichtabgabe der Vermögensauskunft, Verbraucherinsolvenz), den unstrittigen Inkassofällen von Creditreform gegenüber Privatpersonen und den negativen Zahlungserfahrungen der Creditreform Boniversum GmbH Poolteilnehmer. Mithilfe der Schuldnerquoten kann die Überschuldung in ihrer geografischen Verteilung bis hin auf die Ebene von Postleitzahlenbereichen betrachtet werden.

Harte und weiche Überschuldung

Seit 2017 sind in der Region Leipzig die harten Überschuldungsfälle mit juristischen Sachverhalten kontinuierlich gesunken, die Fälle mit geringer Überschuldungsintensität aber fortlaufend gestiegen. Dieses Grundmuster verändert sich in diesem Jahr, stellt Creditreform fest.

Die Zahl harter und weicher Überschuldungsmerkmale nimmt gleichzeitig ab. Gegenüber dem Vorjahr verringert sich die Zahl der Betroffenen mit harten Negativmerkmalen von 65.373 auf 61.583 Personen (-3.790 Fälle; -6,15 Prozent). Die Zahl der Fälle mit weichen Überschuldungsmerkmalen sinkt von 41.661 auf 36.146 Personen. Das sind 5.515 Fälle (-15,25 Prozent) weniger als im Vorjahr.

Überschuldung im Leipziger Stadtgebiet 2021. Grafik: Creditreform
Überschuldung im Leipziger Stadtgebiet 2021. Grafik: Creditreform

Was eben auch darauf hindeutet, dass beide Rückgänge verschiedene Ursachen haben. Denn harte Überschuldung korrespondiert in der Regel mit Arbeitslosigkeit, Niedriglöhnen und prekärer Beschäftigung sowie (Privat-)Insolvenz. In Leipzig aber geht seit Jahren nicht nur die Arbeitslosigkeit zurück, auch die Zahl prekärer Beschäftigungsverhältnisse nahm schon vor der Corona-Pandemie deutlich ab.

Das wird auch in den Ortsteilen spürbar, in denen sozial prekäre Lebensverhältnisse und hohe Arbeitslosigkeit bisher immer eine Rolle gespielt haben – auf der Karte sehr deutlich zu sehen, mit noch deutlich erhöhten Verschuldungslagen in Grünau, Neustadt-Neuschönefeld, Volkmarsdorf usw.

Die weiche Überschuldung entsteht viel öfter durch Konsum und Schwierigkeiten bei Ratenzahlungen. Aber viele Leipziger/-innen werden sich gerade in den Corona-Monaten, als auch die finanzielle Zukunft sehr unsicher war, gehütet haben, teure Anschaffungen zu tätigen, die das Haushaltsbudget auf Jahre hinaus belasten.

Es kann also passieren, dass beide Entwicklungen nach Abebben der Pandemie wieder auseinander laufen.

Blick nach Nordsachsen und in den Landkreis

Im Landkreis Nordsachsen ist die Schuldnerquote auf 10,02 Prozent (2020: 11,03 Prozent) gesunken. Die geringsten Überschuldungsquoten im Landkreis weisen Schildau und Mockrena auf. In Schildau verringert sich die Überschuldungsquote um 0,60 Prozentpunkte auf 6,01 Prozent. In Mockrehna sinkt die Überschuldungsquote um 0,49 Prozentpunkte auf 6,14 Prozent. Torgau bleibt mit einer Überschuldungsquote von 13,84 Prozent (2020: 14,79 Prozent) am Ende der Skala in Nordsachsen.

Die Schuldnerquote im Landkreis Leipzig geht auf 8,86 Prozent (2020: 9,66 Prozent) zurück. Die niedrigste Überschuldungsquote im Landkreis und in der gesamten Region Leipzig verzeichnet Großpösna mit 4,86 Prozent (2020: 5,17 Prozent). Auf „grün“ steht die Schuldnerampel auch in Machern mit 5,53 Prozent (2020: 6,42 Prozent), Bennewitz 6,25 (2020: 7,22 Prozent), Frohburg 6,86 Prozent (2020: 7,64 Prozent) und Borsdorf 6,97 Prozent (2020: 7,71 Prozent).

Die höchste Schuldnerquote im Landkreis Leipzig weist Böhlen mit 12,97 Prozent (2020: 14,28 Prozent) auf. Danach folgen Regis-Breitingen mit 12,31 Prozent (2020: 13,02 Prozent), Borna mit 12,05 Prozent (2020: 12,85 Prozent) und Kitzscher mit 12,02 Prozent (2020: 12,11 Prozent).

Das Fazit aus Sicht von Creditreform

„Die aktuelle Entwicklung ist auf den ersten Blick erfreulich: Die Überschuldung der Verbraucher in der Region Leipzig hat in diesem Jahr, auch in Folge der Auswirkungen der Corona-Pandemie, deutlich abgenommen. Dennoch hat die Pandemie die finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten vieler Verbraucher eingeschränkt.“

Weiter heißt es im Fazit: „Die Menschen leiden unter Einkommenseinbußen und einer zunehmenden Unsicherheit, ob die zur Verfügung stehenden Mittel ausreichen, um das alltägliche Leben künftig wie gewohnt gestalten zu können. Ökonomische Faktoren, steigende Energiepreise, Inflation – die Folgen und Nachwirkungen werden zeitverzögert bei den Verbrauchern ankommen und erst in den kommenden Jahren sichtbar werden.“

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