Leipzigs Trinkwasser wurde nicht nur durch die Stadtväter gesichert, sondern auch durch das Modell Ökologische Landwirtschaft

Für alle LeserViele deutsche Regionen haben massive Probleme mit der Nitratbelastung des Grundwassers. Auch in vielen sächsischen Regionen werden die gesetzlichen Grenzwerte von 50 Milligramm Nitrat je Liter deutlich überschritten. Das macht Wasserwerken massive Probleme und droht die Wasserpreise explodieren zu lassen. Und in Leipzig? „Wir haben Glück“, sagt Dr. Ulrich Meyer. „Unsere Vorväter haben für Generationen im Voraus gedacht.“
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Leipzigs Stadtväter haben nämlich, um die Leipziger Wasserversorgung langfristig zu sichern, große landwirtschaftliche Flächen in den Gebieten gekauft, in denen das Leipziger Trinkwasser gewonnen werden sollte. Diese Flächen besitzt Leipzig noch heute. Und nach 1990 trafen die Leipziger Wasserwerke noch eine wichtige Entscheidung: Sie bewirtschaften das Gebiet um ihr Wasserwerk in Canitz nicht nur mit einem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb, sie tun es auch noch ökologisch. Sie sorgen also dafür, dass es oberirdisch gar nicht erst zu den hohen Düngemittelbelastungen kommt, die anderen Regionen in Sachsen so massiv zu schaffen macht.

Die Entscheidung hat sich ausgezahlt. „Wir haben die Nitratbelastung im Grundwasser über die ganze Zeit drastisch senken können“, sagt Ulrich Meyer, der technische Geschäftsführer der Wasserwerke. Den Grenzwert für Nitrat unterschreiten die Stadtwerke seit Jahren um die Hälfte. Von Aussteuern spricht Meyer. Das heißt: Die Brunnen kommen da hin, wo das sauberste Grundwasser ist. Entsprechend niedriger ist der Aufwand in der Aufbereitung des Grundwassers zu Trinkwasser.

Müssen die Wasserwerke die 20 mg/l Nitrat dann noch aufwendig beseitigen? „Nein“, sagt Meyer. Die seien völlig unbedenklich.

Trotzdem wollen die Wasserwerke massiv auch in die Wassergewinnung investieren.

Rund 64 Millionen Euro investieren die Wasserwerke in diesem Jahr in die Infrastruktur, davon knapp 42 Millionen allein im Abwassersektor. „Die Infrastruktur der kommunalen Wasser- und Abwasserwirtschaft ist ein bedeutender Vermögenswert und Voraussetzung für die hohe Qualität und Versorgungssicherheit“, betont Meyer und ergänzt: „Unter den hiesigen Voraussetzungen stemmen wir zu den ohnehin notwendigen Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten auch die nachhaltige und sinnvolle Erweiterung sämtlicher Ver- und Entsorgungskapazitäten.“

Das Investitionsniveau setze man daher auch in den nächsten Jahren fort. Maßgebliche Großprojekte sind der Ausbau des Klärwerks Rosental, Arbeiten am äußeren Trinkwasserverteilnetz mit seinen Wasserwerken und Fernleitungen sowie die Entwicklung weiterer Anpassungsstrategien für Demografie und Klimawandel.

Dazu gehört der Ringschluss in der großen Trinkwasserleitung, die künftig das gesamte Versorgungsgebiet der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) umschließen soll. Das sichere zum Beispiel auch die Versorgung mit Trinkwasser, wenn andere Leitungsstränge ausgefallen seien, dann könne man einfach umschalten.

Aber in den nächsten Jahren werden die Investitionssummen noch einmal deutlich steigen. 67 Millionen Euro sind 2018 geplant. Bis 2023 wird sich das Investitionsniveau bei 75 Millionen Euro einpendeln. Und neben den Investitionen etwa ins Klärwerk Rosental (80 Millionen Euro) werde es auch weitere Investitionen in die Wasserwerke in Canitz/Thallwitz und bei Naunhof geben. Die beiden Wasserwerke bei Naunhof (die beide hübsch im Wald gelegen sind) sind freilich veraltet. „Die wollen wir komplett ersetzen durch ein neues Wasserwerk“, sagt Meyer. Den genauen Standort erkunde man gerade, deswegen könne man nur sagen, dass es irgendwo bei Naunhof entstehen werde.

Und auch bei Canitz/Thallwitz werde man in den nächsten drei bis vier Jahren noch weitere 92 neue Brunnen anlegen, um die Leipziger Trinkwasserversorgung zu sichern.

Und da die Stadtväter vor 100 Jahren so gut vorgesorgt haben, sind Leipzigs Wasserwerke mittlerweile auch so etwas wie ein Vorbild für andere Wasserwerke geworden. „Jetzt beginnen auch andere Wasserversorger, entsprechende landwirtschaftliche Flächen zu kaufen, um künftig oberirdisch selbst dafür sorgen zu können, dass das Grundwasser darunter geschützt wird“, so Meyer. Wobei die Leipziger Wasserwerke nicht nur auf die eigenen Flächen setzen. „Wir haben auch mit den Landwirtschaftsbetrieben in der Nachbarschaft Verträge, mit denen wir beeinflussen können, dass der Düngermitteleinsatz entsprechend geringer ausfällt“, sagt Meyer.

Nun wollen natürlich auch andere Wasserwerker sehen, wie das geht. Denn wenn selbst die Bundesregierung schon warnt, dass in einigen Regionen die Wasserpreise zu explodieren drohen, weil das Nitrat teuer aus dem Grundwasser gefiltert werden muss, hilft nur noch Vorsorge.

Deswegen findet am 16. Oktober im Leipziger KUBUS auf Einladung der Leipziger Wasserwerke eine Fachtagung „Trinkwasser und Landwirtschaft“, bei der Fachexperten vor allem das Problem „Nitrat im Grundwasser“ von allen Seiten beleuchten und mögliche Lösungsmodelle dafür vorstellen.

Die LEIPZIGER ZEITUNG ist da: Ab 15. September überall zu kaufen, wo es gute Zeitungen gibt

KWLNitrat
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