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Auch Leipziger Wasserwerke schaffen ihr Jahresziel und ärgern sich trotzdem über sparsame Leipziger

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    Auch die Kommunalen Wasserwerke Leipzig haben das Geschäftsjahr 2019 mit einem deutlichen Plus abgeschlossen. Auch wenn die Wasserwerker damit hadern, dass die Leipziger immer noch so wenig Wasser pro Kopf verbrauchen. Obwohl dieses Hadern überhaupt keinen Grund hat, denn auch das ziemlich wasserarme Jahr 2019 hat gezeigt, dass auch die Wasserwerke Leipzig die Wasserbereitstellung nicht einfach mal so aus der Hüfte erhöhen können.

    Denn gerade die Region Leipzig ist von deutlich niedrigeren Niederschlägen infolge des Klimawandels betroffen. Da werden die Leipziger ganz bestimmt nicht anfangen, öfter ein Wannenbad einzulassen oder das Auto zu waschen. Und der Wasserverbrauch kostet nun einmal auch Geld. Ein Großteil der Leipziger Normalverdiener ist aus finanziellen Gründen gar nicht in der Lage, seinen Wasserverbrauch auf Bundesniveau zu steigern.

    Weshalb das Niveau im Trinkwasserverbrauch erstaunlicherweise dem Niveau der Einkommen entspricht. Aber augenscheinlich ist das aus der gutverdienenden Perspektive der Wasserwerke-Geschäftsführung einfach nicht zu begreifen.

    Im Geschäftsbericht liest sich das so: „Als lokale Besonderheit ist nach wie vor der im bundesdeutschen Vergleich niedrige spezifische Wassergebrauch im Versorgungsgebiet der Wasserwerke zu nennen. So lag der Pro-Kopf-Tagesgebrauch im Versorgungsgebiet im Jahr 1993 noch bei 115 Litern. 2004 sank er erstmals unter die 90-Liter-Marke und erreichte 2011 seinen bisherigen Tiefstwert von 85,9 Litern.

    Im Vergleich mit dem für das Jahr 2018 durch den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) festgestellten bundesdeutschen Durchschnittswert von 127 Litern pro Person und Tag entspricht die Nutzung im Versorgungsgebiet der Wasserwerke mit 96,1 Litern pro Einwohner und Tag im Jahr 2019 damit einem um 24 % geringeren Durchschnittsgebrauch. Allerdings kann nach den letzten Jahren leichter Gebrauchssteigerungen in Folge von einem, unter Absatzgesichtspunkten, positiven Trend gesprochen werden.“

    Aber über 5.000 Einwohner mehr und ein langer Sommer sorgen natürlich trotzdem für steigenden Trinkwasserabsatz: „Der steigende Durchschnittsgebrauch sowie die Bevölkerungsentwicklung der Stadt Leipzig und des Umlandes wirken sich auf die Absatzentwicklung aus. Die Anzahl der versorgten Einwohner ist gegenüber dem Vorjahr um circa 5.400 gestiegen. Im Hinblick auf die Ver- und Entsorgungskapazitäten wird diese Entwicklung seitens der Wasserwerke genau beobachtet und findet Berücksichtigung in der Überarbeitung der langfristigen Ver- und Entsorgungskonzepte. In den letzten beiden Sommern hat sich auch sehr deutlich gezeigt, wie stark wetterabhängig, aufgrund der extremen Trockenheit, die Wasserabgabe tatsächlich ist. Steigende Absatzmengen wirken sich auf die Auslastung der technischen Anlagen der Wasserwerke aus.“

    Die konkreten Zahlen: „Der Trinkwasserabsatz liegt mit 32,7 Mio. m³ um 0,3 Mio. m³ über dem im Vorjahr (32,4 Mio. m³).“

    Aber die Sicherung der Wasservorräte (auch durch Investitionen im Wassergut Canitz) ist nur eine Aufgabe, der sich die Wasserwerke stellen müssen. Denn der Klimawandel bedeutet für Leipzig eben nicht nur mehr Dürremonate, sondern auch die steigende Gefahr von Starkregen, die das Abwassersystem überfordern können.

    Die Stadt muss also auch in Sachen Wasserbewirtschaftung resilienter werden, wie es die Wasserwerke ausdrücken. Mit hohen Investitionen jedes Jahr: „Das Investitionsvolumen inklusive Finanzanlagen liegt einschließlich der unentgeltlichen Übertragung technischer Anlagen bei 60,5 Mio. EUR (Vj.: 57,7 Mio. EUR) und damit 4,9 % höher als das Investitionsvolumen des Vorjahres.“

    Und was die Netze direkt betrifft: „Mit der Arbeit am Wasserkonzept 2030 wird für den Großraum Leipzig künftig eine höhere Resilienz der Systeme erreicht. Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, wie wichtig die Sicherung der Wasserressourcen sowie eine überregional funktionierende Verteilung sind. Die wachsende Stadt erfordert darüber hinaus eine noch engere Koordination mit den Infrastrukturträgern im Versorgungsgebiet, insbesondere der Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH, Leipzig (Verkehrsbetriebe). Im Geschäftsjahr 2019 investierten die Wasserwerke 49,9 Mio. EUR in das Trink- und Abwassernetz. Damit konnten circa 86 % der zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft werden.“

    Und die größte Aufgabe wartet ja im Rosental, wo die Kapazitätserweiterung des Klärwerks zum größten Bauprojekt der Wasserwerke wird – Baubeginn 2022.

    „Im Bereich der Kläranlagen bildete die Fortführung der Planungen zur Erweiterung des Klärwerkes Rosental den wesentlichen Schwerpunkt. Für die biologische und mechanische Reinigungsstufe konnten die Genehmigungsplanung und die begleitenden umweltrelevanten Fachgutachten abgeschlossen und diese zur Prüfung bei der zuständigen Behörde eingereicht und damit der Antrag zur Erteilung der wasserrechtlichen Genehmigung und Erlaubnis gestellt werden“, heißt es im Geschäftsbericht.

    „Nach aktuellem Zeitplan wird nach Bestätigung der Vollständigkeit der Unterlagen mit dem Beginn der Öffentlichkeitsbeteiligung im zweiten Halbjahr 2020 gerechnet. Ausgehend davon sind der Baubeginn für 2022 und die Fertigstellung des Teilprojektes Biologie für 2025 geplant. Im Anschluss daran wird der Neubau der mechanischen Reinigungsstufe erfolgen. Im Bereich der Schlammbehandlung wurde, aufgrund von geänderten Umweltauflagen, mit dem Bau einer Gasreinigungs- und Gasverdichteranlage sowie dem Ersatz des Gastrockners begonnen.

    Weiterhin ist wegen des steigenden Gasanfalls die Erweiterung um ein fünftes Blockheizkraftwerk vorgesehen. Die Fertigstellung der Gesamtmaßnahme soll Anfang 2021 erfolgen. Die Kapazitätserweiterung des Klärwerkes Rosental ist die Voraussetzung, um dem Bevölkerungswachstum und dem Gewässerschutz in einer weiter wachsenden Stadt gerecht zu werden.“

    Mit dem Jahresergebnis stabilisieren sich die Wasserwerke auf hohem Niveau. Fast vergessen ist der jahrelang die Gemüter in Trab haltende Prozess mit der Schweizer Großbank UBS, der letztlich für Leipzig gut ausging, sodass das Damoklesschwert über den Wasserwerken verschwand. Dafür wird sichtbarer, dass es für die heiklen Finanzoperationen des einstigen Geschäftsführers, der die ganzen hochriskanten Geschäfte einging, nie einen Anlass gab.

    Im Gegenteil: Das Ergebnis, das die Wasserwerke erwirtschaften, ist stabil und seit einigen Jahren bei 30 Millionen Euro: „Ein weiterer finanzieller Leistungsindikator ist das Jahresergebnis vor Gewinnabführung und Ausgleichszahlung von 33,9 Mio. EUR im Jahr 2019. Das angestrebte Ergebnis von 30,8 Mio. EUR konnte damit übertroffen werden. Im Wesentlichen konnte die Steigerung durch Erträge aus der Erstattung von Kosten im CDO-/CDS-Prozess von 3,9 Mio. EUR erreicht werden.“

    Der Gewinn wird nicht an irgendwen abgeführt, sondern an die Muttergesellschaft LVV, die mit den Überschüssen wieder die nötigen Investitionsprojekte im Stadtkonzern anschiebt.

    Leipziger Gruppe schafft trotz erhöhter Zahlungen an die LVB auch 2019 ein positives Konzernergebnis

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