Video: Brühl-Abriss – Wie ein altes Kaufhaus verschwindet
Ralf Julke
11.06.2010
Brühl-Kaufhaus wird abgerissen.
Foto: Ralf Julke
In der letzten Woche ging die Bürgerinitiative "Kaufhaus am Brühl" noch einmal mit ihrem Kompromissvorschlag an die Öffentlichkeit, wie die Sandsteinfassade des 1908 erbauten Kaufhaus Knoop am Brühl doch noch bewahrt werden könnte. Doch der Verschlag kam zu spät. Am Montag begannen die Abrissarbeiten.
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Zuvor schon war der moderne Anbau aus dem Jahr 1968 von den Baggern der Abrissfirma kleingenagt worden. Nur ein 15 Meter breites Teil der alten Sandsteinfassade soll erhalten werden und nach Vorstellungen der Architekten Grüntuch Ernst in einer Vitrinen-Gestaltung sichtbar gemacht werden. Wirklich stadtbildprägend wird das Element an der Seite zum Goerdelerring hin nicht wirklich sein. Der Richard-Wagner-Platz wird künftig wieder von der 1968 als Notvariante angebrachten Aluminium-Fassade dominiert. Dahinter werden unter anderem die Pkw-Stellplätze der "Höfe am Brühl" ihre Bestimmung erfüllen.
Auf der Nordseite hat am Donnerstag der Abriss des Brühl-Kaufhauses begonnen.
Foto: Ralf Julke
Eine vertane Chance, dem Wagner-Platz tatsächlich ein neues Gesicht zu geben. Die geschätzten Kosten für eine Erhaltung der alten, in den 1920er/1930er Jahren umgestalteten Fassade hätten sich auf etwa 2 Millionen Euro belaufen - ein Bruchteil der Gesamtbaukosten von 200 Millionen Euro, die die mfi für den vom Hallischen Tor bis zu Wagner-Platz reichenden Bau kalkuliert.
Die Weltfinanzkrise hat den Baustart sowieso schon um ein Jahr verzögert. Wahrscheinlich wird mit eine Eröffnung der "Höfe am Brühl" nicht vor Herbst 2011 zu rechnen sein. Denn nach den Abrissbaggern haben möglicherweise Sachsens Archäologen erst einmal die Chance, auf dem Gelände weitere Grabungen durchzuführen. Schon die Ausgrabungen am Brühl im Jahr 2008 brachten für die Stadtarchäologie Spannendes zu Tage. Mit dem jetzigen Abrissgelände käme man dem ursprünglichen Gründungskern der Gemeinde Libzi noch näher.
Blick von der Hainstraße: Die Fassade verschwindet Stück für Stück ...
Foto: Ralf Julke
Deren Marktplatz entspricht in etwa dem heutigen Richard-Wagner-Platz. Befunde der 2008er Grabungen haben belegt, dass der Brühl wohl eine der ältesten Straßen der Stadt war und möglicherweise auch schon frühzeitig der oft genutzte Handelsweg Richtung Osten - ein erhöhter Weg an der damaligen sumpfigen Niederung der Parthe entlang.
Am Donnerstag, 10. Juni, begann dann, nachdem das alte Kaufhaus in großen Teilen entkernt war, der Abriss der Fassade von Süden her. Zusätzliche Absperrungen wurden aufgestellt, weil diesmal die Abrissbagger dicht an den Brühl heranrückten. Die Staubbelastung der Umgebung konnte mit kräftigem Wasserstrahl zumindest etwas gemindert werden.
So verschwindet ein Stück Kaufhausarchitektur aus dem Leipziger Stadtbild, die durchaus Teil einer positiven Entwicklungsstrategie für den nordwestlichen Eingang zur City hätte werden können.
 
Bagger haben begonnen, die alte Steinfassade der Blechbüchse abzureißen.
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