„Das Schlimmste ist, wenn es egal ist, wenn nichts mit einem geschieht“

Brechts „Maßnahme“ trifft auf Aischylos „Perser“ am Schauspiel: Ein Interview mit Regisseur Enrico Lübbe

Für alle LeserAm Donnerstagabend, 31. März, war es soweit. Eine neue Inszenierung am Leipziger Schauspiel ging über die Bretter, die die Welt bedeuten. Während der Endproben zu „Die Maßnahme“ von Bertold Brecht und „Die Perser“ von Aischylos traf sich die L-IZ.de mit Enrico Lübbe, Intendant und Regisseur des Stückes am Schauspiel, zu einem Gespräch über das ungewöhnliche Unterfangen, das erste klassische Theaterstück der Welt überhaupt mit neuer deutscher Dialektik zu kombinieren. Und weil man so schön am Diskutieren war, ging es auch um DDR, Erich Honecker, Propaganda überhaupt und die Frage, wie viel ein Menschenleben wert ist. Angesichts großer Ideologien.

Sehr geehrter Herr Lübbe, spannendes Vorhaben, „Die Maßnahme“ von Brecht und „Die Perser“ an einem Abend aufzuführen, die Gewandhausmusiker mit dabei, wie probt man so etwas eigentlich?

Gut strukturiert und koordiniert: auf der Bühne sind acht Schauspieler, vier bei der „Maßnahme“ und vier bei den Persern. Dann haben wir noch einen Gesangschor im Rang, immerhin 50 Leute und auf der Bühne noch einmal 24 Sprechchorleute.

Man probt also überwiegend parallel?

Ja, zudem hat „Die Maßnahme“ auch noch viele choreographische Elemente. Alle Teile zusammenführen kann man tatsächlich erst kurz vor der Premiere, etwa eine Woche haben wir dafür.

Kommen wir zum Inhalt: Wie war die Intention zu einer Inszenierung mit diesen beiden Stücken von Brecht und Aischylos im Kern? Immerhin gab es im Vorfeld schon Signale, dass es große Diskussionen im Nachgang geben wird – ein wenig DDR scheint auch eine Rolle zu spielen?

Im Grunde gibt es zwei Worte, welche beide Stücke miteinander verbinden, nämlich Verblendung oder Hybris. Wenn man sich „Die Maßnahme“ genau anschaut, kann man sie als Propagandafeier für die Anonymität lesen, ein Oratorium. Und als eine Matrix für eine Form der Inszenierung von Überzeugungen, wie sie dann später in Rußland in den 30er Jahren in den Schauprozessen real wurden, so dass Brecht das Stück nach dem 2. Weltkrieg sperrte.

Kurzer Einschub – gesperrt. Wie kam es dazu?

Nun es waren wohl mehrere Etappen bis zur Sperre durch Brecht. Es gab bereits bei der Premiere 1930 sehr unterschiedliche Reaktionen. Während die Musik vom Leipziger Komponisten Hanns Eisler schon immer sehr gelobt wurde, haben viele von Beginn an den Inhalt und die Aussagen des Stückes kritisiert. So dass Brecht das Stück auch mehrfach überarbeitete.

Hier ist zwar das „Lob der kommunistischen Partei“ zentraler Gegenstand, aber es gab damals schon viele Stimmen, die sagten: Machen wir uns nichts vor, mit ein paar Pinselstrichen im Stück könnte man das auch in andere Richtungen ändern.

„Die Maßnahme“ funktioniert erschreckend ähnlich wie die späteren Moskauer Schauprozesse. Das Ergebnis scheint von Anfang an klar, der Ablauf ist wie eine Inszenierung, die durchexerziert wird.

Also im schlimmsten Sinne Theater.

„Die Maßnahme“ wurde sozusagen von der realen Geschichte eingeholt.

Warum greift man das heute wieder auf?

Um zu zeigen, wie Propaganda funktionieren kann, wie so hochartifizielle, visuell beeindruckende, ästhetische „Inszenierungen“ wirken.

Wie Propaganda funktioniert … Die "Agitatoren" in der Maßnahme. Foto: Bettina Stöß

Wie Propaganda funktioniert … Die „Agitatoren“ in der Maßnahme. Foto: Bettina Stöß

Sängerin Elisabeth Hoppe (Chormitglied „Maßnahme) sprach im Vorfeld in einem Videobeitrag von ihrer sozialistischen Vergangenheit in der DDR und dem großen Gemeinschaftsgefühl, wenn man gemeinsam die Lieder im Stück singt …

Bei uns ist zudem der im Stück sogenannte Kontrollchor (der am Ende das Urteil sprechen soll) ganz bewusst im Rang platziert. Man sieht ihn nicht, er hat kein Gesicht, nur eine Stimme. Es wird also im ganzen Saal „verhandelt“ und über den jungen Genossen „diskutiert“. Wobei man hier ergänzen muss: Die Diskussion dauert oft keine zwei Sätze, weil es ja eigentlich auch keine wirkliche Diskussion gibt, und am Ende kommt meist: Wir sind einverstanden.

Zum Abschluss führen die Agitatoren auf der Bühne vor, wie sie den jungen Genossen erschießen und der Chor teilt mit, man habe ja bewiesen, dass es richtig war und dann geht es weiter … Das ist schon gespenstisch.

Könnte dies auch der Strang, die Verbindung zu Aischylos „Die Perser“ sein? Also der Wert eines einzelnen Menschen im Widerspruch zu den großen Ideologien und Zielen? Also im Falle der Perser Xerxes ja eher als Aggressor gegen die Griechen in der Schlacht bei Salamis …

Richtig. Und während bei der Maßnahme die Agitatoren gar keine Namen haben, eher eine entindividualisierte Masse sind, ihre Individualität, wie es im Text heißt, „auslöschen“ sollen, geht es bei den Persern seitenweise, schier endlos um Menschen, Namen und einzelne Schicksale, die alle aufgezählt werden.

Hier bekommt menschliches Leid auf einmal ein Gesicht. Auf einmal wird klar, was Hybris, Verblendung – in dem Fall von Xerxes und den Persern – am Ende an Leid bedeutet.

Interessanterweise eine Geschichte, die der Sieger, die Griechen, aufgeschrieben und inszeniert haben.

Ja, ein besonderer Kniff von Aischylos, sich so auch in das Leid des Anderen zu versetzen.

Zu den „Persern“, immerhin das erste heute noch bekannte Theaterstück der Geschichte aus dem Jahr (472 v. Chr.), mal im Detail. Sie machen es dann doch wieder klassisch – also Wenzel Banneyer, ein Mann als Königin Mutter Atossa, Masken in der Inszenierung. Muss man sich heute noch so eng ans griechische Theater anlehnen oder warum ein Mann in einer tragenden Frauenrolle?

„Die Perser“ sind auch wie der Brecht ein Lehrstück, das letztlich durch Zeichenhaftigkeit funktioniert. Auch wenn der Text emotionaler ist, mit Realismus und Psychologie kommt man solchen antiken Texten nur schwer bei. Wir haben drei Männer auf der Bühne und eine Frau als Chorführerin – im übrigen: auch „Die Maßnahme“ hat die Besetzung 3 Männer und 1 Frau.

Interessant fanden wir auch, dass Sie für die „Perser“ bei der Übersetzung ins Deutsche die von Durs Grünbein gewählt haben. Was macht diese besser als andere, wie beispielsweise Peter Witzmanns „Wort-für-Wort-Übersetzung“ von 1992 in der Überarbeitung von Heiner Müller?

Ja, oder auch die von Wolfgang Schadewaldt, welche lange unser Favorit war – eine sehr gute Übersetzung der „Perser“. Eine sehr gute Sprache, aber eben auch sehr schwer und antik, mit wirklich großartigen Formulierungen. Grünbein hat einen großen Vorteil: Er ist sehr direkt. Das hat uns am Ende am meisten überzeugt.

Themenwechsel – nochmals zurück zum gesamten Abend und die Intention dahinter. Am 1. April soll noch vor der Aufführung eine Veranstaltung ab 18 Uhr „Das Mandat der Gewissheit“ in der Baustelle stattfinden. Ein Vortrag zum „Selbstverständnis kommunistischer Herrschaft im 20. Jahrhundert“ von Prof. Martin Sabrow (Honecker-Biograf). Was muss man sich darunter vorstellen?

Wie schon in der vergangenen Spielzeit bei den „Schutzflehenden/Schutzbefohlenen“ haben wir wieder Experten eingeladen, die Themen rings um „Die Maßnahme/ Die Perser“ nochmals hervorheben werden.

Zum Vortrag von Martin Sabrow: er schreibt in seiner Honecker-Biografie, dass für diese Generation Haft, Verurteilung, ja sogar Sterben „für die Sache“ noch etwas ganz anderes war als für uns heute. Es ging um „die Sache“, und da gehörte die eigene Opferbereitschaft dazu.

Dennoch weiß man heute auch, dass Honecker eher ein bisschen feige war, weniger heroisch, als er die Zeit selbst gern darstellte?

Diese Generation meinte es wohl weniger heroisch, es war eher eine Selbstverständlichkeit, dass der Einzelne im Interesse der Sache nichts zählt. Witzigerweise merken wir solche und andere Unterschiede auch heute noch. Ich zum Beispiel, ostsozialisiert, Pioniere, FDJ und zur Wende 15, merke bei der „Maßnahme“, dass ich das alles kenne.

Dieses Gemeinschaftsgefühl und wo man gelernt hat: Du Enrico bist als Einzelner nicht wichtig, es ging immer um das „große Ganze“.

Das führt ja fast noch einmal zu Frau Hoppe zurück und dem, was sie beim Singen der Lieder von Hanns Eisler beschreibt …

Ja, es ist interessant, wie sie ihre Gefühle bei dem Massenauflauf auf dem Leipziger Markt in den 80er Jahren beschreibt. Alle sehen gleich aus, mit blauen Hemden – all das schaffe ein Gemeinschaftsgefühl, eine gemeinsame Kraft.

Zurück zum Hintergrund der Stücke. In beiden führen dennoch die Entscheidungen von einzelnen Menschen, also Xerxes für einen Angriff auf die Griechen und die zumindest halb freiwillige Zustimmung des jungen Genossen zu seiner Hinrichtung zu unglaublichen Entwicklungen. Im Falle Xerxes letztlich zum Urbeginn der europäischen Entwicklung und im Falle des jungen Genossen rollt anschließend die kommunistische Revolution durch China.

Letztlich „Erfolge“, wenn auch unter schlimmen Opfern und nicht doch ein Pro für die Einzelentscheidungen von Menschen?

Naja, das Interessante bei der Maßnahme ist ja, dass der junge Genosse selbst gar nicht auftritt. Es wird nur darüber verhandelt, ob die Agitatoren richtig oder falsch gehandelt haben, als sie ihn erschossen, um nicht in China enttarnt zu werden. Was jedoch wirklich stattgefunden hat, werden wir nie erfahren.

Dass er seiner Erschießung zustimmt, behaupten die Agitatoren – nachdem sie zuvor aber untereinander schon feststellten, dass der junge Genosse, auch wenn er der Erschießung nicht zustimmt, für immer verschwinden müsse… .

Die Maßnahme/ Die Perser. Felix Axel Preißler als Xerxes und der Chor. Foto: Schauspiel, Bettina Stöß

Die Maßnahme/ Die Perser. Felix Axel Preißler als Xerxes und der Chor. Foto: Schauspiel, Bettina Stöß

Lassen Sie uns gegen Ende mal zu einigen Begrifflichkeiten kommen, die im Umfeld der Inszenierung und des Themas notwendigerweise auftauchen, aber oft selbst gar nicht hinterfragt werden. Was in den Texten im Vorfeld der Inszenierung auffiel, war die Verwendung des Begriffs „Humanismus“ als Kontrabild zu Ideologien und Propaganda. Nun sagt ja Joseph Hader „Humanismus ist, dass man schon weiß, wie es geht, nur nicht ganz so …“

Werden in der Inszenierung tatsächlich humanistische Fragen diskutiert?

Ja. Man hätte es auch Demokratie nennen können. Bei den „Persern“ geht es um den Menschen und bei der „Maßnahme“ geht es um das Gesichtslose, Namenlose von Funktionsträgern.

Bei denen sich einige dann doch erinnert fühlen müssen – an DDR, an eben keine Demokratie …

Unsere Erfahrungen waren tatsächlich bei den Proben, dass bei allen, die die DDR noch erlebt haben, die Musik von Hanns Eisler, die Brecht-Texte andere Gedanken, Emotionen hervorrufen als bei denen, die dies nicht erfahren haben, weil sie zu jung oder woanders sozialisiert sind. Es ist schon sehr wirkungsvoll und ein Erlebnis (in welcher Hinsicht auch immer), wenn die Gewandhausmusiker und der Chor einsetzen.

Eine Klärung auch der vielen Entwicklungen, welche DDR-Geborene als Kinder erlebt und auch gemerkt haben, wie normal einem das alles vorkam und wie schwer es im anderen Fall ist, nein zu sagen? Konkret: Ich werde das blaue Hemd nicht tragen …

Ich bin selbst gespannt, was die Menschen für Eindrücke aus den Vorstellungen mitnehmen werden. Man darf nicht vergessen, „Die Maßnahme“ hat auch etwas Religiöses, Rituelles, immerhin zitiert Eisler Passionsmusiken von Bach – alles in allem ist es schon sehr emotional, was Brecht und Eisler da machen. Dem kann man sich schwer entziehen.

Für den Theaterliebhaber mit erhöhtem Stressfaktor – wie lang wird der Abend etwa dauern?

Zwei Stunden ohne Pause.

Schlussfrage, die ich gern jedem Theatermacher stellen würde. Was glauben Sie, was Theater, Ihr Theater heute noch leisten kann?

Im Grund muss ich die Frage aus zwei Perspektiven beantworten. Als Intendant sehe ich, dass unser Theater funktioniert, weil es viele verschiedene Stile anbietet. Besonders freue ich mich, wie jung das Schauspielpublikum in Leipzig mit einem Altersschnitt von 38 Jahren ist und wie neugierig, kultur- und kunstinteressiert. Das Publikum geht viele Experimente und Sichtweisen mit, oft suchen sie geradezu das Besondere.

Peer Gynt, 89/90, Gott des Gemetzels – alles gut besuchte Aufführungen, und offenbar ist es für eine sehr bunte Stadt wie Leipzig auch ein gutes Rezept, ein buntes Angebot zu unterbreiten.

Aus der zweiten Perspektive, die des Regisseurs, gibt es sicher den „Urwunsch“, mit der Arbeit emotional zu berühren. Im positiven Sinne, aber auch Ablehnung ist eine Emotion und damit okay. Das Schlimmste ist, wenn es egal ist, wenn nichts mit einem geschieht.

Die nächsten Termine: Große Bühne: Sa, 01. April, 19:30 / So, 02. April, 16:00 / Fr, 28. April, 19:30 / Sa, 06. Mai, 19:30 / Mi, 14. Juni, 19:30 || So, 04. Juni, 18:00 und Mo, 05. Juni 18:00, Ruhrfestspiele Recklinghausen

Zum Schauspiel im Netz / Die Maßnahme/Die Perser

In eigener Sache: Lokaljournalismus braucht Unterstützer

Schauspiel LeipzigInterviewEnrico Lübbe
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Bundesweiter DGB-Aktionstag am 31. Mai: Rente muss reichen – jede Stimme zählt
Polizeibericht, 26. Mai: Pkw angezündet, AfD-Büro beschädigt, E-Bike gestohlen, Fahrerflucht
E-Bikes und Pedelecs benötigen auch besondere Sicherungsmaßnahmen
Prominente Gäste in der Hörspielsommer-Jury
Verkehrseinschränkungen rund um Aufzug am Samstag
Am 30. Mai: Café der toten Philosophen in der der Schaubühne Lindenfels
La Villanella Basel taucht das Bach-Museum in die Klangwelt des Reformators
6. Steampunk-Picknick im Rahmen des WGT in Leipzig
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Landtagsabgeordnete Juliane Nagel fordert die Abschaffung des Landesamtes für Verfassungsschutz
Chef einer zahnlosen Behörde - Gordian Meyer-Plath, Präsident des sächsischen Verfassungsschutzes. Foto: Alexander Böhm

Foto: Alexander Böhm

Für alle LeserIm Grunde ist über den neuesten Bericht des Sächsischen Verfassungsschutzes alles gesagt: Er genügt nicht einmal den simpelsten Grundsätzen staatlicher Objektivität. Wer wirklich ein Bild über die Gefährdung der sächsischen Demokratie sucht, findet es hier nicht. Die Leipziger Landtagsabgeordnete Juliane Nagel nennt ein paar eklatante Beispiele und fordert die Abschaffung der Landesbehörde.
Konzeptwerk Neue Ökonomie präsentiert neue Publikation auf dem Kirchentag
Die Broschüre „Kein Wachstum ist auch (k)eine Lösung“. Montage: L-IZ

Montage: L-IZ

Der Kirchentag auf dem Weg hat dieser Tage auch Leipzig als Schauplatz. Alle möglichen Leute beschäftigen sich mit Luther, Reformation und der Frage, was Religion heute eigentlich noch für eine Rolle spielt. Aber manchmal sind es eher die Gäste solch eines Ereignisses, die zeigen, worum es eigentlich geht. So wie das Konzeptwerk Neue Ökonomie, das in einer Broschüre das strittigste Thema der Zeit aufgreift: den blinden Glauben ans Wachstum.
Neues Genderranking der Heinrich-Böll-Stiftung
Von Männern geliebt: Frauen in gehobener Position. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Frauen gibt’s im Leipziger Rathaus jede Menge. Und allerlei schöne Bekundungen zur „Charta für Gleichstellung“. Aber wenn dann die Heinrich-Böll-Stuiftung mal wieder untersuchen lässt, wie es wirklich mit Frauen in den politischen Führungspositionen der deutschen Großstädte aussieht, landet Leipzig diesmal auf einem mittelmäßigen Rang 36 von 73 untersuchten Städten. Punktgleich mit Dresden.
Sachsen profitiert vor allem von der Rückwanderung hochqualifizierter Auswanderer
Rückwanderung nach Qualifizierung. Karte: IfL / Nationalatlas

Karte: IfL / Nationalatlas

Über Wanderungsbewegungen in Deutschland wird viel diskutiert. Meistens unter falschen Vorzeichen. Auch von Landesregierungen, die lieber Ängste schüren und Menetekel an die Wand malen, als wirklich verstehen zu wollen, warum Menschen ihre Heimat verlassen – oder zurückkehren. Denn nicht nur Ausländer sind Wanderer. Das in Leipzig heimische Institut für Länderkunde (IfL) hat jetzt Wanderbewegungen mal unter die Lupe genommen.
Giordano-Bruno-Stiftung kommt mit nacktem Luther nach Leipzig
Der nackte Luther in Berlin. Foto: gbs, Maximilian Steinhaus

Foto: gbs, Maximilian Steinhaus

Nicht nur die Schriftstellerin Thea Dorn hadert mit diesem Luther, der dieser Tage wieder im Mittelpunkt des Kirchentages steht und die Scharen der Protestanten auch nach Leipzig lockt. Auch die Giordano-Bruno-Stiftung tut sich schwer – nicht nur mit Kirchentagen an sich (und ihre Finanzierung aus öffentlichen Kassen), sondern auch mit Martin Luther. Den bringt sie heute sogar mit nach Leipzig: nackt. Eine anstößige Sache.
Cammerspiele bereichern den Kirchentag mit der Premiere von Genets „Sie“
„Sie“ in der Inszenierung der Cammerspiele Leipzig. Foto: Ruslan Hrushchak

Foto: Ruslan Hrushchak

Für alle LeserJean Genet gehört ja zu jenen Dramatikern, die einfach Pech gehabt haben. Er wird meist nur auf ein Stück reduziert, das auf Kammerbühnen immer wieder gern von spielfreudigen Herren dargeboten wird: „Die Zofen“. Da vergisst man fast, dass er auch andere, gesellschaftlich durchaus brisante Stücke schrieb. „Sie“ zum Beispiel. Am Freitag, 26. Mai, feiert das Spektakel im Rahmen des Leipziger Kirchentags auf dem Weg Premiere in den Cammerspielen.
Historische Wegeverbindung zwischen Gaschwitz und Markkleeberger See kann wieder genutzt werden
Blick auf die neue Pylonbrücke. Foto: LMBV / Martin Klindtworth

Foto: LMBV / Martin Klindtworth

Am Dienstag, 23. Mai, wurde sie endlich eröffnet: die Pylonbrücke über die B2, die jetzt wieder – wie in alten Zeiten – eine Verbindung schafft zwischen Gaschwitz und dem östlich der B 2 gelegenen Gebiet, wo sich heute der Markkleeberger See erstreckt. Für Radfahrer ist es die attraktivste neue Verbindung, die derzeit im Neuseenland entstanden ist.
Kommentar: Bemerkenswerte Prioritäten beim Verfassungsschutz Sachsen
Chef einer zahnlosen Behörde - Gordian Meyer-Plath, Präsident des sächsischen Verfassungsschutzes. Foto: Alexander Böhm

Foto: Alexander Böhm

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug aus Ausgabe 43, seit 19. Mai im HandelUnd wieder knapp vorbei: Auch im dritten Jahr des Bestehens ist es Pegida nicht gelungen, als „extremistische Organisation“ in den Verfassungsschutzbericht des Freistaates Sachsen von 2016 aufgenommen zu werden. Aber für eine Erwähnung reichte es schon mal. Die Volksbewegung des Intensivstraftäters Lutz Bachmann sei kein „Beobachtungsobjekt“, da „in der Gesamtschau keine hinreichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine verfassungsfeindliche Bestrebung vorliegen“, heißt es im aktuellen Bericht.
Wie das Lesenlernen im menschlichen Gehirn regelrecht eine Revolution auslöst
Lesen sorgt für richtig Bewegung im Gehirn. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDieses Ergebnis aus der Leipziger Gehirnforschung sollte auch Politikern und Medienmachern zu denken geben. Denn bislang hat noch keine Studie so deutlich gezeigt, welche Revolution das Lesen im menschlichen Gehirn anrichtet und wie es den Menschen geistig richtig auf Trab bringt. Lesen bildet nicht nur, es macht Menschen erst richtig zu Denkern. Und es ist eine echte Zivilisations-Errungenschaft.
Halbzeitzeugnis der IHK für die sächsische Regierung
Halbzeitbilanz der sächsischen IHK. Montage: L-IZ

Montage: L-IZ

Die sächsische Staatsregierung und der Landtag haben schon etwas früher Halbzeit in ihrer aktuellen Regierungsperiode gefeiert und waren zu durchwachsenen Ergebnissen zur Halbzeitbilanz gekommen. Nun haben auch die sächsischen IHKs ihre Halbzeitbilanz erstellt. Die ist ebenso durchwachsen. Eigentlich sogar noch sehr zurückhaltend.
Jetzt braucht es tapfere Lehrer, die wieder Sächsisch unterrichten
Alle TeilnehmerInnen, die Lehrerinnen und Klaus Petermann beim Gaggaudebbchen 2017. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEinmal im Jahr wird in Leipzig sächsisch gesprochen. Na gut, zwei Mal. Vielleicht auch ein bisschen öfter. Aber tatsächlich viel zu selten. Die Leipziger haben es verlernt. Ein Idiom geht so langsam verloren. Und das in einem Land, in dem die Regierenden immerfort von Heimat schwadronieren. Aber Heimat fängt mit Sprache an. Das wusste schon Luther. Also auch diesmal Mäuschen spielen beim „Gaggaudebbchen“ in der Sanftwut.
„Flensburg an einem Tag“ – In Flensburg weht einem der Wind Westindiens um die Nase
Tomke Stiasny: Flensburg an einem Tag. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Ojemine, Flensburg! Wenn man den Namen hört, stellt man sich eine langweilige Stadt in Niedersachsen vor, irgendwo bei Wolfsburg, damit es die Autofahrer nicht so weit haben, um sich ihre Punkte abzuholen. Dabei liegt Flensburg ganz oben und ganz friedlich am Wasser der Flensburger Förde und dicht an der dänischen Grenze. Eigentlich ganz ruhig, wenn nicht gerade Werner durch die Straßen knattert.
1. FC Lok Leipzig vs. Chemnitzer FC 1:2 – Trauer dorheeme, Chemnitz ist Sachsenpokalsieger
Regionalligist Lok bot dem Drittligisten aus Chemnitz ein leidenschaftlich geführtes Pokalfinale. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserNichts als warme Worte gab es für den 1. FC Lok nach dem Sachsenpokal-Finale gegen den Chemnitzer FC. Mit 2:1-gewann der Drittligist das Endspiel, das erstmals im Bruno-Plache-Stadion ausgetragen wurde und qualifizierte sich für den DFB-Pokal. Vor 6.800 Zuschauern (ausverkauft) traf Frahn doppelt. Schinke besorgte den zwischenzeitlichen Ausgleich für die Hausherren, die klarer Außenseiter waren.
Rechtsextremismus Studie: Ein fadenscheiniger „Welt“-Artikel und das Gepolter der Unfehlbaren
Sogar Graffiti können korrigiert werden. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserMan darf sich in der Berichterstattung irren. Journalisten sind auch nur Menschen. Man darf sich auch korrigieren und erklären, was man falsch gemacht hat. Und was man dabei gelernt hat. Eigentlich ist das nicht schlimm. Aber wir leben in einer Gesellschaft, in der lauter Leute Karriere machen, die unfähig sind, Fehler zuzugeben. In der Politik, aber auch in der Presse. Ein fatales Beispiel dafür lieferte dieser Tage „Die Welt“.
Eine Stippvisite auf der Galopprennbahn Scheibenholz + Bildergalerie
Während eines Rennens im Leipziger Scheibenholz. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug aus der Ausgabe 43Auch im Jubiläums-Jahr 2017 lädt die Scheibenholz GmbH Leipziger und Gäste wieder zum Pferderennen auf die Galopprennbahn ein. Es ist der 1. Mai 2017. Ich mache mich auf den Weg Richtung Leipziger Pferderennbahn zum Aufgalopp. Bescheiden lockt die Sonne mit wohltuender Wärme und in meiner Erinnerung krame ich nach Eindrücken eines Rennbahnbesuchs in den 90iger Jahren: jede Menge huttragende Frauen mit ihren in Schale geworfenen Männern, wuseliges Treiben an den Wettkassen, das tiefe Grollen der galoppierenden Pferde, ekstatisches Jubeln beim Einlaufen. Währenddessen steigt eine innere Anspannung in mir, dem jeder Vorfreude innewohnende Zauber auf das, was mich heute erwarten würde. Aber es sollte ganz anders kommen.