Neue Halberg Guss: Schlichtung abgebrochen, IG Metall spricht von „Zockerei“

Für alle LeserÜberraschend hat am heutigen 12. September die Geschäftsführung der Neue Halberg Guss öffentlich das laufende Schlichtungsverfahren für gescheitert erklärt und sich mit dieser Information umgehend an die Presse gewandt. Nun vermeldet die IG Metall ihre Verwunderung über den Abbruch trotz eines offenbar bevorstehenden Verkaufs der Neuen Halberg Guss (NHG). Irgendwie scheint man zwar miteinander zu sprechen, aber die Distanz scheint die alte geblieben.
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Es ist ein Doppelspiel, welches die Geschäftsleitung der NHG und damit die Mutterunternehmung Prevent Gruppe betreibt. Einerseits scheint sie einen Käufer für die beiden maßgeblichen Gießereien in Leipzig und Saarbrücken zu suchen und möchte dabei einen möglichst hohen Preis erzielen. Diese hatte sie selbst erst Anfang 2018 erworben, offensichtlich, um unmittelbar im Nachgang den Preisdruck auf Automobilhersteller wie VW und Scania zu erhöhen. Diese wiederum versuchten sich im Vorfeld von dem Einfluss des Automobilzulieferers Prevent freizumachen.

Andererseits wird mit der Gewerkschaft nach der bereits im Juni 2018 angedrohten Werksschließung zum Jahresende 2019 hin unter dem Eindruck eines Streiks mit der IG Metall über einen Sozialplan für mindestens 700 Beschäftigte in Leipzig und 300 im Stammwerk Saarbrücken verhandelt – offenbar vor allem, um den Streik auszusetzen und die Verkaufsgespräche voranzutreiben.

Nachdem die Urabstimmung in Leipzig am Mittwoch, 13. Juni 2018, mit 98,37 Prozent das erste Werk lahmlegte und die Kollegen im Saarland weitgehend geschlossen nachzogen, scheint es nun, drei Monate später, zum Showdown zu kommen. Laut Geschäftsführung der NHG sei nun die Nachwirkung des Streiks selbst dafür verantwortlich, dass man mit den Kaufinteressenten keine Einigung gefunden habe. Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, kommentierte die Aussage nunmehr jedoch so: „Nach unseren Informationen laufen gerade aktuell erfolgversprechende Verhandlungen mit einem Erwerber. Streit gibt es dabei vor allem über den Kaufpreis, den die Eigentümer der NHG erwarten.“

Es besteht demnach weiterhin eine hohe Diskrepanz in nicht ganz unwichtigen Punkten, selbst bei der Informationslage. Längst haben Gewerkschafter gegenüber der L-IZ.de erklärt, dass man gern weg von Prevent möchte, nun erklärt NHG, die Verhandlungen seien geplatzt, während man bei der Gewerkschaft noch darauf hofft.

Vielleicht geht damit der Königsweg verloren, um die verfahrene Situation noch zu retten, denn auch die IG Metall sieht im Verkauf „die Option, über einen Verkauf des Unternehmens einen Neuanfang für das Unternehmen zu ermöglichen. Das wäre aus Sicht der IG Metall ein richtiger Schritt, da das gestörte Vertrauensverhältnis zwischen den Eigentümern und ihren Kunden sowie der Belegschaft für die Zukunft eine schwere Hypothek darstellt.“

Mit dem Ausstieg der NHG-Geschäftsleitung aus der seit 27. Juli schleppend verlaufenden Schlichtung ist diese Option nun offenbar vom Tisch, die Situation bleibt weiter ungeklärt. Was bleibt ist, dass die IG Metall derzeit weiter zurück an den Tisch bittet. „Wir verlangen, dass die Verhandlungen jetzt kurzfristig zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden, statt durch Zockerei die Arbeitsplätze unserer Kollegen aufs Spiel zu setzen“, so Höbel am heutigen Tag.

Ob damit der unterbrochene Streik wieder aufgenommen wird, blieb offen. Doch zum Beginn der Schlichtung hatte Olivier Höbel bereits auf die Art der Gespräche verwiesen: „Wir werden den Streik aussetzen, wie wir es angeboten haben. Endgültig wird der Streik erst mit einer zweiten Urabstimmung nach einem gemeinsam erreichten Schlichtungsergebnis beendet.“

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