Nach Besuch beim Roten Stern Leipzig: „Red Aces“ von RB Leipzig-Verantwortlichen verfolgt

Für alle LeserNoch ist kein Statement der Verantwortlichen von RB Leipzig bekannt, doch die Vorwürfe der RB-Fangruppierung „Red Aces“ stehen vorerst im Raum. Nach einem Solidaritätsbesuch am 9.12.2018 bei einer Partie der Frauenmannschaften von Roter Stern Leipzig und RB Leipzig II, gehen laut „Red Aces“ Fanbeauftragte des Clubs mit Fotos der Beteiligten herum. Von vereinseigener Strafverfolgung ist die Rede und fehlendem Datenschutz bei RB Leipzig. Erste Stadionverbote sollen ausgesprochen worden sein, weshalb rund 120 Personen das Spiel RB Leipzig gehen Mainz 05 (4:1) am 16.12. mit Anpfiff verließen.
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Für den als politisch eher progressiv stehenden Fanclub bei RB-Leipzig ist die Debatte mit dem eigenen „Verein“ nicht ganz neu. Neu ist jedoch die Qualität der Verfolgung und Bestrafung mittels Stadionverbot für Dinge, die nicht im eigenen Stadion stattfanden. Denn es geht um eine Frauenfußballpartie am 9. Dezember 2018 auf dem Gelände des Roten Stern Leipzig.

Die „Red Aces“ teilten am 16. Dezember als Grund für ihren geschlossenen Abgang beim Spiel gegen Mainz dazu mit: „Für das Spiel der Rasenballerinnen beim Team des RSL wollten alle Fans eine gemeinsame Botschaft senden, die sich gegen den stattfindenden Sexismus im Sport, Fußball und den Stadien Deutschlands stellt. So gab es zu Beginn der Partie auch ein „Love Football – Hate Sexism“ Spruchband, das von den Spielerinnen zum Einlaufen präsentiert wurde.“

Weiterhin habe es „auf beiden Seiten des Platzes auch einen Einsatz von Pyrotechnik“ gegeben. „Dies wurde vor dem Spiel mit allen Parteien abgesprochen und auch der Schiedsrichter zeigte sein Wohlwollen, auch im Spielberichtsbogen gibt es diesbezüglich keinen Kommentar. Für den gastgebenden Verein stellte dies ebenfalls kein Problem dar.“, so die „Red Aces“.

Soweit also offenbar kein Problem, zumal keines im RB-Stadion. Wenn da nicht die Ankündigung von Geschäftsführer Oliver Mintzlaff wäre, der Ende November 2018 im Angesicht von Rauchschwaden in Salzburg lebenslange Stadionverbote angekündigt hatte: „Wir werden alles für die Ermittlung der Täter tun und diese bestrafen – sie werden bei RB Leipzig keine Spiele mehr sehen.“ Zudem wolle man ein bundesweites Stadionverbot beantragen und dafür sorgen, dass die Fans die mögliche Strafe selbst zahlen, teilte RB Leipzig mit.

Das Agieren des Vereins aus Sicht des Fanclubs

Offenbar hat RB Leipzig entweder etwas dagegen, dass bei Spielen – ganz gleich wo und wie lang – irgendeine Art Pyrotechnik auftaucht oder ein politisches Problem genereller Art, wenn sich eigene Fans mit dem Roten Stern Leipzig solidarisieren.

So wurden jedenfalls laut „Red Aces“ im Nachgang an die Partie vom 9. Dezember „etlichen Fans Aufnahmen der in ihren Augen `Verdächtigen` gezeigt, die diese auf dem Gelände des Sterns zeigen. Aktiv wurde nach Namen und Gruppenzugehörigkeiten gefragt, Aussagen dazu gab es aber nicht. Über diese Solidarität sind wir sehr dankbar. Trotz dessen bekamen einige Menschen aus der aktiven Fanszene Hausverbote per Post zugesandt, die ihnen einen weiteren Besuch in unserem Stadion untersagen.“

Nun kann es immer passieren, dass ein Fußballclub sich von Fans trennt, die wiederholt aggressiv auftreten, andere Menschen (verbal oder körperlich) attackieren oder gar versuchen, einen Verein politisch zu vereinnahmen. Die Frage ist in diesem Fall wohl eher, ob da einige Warnlampen bei denen, die praktisch ausschließlich den Geldverdienst mit Fußball im Vordergrund sehen, nicht etwas zu früh eingestellt sind?

Denn eigentlich hat sogar RB Leipzig für solche Fälle eine Art „Gerichtsinstanz“, wie die „Red Aces betonen: „Der Verein entzieht sich hiermit auch einer konstituierten Stadionverbotskommission, die genau für solche Fälle ins Leben gerufen wurde. Hierbei hinterlässt auch der Punkt Datenschutz einige offene Fragen bei uns. Vor allem hinsichtlich der Informationsübermittlung von personenbezogenen Daten und deren Weitergabe. Aus Solidarität mit den Betroffenen verließen wir also gemeinsam mit anderen aktiven Gruppierungen den Block um ein klares Zeichen zu setzen.“

Auf die Erklärung der Gruppierung hin erläuterte ein Facebookuser das offenbare Selbstverständnis von RB Leipzig mit den Worten: „So manches Engagement der Aces ist löblich, aber die Unterbringung der Botschaften nicht immer gelungen. Es wird zu oft die Meinung auf das ganze Stadion übertragen. Oft geht es zu politisch her und auch gegen die eigenen Leute. Man beißt nicht die Hand die einen füttert. Es geht um RB Leipzig … nicht St. Pauli etc. Als Anhänger der roten Bullen weiß man dass es um Kommerz geht und man sich an gewisse Regeln halten muss.“

Das vollständige Statement der „Red Aces“ zum Heimspiel gegen Mainz am 16.12.2018

„Mit Anpfiff des Spiels gegen die 05er verließen rund 120 Personen, die einen festen Teil der aktiven Fanszene bilden, den unteren Teil des Stimmungsblocks in der 28. Aufgrund der Reaktionen der anderen Fans in unserer Kurve, ist dies für uns unumgänglich und wir wollen uns wie folgt über die Beweggründe ausführlicher äußern, als es uns im Stadion über die Megaphon-Anlage möglich war:

Am vergangenen Wochenende, Sonntag dem 09.12., fand das Spiel der 2. Mannschaft der Rasenballsport Frauen gegen die Roter Stern Ladies auf dem Vereinsgelände des RSL statt. Schon im Vorfeld der Partie gab es ein gemeinsames Vorhaben zwischen Fans beider Mannschaften, um der Begegnung einen würdigen Rahmen zu verleihen. Für alle Beteiligten war klar, dass wir mit einem gemeinsamen Fußballfest und aktivem Support der beiden Teams den Frauenfußball in ein Licht rücken, in dem er nur allzu selten steht.

Schon am Ende der letzten Saison besuchten AnhängerInnen von Rasenballsport ein Spiel des Frauenteams in Beelitz. Dort genossen sowohl Spielerinnen als auch Fans einen wunderbaren Nachmittag, der ohne äußere Zwänge und Komplikationen von statten ging. Für das Spiel der Rasenballerinnen beim Team des RSL wollten alle Fans eine gemeinsame Botschaft senden, die sich gegen den stattfindenden Sexismus im Sport, Fußball und den Stadien Deutschlands stellt. So gab es zu Beginn der Partie auch ein „Love Football – Hate Sexism“ Spruchband, das von den Spielerinnen zum Einlaufen präsentiert wurden.

Beide Fanlager schmückten diese Message mit weiteren Spruchbändern und anderen Tifo-Materialien aus. Zur Untermalung des Supports gab es auf beiden Seiten des Platzes auch einen Einsatz von Pyrotechnik. Dies wurde vor dem Spiel mit allen Parteien abgesprochen und auch der Schiedsrichter zeigte sein Wohlwollen, auch im Spielberichtsbogen gibt es diesbezüglich keinen Kommentar. Für den gastgebenden Verein stellte dies ebenfalls kein Problem dar.

Zum Heimspiel gegen Trondheim machte die Nachricht in den Kreisen der aktiven Fanszene die Runde, dass unser eigener Verein nun eigens eine Art der Strafverfolgung anstrebt. Auf perfideste Weise machten sich Fanbeauftragte in die Spur, die nun Ermittlung gegen die unliebsamen Fans des Spiels beim Roten Stern anstreben.

So wurden etlichen Fans Aufnahmen der in ihren Augen „Verdächtigen“ gezeigt, die diese auf dem Gelände des Sterns zeigen. Aktiv wurde nach Namen und Gruppenzugehörigkeiten gefragt, Aussagen dazu gab es aber nicht. Über diese Solidarität sind wir sehr dankbar. Trotz dessen bekamen einige Menschen aus der aktiven Fanszene Hausverbote per Post zugesandt, die ihnen einen weiteren Besuch in unserem Stadion untersagen.

Die betreffenden Menschen wurden heute vor den Toren des Sektor Bs noch einmal mündlich darüber in Kenntnis gesetzt. Der Verein entzieht sich hiermit auch einer konstituierten Stadionverbotskommission, die genau für solche Fälle ins Leben gerufen wurde. Hierbei hinterlässt auch der Punkt Datenschutz einige offene Fragen bei uns. Vor allem hinsichtlich der Informationsübermittlung von personenbezogenen Daten und deren Weitergabe. Aus Solidarität mit den Betroffenen verließen wir also gemeinsam mit anderen aktiven Gruppierungen den Block um ein klares Zeichen zu setzen.

Für uns steht der Support der Mannschaft an oberster Stelle. Daran besteht kein Zweifel, nicht umsonst fahren wir tausende Kilometer durch Europa, basteln an Choreos und versuchen stets unser bestes für die SpielerInnen des Vereins zu geben – egal auf welchem Platz, egal in welcher Liga. Dennoch sind wir alle Freundinnen und Freunde, die sich nicht spalten lassen. Gerade der extreme Vertrauensverlust zu zwei Personen der Fanbetreuung hat uns hart getroffen und geht nicht ohne Spuren an uns vorbei.

Bei anderen Personen des Vereins haben wir zeitgleich um ein klärendes Gespräch gebeten, um konstruktiv an einer Lösung zu arbeiten und unsere Dialogbereitschaft zu signalisieren.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen Gruppen und Menschen bedanken, die die heutige Entscheidung mitgetragen und akzeptiert haben. An die Mannschaft einen fetten Glückwunsch für drei wichtige Punkte!“

Zu den Red Aces im Netz

Pyrotechnik bei RB Leipzig: Geschäftsführer Mintzlaff kündigt lebenslange Stadionverbote an

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