„Wir sind wütend über alles, was jeder von uns schon angetan wurde!“: Feministischer Aktionstag im Leipziger Süden

Für alle Leser„Das Private bleibt politisch“; unter diesem Motto zogen am heutigen Samstagnachmittag etwa 500 Menschen vom Auwald durch den Leipziger Süden. Die Aktion, die von einer Vielzahl Leipziger Bündnisse, Vereine und Gruppen („Sichtbar und selbstbestimmt“, „Queers for evacuation“, „FEM*Streik“, „Frauen für Frauen“, „DaMigra“) initiiert wurde, sollte aufmerksam machen auf häusliche und sexualisierte Gewalt, die vielerorts Realität ist und oft im Verborgenen bleibt. Wie ein Sprecher der Polizei bestätigte, lief die Demonstration ruhig und ohne Zwischenfälle ab.
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Das konnte man auch vor wenigen Tagen in Deutschland beobachten. Am Mittwochabend schockten Joko und Klaas in ihren „15 Minuten“ mit dem Video „Männerwelten“ die TV-Zuschauer. In der Sequenz zeigten sie die verschiedenen Gesichter sexualisierter Gewalt auf Frauen; von Chatverläufen über Vergewaltigungsberichte zu sogenannten Dickpics (Bilder von Penissen), die viele Frauen ungefragt erhalten.

Das Video sorgte für Aufmerksamkeit und Entsetzen in den Medien und auf den sozialen Plattformen, zeigte aber vielmehr die für viele Personen bittere (und tägliche) Realität. Medien titelten unter anderem „TV-Aktion schockiert die Zuschauer“, was zeigt, dass das Thema „häusliche und sexualisierte Gewalt“ auch 2020 in vielen Köpfen keine oder eine tabuisierte Rolle spielt und gesellschaftlich im Verborgenen stattfindet.

Foto: L-IZ.de

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„Das Private bleibt politisch“; damit forderte die Aktion im Leipziger Süden die öffentliche Debatte, die öffentliche Hilfe und Anteilnahme und die Unterstützung aller Betroffenen durch öffentliche und politische Organe: #gewaltsichtbarmachen. „Wir sind wütend über alles, was jeder von uns schon angetan wurde!“,

Besonders in Zeiten von Corona steigt die Gefahr der häuslichen Gewalt; Hilfsangebote können nicht im direkten Kontakt aufgesucht werden, oftmals bleibt den Opfern derzeit nur die Telefonhotline. „Gerade jetzt in Zeiten der allgemeinen Isolation werden [die] strukturellen Gewaltverhältnisse in unterschiedlichen Kontexten besonders greifbar, gleichzeitig bleiben Menschen mit ihren Problemen allein.

Umso wichtiger ist es momentan, sich gemeinsam dagegen zur Wehr zu setzen, dass Gewalt gegen FLINT* (Frauen/Lesben/Intersexuell/Nicht-binär/Transsexuell, Anm.d.Red.) individualisiert betrachtet und verhandelt wird. Zuhause ist nicht für alle Menschen ein Ort der Sicherheit! Das Private ist politisch!“ Mit diesem Aufruf wanden sich die Veranstalter an die Öffentlichkeit.

Der Demonstrationszug startete auf dem Parkplatz am Auwald in der Richard-Lehmann-Straße. Nur wenige Meter entfernt war Anfang April eine 37-jährige Frau von ihrem ehemaligen Lebensgefährten (30) angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden. Zwei Tage später erlag die 37-Jährige im Krankenhaus ihren Verletzungen. Sie hatte ein Baby bei sich getragen, der Säugling blieb unverletzt. Gegen den Täter wurde Haftbefehl erlassen.

Banner und niedergelegte Blumen würdigten die Frau, die am helllichten Tag ihrem Ex-Partner zum Opfer fiel. „Ihr Tod ist Teil eines strukturellen Problems. Das hat einen Namen: Feminizid. Der Begriff bezeichnet den Mord an Frauen, weil sie Frauen sind bzw. als solche gelesen oder identifiziert gelesen werden“, erklärte eine Sprecherin.

„Feminizide stehen im Zusammenhang mit sexistischen Äußerungen und anderen alltäglichen Übergriffen auf Frauen, Lesben Trans- und Inter- sowie Nonbinary-Personen.“ Viele davon würden totgeschwiegen, auch habe sich die Gesellschaft vielerorts an derartige Übergriffe „gewöhnt“.

Nach einer Schweigeminute setzte sich die Demonstration über die Richard-Lehmann-Straße und über die Karl-Liebknecht-Straße fort. Bei einer zweiten Kundgebung auf der Wiese gegenüber des Kant-Gymnasiums kamen unter anderem auch Frauen in Geflüchteten-Lagern zu Wort, deren aufgenommene Worte über Lautsprecher übertragen wurden. Diese Frauen berichteten von katastrophalen hygienischen Zuständen, fehlender Information und der aufgehitzten Stimmung in den Lagern.

Ebenfalls ans Mikrophon kamen Sexarbeiter/-innen, die seit Beginn der Pandemie ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Für viele erklärte Prostitutionsgegner sei dies ein Grund zur Freude, erklärte Christian Schmacht.

„Solange es kein Gesetz gibt, das uns verbietet, dann kann vielleicht eine Pandemie den ekligen Bazillus Prositution ausmerzen? Wer jetzt noch auf der Straße anschafft, weil es keine andere Möglichkeit gibt, sieht sich mit Polizeikontrollen und verschärften Bußgeldern konfrontiert.“ Auch Sexarbeiter/-innen würden immer wieder Opfer von Gewalt.

„Wenn wir […] über patriarchale Gewalt sprechen, müssen wir daran denken: Es ist nie nur der eine Täter, der unser Leben bedroht“, kritisierte Schmacht. Vielmehr würden solche Taten möglich gemacht bzw. geduldet durch die Gesellschaft, den Staat und die Polizei.

Viel zu oft würden solche Taten auch in den Medien einseitig dargestellt, kritisierten die Organisator/-innen bei der Abschlusskundgebung vor dem LVZ-Gebäude. So sei in den meisten Fällen von einer Einzeltat, von einer Beziehungstat die Rede.

„Feminizide, häusliche Gewalt und sexualisierte Gewalt sind keine Familientragödien, sondern ein Ausdruck einer sexistisch-patriarchalen Gesellschaft und gehen uns daher alle an!“ Außerdem greife die Berichterstattung oft auch auf rassistische Erklärungsmuster zurück und verstärke diese.

„Diese Gewalt aber ist Ausdruck von Geschlechterverhältnissen und somit ein globales Problem, das auch in Deutschland tief verankert ist.“ Die Sprecherinnen forderten vielmehr eine solidarische Berichterstattung, die Anteilnahme mit den Opfern nehme.

Es sei mehr Präventionsarbeit und eine kritische Betrachtung sowie Unterstützung aller Betroffenen nötig, verdeutlichten die Organisator/-innen noch einmal zum Ende der Veranstaltung „[Die] Kämpfe müssen zugleich antikapitalistisch sein, denn der Kapitalismus und das Patriachart sind untrennbar miteinander verbunden. […] Frauen und Queers müssen endlich ökonomisch unabhängig sein. Alle müssen unter Bedingungen leben können, die sicher und frei wählbar sind.“

Staatliche Institutionen müssten endlich Schutz bieten; dazu gehöre auch die vollständige Umsetzung der Istanbul-Konvention, die der Stärkung der Gleichstellung von Frau und Mann und des Rechts von Frauen auf ein gewaltfreies Leben dient. „Wir fordern: Die Tötung einer Frau muss grundsätzlich als Feminizid, also Mord eingestuft und als Straftatbestand in das Strafgesetzbuch aufgenommen werden.“ Oftmals werde eine solche Tat in Deutschland als Totschlag eingestuft, was eine Verringerung der Strafen zur Folge habe.

Gegen ebendiese Verhältnisse setzten sich heute hunderte Menschen ein im friedlichen Protest. Alle Redebeiträge und weitere Informationen finden sich auch unter https://dasprivatebleibtpolitisch.wordpress.com/.

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DemonstrationHäusliche Gewalt
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Foto: Ralf Julke

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Corona-Hotspot Sachsen: Hasenfüßige Landräte und ein Brief an den OBM
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