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Häusliche Gewalt

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Motiv auf der Außenseite einer Straßenbahn. Foto: Bellis e.V. Leipzig

Jede Vergewaltigung ist ein medizinischer Notfall! Worum es der Plakatkampagne in Leipzigs Bahnen und Bussen geht

Seit einigen Wochen sind in Bahnen und Bussen ein paar ungewöhnliche Plakate zu sehen, auf denen Medizinerinnen auf ein wichtiges Beratungsangebot aufmerksam machen. Mit dem Motto „Jede Vergewaltigung ist ein medizinischer Notfall“ macht BELLIS e.V. seit Anfang Januar 2022 mit einer großangelegten Plakatkampagne auf das Thema aufmerksam. Ein Jahr lang weisen Innen- und Außenplakate an […]

Julia Cruschwitz, Carolin Haentjes: Femizide. Foto: Ralf Julke

Femizide: Warum Deutschland das Thema Frauenmorde endlich ernst nehmen muss

2020 war das, im April, da wurde die 37-jährige Sozialarbeiterin Myriam Z. Im Leipziger Auwald von ihrem langjährigen Lebensgefährten ermordet. Ein Vorfall, der seinerzeit nicht nur die Leipziger/-innen entsetzte, sondern auch ein paar Dinge in Bewegung brachte. Erstmals gründet sich auch in Leipzig eine Gruppe #keinemehr. Und zwei junge Autorinnen machen sich daran, ein Thema zu recherchieren, von dem man vorher den Eindruck haben konnte, dass es in Deutschland gar nicht existiert.

Häusliche Gewalt passiert im Verborgenen, die Fälle bleiben oft unentdeckt. Foto: pixybay

Häusliche Gewalt bleibt ein Problem im Landkreis Nordsachsen

Im Landkreis Nordsachsen gab es 2020 insgesamt 493 polizeilich gemeldete Fälle von häuslicher Gewalt (2019: 521). Das entspricht einer Häufigkeit von 249 Fällen/100 000 Einwohner. Eine höhere Häufigkeit gab es bei den sächsischen Landkreisen nur im Landkreis Görlitz mit 269 Fällen.

Krisenchat: Universität Leipzig evaluiert Beratungsangebot für junge Menschen

Die Corona-Pandemie bestimmt das gesellschaftliche Leben nun schon seit über einem Jahr. Monatelange Lockdowns inklusive Homeschooling beziehungsweise Online-Studium und dem Wegfall von Freizeitaktivitäten und sozialen Kontakten haben ihre Spuren hinterlassen. Viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene hatten mit den gleichen Problemen zu kämpfen: Isolation, fehlender Ausgleich, Ungewissheit.

Fast ausschließlich weibliche Gewaltopfer suchen Unterstützung. Symbolfoto: Pixabay/Counselling

Zentrales Hilfsangebot zum Schutz vor häuslicher Gewalt

In Leipzig wurde im April 2021 eine „Ständige Sofortaufnahme der Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen in der Region Leipzig“ errichtet. Betroffene müssen nun nicht mehr die Schutzeinrichtungen in Leipzig und Umgebung einzeln abtelefonieren, um einen freien Platz zu finden, sondern können sich unter einer zentralen Rufnummer melden.

Häusliche Gewalt passiert im Verborgenen, die Fälle bleiben oft unentdeckt. Foto: pixybay

Können wir Gewalt verlernen? Hintergründe und Bekämpfung häuslicher Gewalt

Seit nunmehr über einem Jahr bestimmt die Corona-Pandemie zu großen Teilen unser Leben. Homeoffice, Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren, Kinderbetreuung – für viele stieg der Stresspegel in den letzten Monaten enorm. Hinzu kommen Existenzängste, gerade in den Branchen, die seit mehreren Monaten nahezu stillgelegt wurden. Themen, über die diskutiert wurde und wird. Ein großes Dunkelfeld ist jedoch noch immer das der häuslichen Gewalt.

Fast ausschließlich weibliche Gewaltopfer suchen Unterstützung. Symbolfoto: Pixabay/Counselling

Häusliche Gewalt: Corona, der Brandbeschleuniger?

Wovor Fachleute warnten, scheint eingetreten. Erste Daten legen nahe, dass häusliche Gewalt vor allem während der Lockdown-Phasen im Frühjahr 2020 und im aktuellen Winter 2020/21 zugenommen hat. Dies zeigt eine repräsentative Studie ebenso wie die Belegungszahlen von Frauenhäusern. In Kooperation mit dem Rechercheprojekt CORRECTIV.Lokal hat die LEIPZIGER ZEITUNG die Situation auch in Leipzig untersucht.

Beate Ehms am 19. Januar 2019 im Felsenkeller. Foto: LZ

Leipzig bekommt ein neues Frauenschutzhaus mit Clearingstelle

Das Corona-Jahr war auch ein Jahr der stillen Gewalt. Denn viele Familien, die schon vor den Lockdowns Probleme hatten, saßen nun auf einmal in oft viel zu kleinen Wohnungen aufeinander und die Konflikte eskalierten. Schon bald mehrten sich die Nachrichten über zunehmende häusliche Gewalt. Im Oktober, als sich der zweite Lockdown ankündigte, thematisierten das die Fraktionen von Linken und Grünen im Leipziger Stadtrat.

Sarah Buddeberg. Foto: DiG/trialon

Sarah Buddeberg: Kampf gegen häusliche Gewalt verstärken

Der Landtag hat heute mit den Stimmen der Linksfraktion einen Antrag der Koalition beschlossen, der einen besseren Schutz vor häuslicher Gewalt bezweckt. Dazu sagt die Parlamentarische Geschäftsführerin und Sprecherin für Gleichstellungspolitik, Sarah Buddeberg: „Anfang September hatten wir einen Antrag vorgelegt (Drucksache 7/3817) und ein entschlosseneres Vorgehen gegen häusliche Gewalt sowie mehr Opferschutz gefordert.“

Feministischer Aktionstag am 16. Mai in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Leipzig soll ein viertes Frauenschutzhaus mit einer Clearingstelle bekommen

Die Ausgangsbeschränkungen zum Corona-Shutdown haben auch ein Problem wieder sichtbar gemacht, das sonst im Alltagsgeschehen kaum Beachtung findet: die Gewalt an Frauen. Denn am häufigsten erleben Frauen Gewalt in ihrer Partnerschaft, die zur Hölle werden kann, wenn der Partner seine Probleme nur noch mit Gewalt auslebt. Dann braucht es Zufluchtsorte für die Schwächeren. Aber die reichen in Leipzig schon lange nicht mehr.

Feministischer Aktionstag, „Das Private bleibt Politisch“ Foto:L-IZ

“Wir sind wütend über alles, was jeder von uns schon angetan wurde!”: Feministischer Aktionstag im Leipziger Süden

„Das Private bleibt politisch“; unter diesem Motto zogen am heutigen Samstagnachmittag etwa 500 Menschen vom Auwald durch den Leipziger Süden. Die Aktion, die von einer Vielzahl Leipziger Bündnisse, Vereine und Gruppen („Sichtbar und selbstbestimmt“, „Queers for evacuation“, „FEM*Streik“, „Frauen für Frauen“, „DaMigra“) initiiert wurde, sollte aufmerksam machen auf häusliche und sexualisierte Gewalt, die vielerorts Realität ist und oft im Verborgenen bleibt. Wie ein Sprecher der Polizei bestätigte, lief die Demonstration ruhig und ohne Zwischenfälle ab.

wonach wir suchen. Pressefoto: wonach wir suchen

Die Band „wonach wir suchen“ thematisiert häusliche Gewalt in einem einfühlsamen Musicclip

Es war ein großes Thema im Shutdown: Die Sorge darum, dass es in der Zeit des Zuhausebleibenmüssens in Familien und Partnerschaften vermehrt zu Gewalt kommt und die Opfer keine Chance haben, sich Hilfe zu holen oder wenigstens der beklemmenden Situation zu entfliehen. Die Leipziger Band „wonach wir suchen“ hat das Problem jetzt in einem Song und einem beeindruckenden Musikclip thematisiert.

Fast ausschließlich weibliche Gewaltopfer suchen Unterstützung. Symbolfoto: Pixabay/Counselling

Häusliche Gewalt: Landkreis schützt Frauen und Kinder

Viele Frauen, die sich aus einer gewalttätigen Beziehung lösen oder vorübergehend Schutz vor häuslicher Gewalt suchen, brauchen eine sichere und betreute Unterkunft für sich und ihre Kinder. Mit finanzieller Unterstützung des Freistaates Sachsen und des Landkreises Nordsachsen wurde jetzt die Frauen- und Kinderschutzwohnung in Torgau instandgesetzt und modernisiert. Sie bietet vier Frauen und ihren Kindern eine Zuflucht. Bis 30. Juni 2020 werden im Raum Delitzsch vier weitere Plätze für Frauen und deren Kinder geschaffen.

Tom Rodig (Die PARTEI), hier auf einer Kundgebung am Montagabend, dürfte so einkaufen gehen und Bahn fahren. Foto: L-IZ.de

Montag, der 20. April 2020: Maskenpflicht mit offenen Fragen

Geschäfte öffnen wieder, Busse fahren häufiger, doch wer irgendetwas davon nutzen möchte, muss Mund und Nase bedecken. Wie genau Anwendung und Kontrolle umgesetzt werden sollen, ist vielen noch nicht ganz klar. Derweil ist die Grippesaison in Sachsen mit 50 Todesopfern und mehr als 20.000 Erkrankten zu Ende gegangen. Die L-IZ fasst zusammen, was am Montag, den 20. April 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.

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