Der Vizepräsident des DSLV Sachsen Paul Döring im Gespräch

Schulsport aufstocken wäre der richtige Weg

Für alle LeserLZ/Auszug aus Ausgabe 54Der sächsische Schulsport hat zum Angriff geblasen. Obwohl eine Kürzung der Stundenzahl im Unterrichtsfach Sport vom Sächsischen Kultusministerium derzeit nicht angedacht ist, hat der Deutsche Sportlehrerverband Sachsen (DSLV Sachsen) 29.500 Unterschriften für eine Petition zum Erhalt der aktuellen Stundenanzahl binnen weniger Wochen sammeln können. Das LZ-Interview mit dem sächsischen DSLV-Vizepräsidenten Paul Döring in Auszügen.

Herr Döring, es ist ein wenig Zeit ins Land gegangen, seitdem Sie die Petition der sächsischen Sportlehrer zum Erhalt der Stundentafel für Sport im Sächsischen Landtag übergeben haben. Gab es seitdem eine Rückmeldung vom Kultusministerium?

Wir gehen mit unserer Petition sozusagen den Weg über die Landtag. Nach Übergabe der über 29.500 Unterschriften an den Landtagspräsidenten Herrn Dr. Rößler und die Vorsitzende des Petitionsausschusses, Frau Lauterbach, mahlen nun die parlamentarischen Mühlen. Soll heißen, es bemühen sich nun drei bis vier Ausschussmitglieder um unser Petitionsanliegen.

Der erste Schritt sieht eine schriftliche Stellungnahme des Kultusministeriums zu den Inhalten unserer Petition vor. Dafür hat das Ministerium sechs Wochen Zeit. Je nachdem wie die Antwort ausfällt, entstehen neue Szenarien. Dies geht von einer eher unwahrscheinlichen verbindlichen Zusage einer festen dritten Sportstunde, über Anhörungen im Ausschuss, bis hin zu weiterführenden parlamentarischen Auseinandersetzung mit unserer Petition.

Welchen Eindruck vermittelte Ihnen der Kultusminister bei Ihrem Treffen am 6. April?

Herr Piwarz hat uns mit einem sehr offenen und konstruktiven Gespräch empfangen. Er brachte zum Ausdruck, dass ihm der Schulsport wichtig ist, er aber gleichzeitig alle Fächer und Interessengruppen um Schule im Blick haben muss. Er verdeutlichte, dass die öffentlichkeitswirksame Petition die aktuelle Diskussion um die Stundentafel-Änderungen nicht vereinfacht hat – ein Zeichen für uns, dass ein „schnelles Streichen“ des Sportunterricht durch unsere Initiative verhindert wurde.

Leider konnten uns keine plausiblen Alternativen zur weiter angedachten Kürzung des Stundenumfanges von vier Prozent genannt werden, sodass wir weiterhin die Entwicklungen im Rahmen des Handlungsprogramms aufmerksam verfolgen werden. Ein Grußwort zum kommenden 15. Sächsischen Sportlehrertag im Sportpark Rabenberg im Juni 2018 hat er uns bereits zugesagt. Wir bleiben also in Kontakt.

Wieso ist das Schulfach Sport eigentlich immer in diesem Rechtfertigungszwang, wie es der Präsident des Sächsischen Sportlehrerverbands Peter Pattke im Landtag sagte, Deutschland hat doch eine lange Sporttradition?

Hier haben wir in Sachsen leider ein strukturelles Problem, da der Leistungs- und Breitensport im Innenministerium ansässig ist und der Schulsport nur eine Nische im Kultusministerium besetzt. Es muss in der Zukunft eine bessere Verzahnung zwischen den Ministerien geben, und hier ist der Sportlehrerverband gerne für Gespräche bereit. Der Sportunterricht ist der einzige Bewegungsraum, der alle Kinder und Jugendlichen erreicht, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft oder der sportlichen Neigung ihres direkten Umfeldes.

Schon die Ägypter wussten, dass ohne eine Breite keine Spitze entstehen kann. Daher sollte es auch gerade im Sinn des organisierten Sports sein, dass das Schulfach Sport die notwendige Aufmerksamkeit und den quantitativen, aber auch qualitativen Rahmen erhält, den er für die zukünftigen Herausforderungen benötigt.

Das gesamte Interview finden Sie in der aktuellen LEIPZIGER ZEITUNG vom Freitag, 27. April 2018. Paul Döring äußert sich darin ausführlich zum Hintergrund der Petition, der Bedeutung des Sportunterrichtes für Kinder und Jugendliche, zur Sporthallensituation und einigem mehr. In einem Sport-Special zum Thema sind weitere Beiträge zum Thema erschienen.

Die LZ finden Sie neben den normalen Presseläden (u. a. am Hauptbahnhof Leipzig und Dresden) auch im Szenehandel in Leipzig. Die monatliche Zeitung kann man hier abonnieren und so mit 29,50 Euro im Jahr echten Lokaljournalismus unterstützen. Das geht natürlich noch besser: Mit einem Kombi-Abonnement für L-IZ.de (alle Artikel frei lesen) & LEIPZIGER ZEITUNG.

Neuigkeiten auf der Plattform openPetition
https://www.openpetition.de/petition/blog/fuer-eine-bewegte-schulzukunft-unserer-kinder-und-jugendlichen

Stellungnahmen aus dem Landtag bezüglich der Petition sind hier einsehbar:
https://www.openpetition.de/petition/stellungnahme/fuer-eine-bewegte-schulzukunft-unserer-kinder-und-jugendlichen

Leipziger Zeitung Nr. 54, seit Freitag, 27.04.2018 im Handel: Schärfere Polizeigesetze ersetzen keinen aufrechten Gang

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