Ahnes dritter Band mit Zwiegesprächen mit Gott

Am 8. Juli ist der offizielle Veröffentlichungstermin für Ahnes dritten Bands mit "Zwiegesprächen mit Gott". Offizielle Buchpremiere ist am 25. August 11 Uhr im Arena-Badeschiff in Berlin. Wo auch sonst? - Gott ist nunmal ein Berliner, wohnt in der Choriner Straße und wundert sich schon lange nicht mehr, dass Ahne unangemeldet in seine Wohnung schneit.
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Auf Radio Eins kann man die skurrilen Dialoge der beiden regelmäßig hören, wo sie sich – wie könnte es anders sein – über Gott und die Welt unterhalten. Denn Ahne ist zwar ein echter Berliner mit entsprechend abgeklärter Welthaltung. Aber hin und wieder lässt er doch so einen Tuchzipfel gucken, etwa wenn er Gott nach der Dreifaltigkeit fragt. Da muss Gott zwar auch drucksen und erklärt ihm am Ende gar nichts.

Aber die Zwiegespräche leben davon, dass dieser so tapfer in der Choriner Straße ausharrende ältere Mann mit Bart und Übergewicht eben nicht der imposante Gott der Bibel zu sein scheint, sondern einer, der  vor lauter Beschäftigung mit dem Gottsein auch mal ein paar wichtige Sachen nicht weiß, sich aber trotzdem nicht in die Karten gucken lässt.

Sozusagen zwei waschechte Berliner im verbalen Gekabbel, denn so rechte Gründe hat ja Ahne nicht, Woche  für Woche bei dem schrulligen Alten vorbeizuschauen, sich mit „Na, Gott!“ anzumelden und mit „Na.“ begrüßt zu werden. Er plaudert einfach drauflos, wie man so gute alte Bekannte zuplaudert, wenn man sie trifft. Mal sind es ein paar Schuhe, die jemand über Leitungsrohre gebammelt hat, mal sind’s die unsichtbaren Nachbarn, die ganz verschüchtert reagieren, wenn man sie trifft, mal ist es das Gerücht, der Mauerpark solle privatisiert werden, und schon sind die beiden mittendrin im kleinen Ringkampf der Worte. Denn es sind ja auch zwei Männer unter sich, die einander keine Blöße zeigen wollen. Ahne nicht, weil  er ja vielleicht doch ein paar Gefühle haben könnte. Und Gott nicht, weil er, der Allwissende, vielleicht etwas doch nicht weiß.

Aber das kann ja vorkommen im Großen und Ganzen. Wer sich mit dem Überleben der Arten und dem Funktionieren der Welt beschäftigen muss, der kann nicht unbedingt alles mitbekommen, was die Menschen da unten so anstellen, schon gar nicht, wenn es – im Weltzusammenhang betrachtet, solche Petitessen wie abgekupferte Doktorarbeiten, niedliche Sachsen oder Musik sind. Wobei Gott durchaus weiß, was wirklich gute Musik ist – aber die hat er wohl in der Jungsteinzeit zuletzt gehört. Vor ungefähr 7.000 Jahren.

Wenn nicht alles täuscht, ist der Ton zwischen den beiden im dritten Band etwas rauher geworden. Aus dem Abtasten früherer Dialoge, in denen Ahnen noch versuchte, dem Gott in seiner Berliner Altbauwohnung ein wenig hinter die Fassade zu schauen, wird in diesem jüngeren Pack der Zwiegespräche öfter eine Verstimmung, da ist Ahne mit der Abgeklärtheit und Unparteiischkeit seines Gottes  gar nicht mehr so recht einverstanden und die Verabschiedung wird entsprechend kurz angebunden. Was nicht bedeutet, dass Ahne nicht beim nächsten Mal wieder forsch in die Wohnung marschiert kommt, auch wenn er im Hausflur in ein typisches Berliner Erzeugnis getreten ist.

Immerhin gibt es einige wichtige Fragen zu erörtern – die des Waldsterbens zum Beispiel oder die der Rolle der Klimaskeptiker, der Rolle von Sauriern im Leben der heutigen Großstadtkinder oder der um sich greifenden Fettleibigkeit. Was immerhin ein ganz persönlicher Ahne-Kummer ist: Als gewordener 42jähriger Familienvater ist er nicht mehr ganz so schlank und anarchistisch wie früher mal, als er auch noch bei den Surfpoeten mitmischte. Heute gehört er zu den Stars der Reformbühne Heim & Welt, ist einer von jenen, die über die wöchentlichen Auftritte im Café Burger hinaus Erfolg haben – und die damit entsprechende Arbeit. Da freut man sich zwar – ganz Ahne – immer wieder auf den 2. Mai, den Tag der Arbeitsfreiheit. Aber anderntags muss er sich eben doch wieder hinsetzen und einen neuen Ahne-Gott-Dialog ausdenken. Einen, der seine kleine, manchmal boshaften oder schelmischen Höhepunkte hat, der kurz ist und mit einem flapsigen „Tschüss, Gott“ endet.

Manchmal steckt die eigentliche Pointe dann in der regelmäßigen Nachfrage. Denn die beiden kommen zwar ins Hundertste und Tausendste, wenn sie erst einmal einen Gesprächsaufhänger haben, aber dabei verfehlen sie manchmal auch, wieder zum Ausgangspunkt ihres Gesprächs zurückzukehren. Brennende Autos zum Beispiel. Oder die ausverkauften Geigerzähler in Berlin.

Aber spätestens 2019 wird ja alles gut, muss niemand mehr arbeiten, alle Regierungen lösen sich auf und es herrscht Friede, Freude und Eierkuchen. Sagt zumindest Gott aus der Choriner. Den Ahne Woche für Woche mit neuer Fröhlichkeit besucht, obwohl er eigentlich gar nicht an ihn glaubt. Jede Woche ein neues Vergnügen für alle, die selber zweifeln oder sich ganz und gar sicher sind. Das Ganze mit 15 Titeln in der gesendeten Radio-Eins-Version auf der beiliegenden CD. Hat ja nicht jeder einen Empfänger für das Radioprogramm. Und nicht jeder kennt einen molligen Alten gleich um die Ecke in der Choriner, wo er schnell mal mit ein paar ungeklärten Fragen vorbeischneien kann.

Ahne „Zwiegespräche mit Gott. Unser täglich Brot“, Voland & Quist, Dresden und Leipzig 2011, 14,90 Euro

BerlinLesebühne
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