Ein kleines Plädoyer für mehr exotischen Gaumenschmaus auf dem Grill

Die Grillsaison hat begonnen. Man hört es, man riecht es, man sieht es. In den Parks häufen sich die Löcher im Rasen und die Müllberge. Und was ein richtiger Kerl ist, der lässt auch schon mal Stichflammen schießen, um zu zeigen, dass er seit der Erfindung des Lagerfeuers nichts verlernt hat. Dass es aber nicht nur immer triefende Würste sein müssen, die gegrillt werden, macht Ute Scheffler mit diesem Mini klar.

Es versucht der grillsüchtigen Feuermeute nicht gleich ganz das Anbrutzeln von Esswaren auf dem Rost auszureden, hält sich auch aus der Diskussion um Kohle-, Gas- oder Elektrogrill raus. Aber es ist ein kleines Plädoyer für mehr Phantasie, wenn schon unbedingt mit dem Feuer gespielt werden muss. Denn wenn man schon die Esse anwirft, dann muss das ja trotzdem nicht bedeuten, dass man einfach ungesunde Fleisch- und Fettmengen zum Zischen bringt. Man kann auch ein bisschen was für den Gaumenschmaus tun. Weg vom üblichen Ketchup- und Senf-Einerlei. Die Vielfalt fängt in der Vorbereitung an – zum Beispiel mit exotischen Marinaden, in denen man das Grillgut schon einmal mit vielfältigen Geschmacksnuancen versieht. Das darf scharf sein, würzig, sanft, süß oder von wilden Kräutern dominiert. Und es steht gleich vorn im Büchlein mit einigen Rezepten, die sich leicht umsetzen lassen und die Griller daran erinnern: Wer wirklich einen Grillgenuss haben will, der bereitet das Ganze schon am Tag davor vor.

Vom Fleisch rät Ute Scheffler auch nicht gleich ab. Wahrscheinlich aus Lebenserfahrung: Die meisten Männer kann man einfach nicht umerziehen. Die wollen ihr Mammut auf dem Grill. Oder Wollnashorn, Bison oder Säbelzahntiger. Auch wenn der Chef im Supermarkt sagt: Ist alles aus. Habt ihr schon vor 18.000 Jahren weggegrillt. Dafür liegen ja Fleischtheken und Kühltruhen voll mit Steaks, Koteletts, Schweinemedaillons, Schweinenacken (man hört es ja regelrecht grunzen aus dem Wald – die Jagdmeute hat die Wildschweinherde aufgescheucht, das Grillgut ist gesichert …). In einem kleinen Kapitel schildert die Autorin, wie man aus all diesen schweinischen Einzelteilen mit etwas Phantasie mehr machen kann als nur ein angekokeltes Stück Fleisch. Das geht bis hin zum selbstgefertigten Cheeseburger, Lammrücken, Entenbrust und Zitronenhähnchen. Nie gehört?

Wer nichts ausprobiert, versumpft im Immergleichen. Ist nicht von Goethe, stimmt aber.

Und wem das Fleisch dann trotzdem zu schwer ist – gerade an den kommenden heißen Tagen, der wird sich dann über die nächsten Kapitel freuen, in denen es eher um leichteres Grillgut geht. Wer noch nie Fisch auf den Rost gepackt hat, bekommt hier ein paar Tipps und Rezepte, was er mit Forellen, Rotem Schnapper (Red Snapper), Schwertfisch, Thunfisch, Rotbarsch und Seeteufeln alles anfangen kann. Sollten wir vielleicht nicht zu laut anpreisen, sonst ist der Ozean hinterher leer, denn auch Hummer, Garnelen und Lachse werden nicht verschont.

Aber man muss den Grill ja nicht den Herren (allein) überlassen. In gut gepflegten Familien haben sich Frauen längst die Hälfte des Rostes erobert und legen mit wissender Miene Dinge drauf, die zwar nicht die ganze Gartenumgebung zum Wahnsinn treiben, wenn sie vor sich hindampfen, dafür leichter verdaulich und trotzdem lecker sind. „Vegetarisch grillen“ heißt das Kapitel, in dem man erfährt, was echte Veggieburger sind, Katoffelspieße, Rosmarin-Grill-Tomaten, gefüllte Paprika vom Grill oder Süßkartoffeln mit Tomaten-Salsa. Selbst die Namen der Rezepte klingen eindeutig schon viel leckerer als etwa Mammutlende oder Höhlenbärkeule.

Am Ende erfährt man noch, dass man auch Früchte und Eis auf den Grill packen kann. Und es kommt noch die Abrundung des Ganzen. Denn wenn man tags zuvor an die richtige Marinierung der Grillware denken sollte, darf dann beim Festmahl am Grillabend die Vielfalt der Dips und Beilagen nicht fehlen. Ein paar durchaus exotische Salate darunter, Saures, Süßes, Scharfes. Dann wird der Abend mit Grill eben nicht nur wie die sonstigen Fett-Tropf-Zisch-Getue, sondern auch ein kulinarisches Vergnügen. So gesehen wieder ein Büchlein, das für mehr Vielfalt und mehr Essgenuss plädiert. Auch beim Grillen.

Ute Scheffler „Grillen exotisch, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2015, 5 Euro

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